
I. Protozoa.
D ie ersten Ang aben über die P r o t o z o e n der Süß wasser-Mikrofauna von Südamerika
und den dazugehörigen Inseln veröffentlichte 1841 C. G: E h r e n b e r g ,(8 ! ) , der dieselben in
seiner Publikation vom Jahre 1848 und 1861 . (9. 10.) ergänzte, bezw. einigermaßen erweiterte.
A lle drei Aufsätze aber behandeln fast ausschließlich: b loß die Repräsentanten
der Sarcodina-Klasse und unter den aufgeführten A rten befinden sich auch mehrere zweifelhafte,
insofern laut der Zusammenstellung: von W . S c h e w i a k o f f : (20. p. 169— 172) bloß
7 derselben als sichere A rten zu betrachten sind. D ie nächstfolgende diesbezügliche A ng abe
machte J. B r u n e r im Jahre 1886, als er seine Studien über die in Chile beobachtete Euglena
viridis Ehrb : (2.) publizierte.
D ie Daten der genannten zwei Forscher werden weit überflügelt durch diejenigen,
welche A . C e r t e s in seiner Publikation vom Jahre 1889 (4.) brachte, insofern darin 43 Arten
aus einem Material vom Feuerland enthalten sind. Unter den von A . C e r t e S verzeichneten
und teilweise auch beschriebenen Arten sind die Repräsentanten sowohl der Sarcodina-, als
auch der Mastigophora- und Infusoria-Klasse. vertreten, die zu letzterer Klasse gehörigen
allerdings in sehr beschränkter Auswahl (3). Übrigens sind laut der Zusammenstellung von
W . S c h e w i a k o f f von den 43 Arten b loß 31 sichere Arten, die übrigen aber teils synonym,
teils zweifelhaft (20. p. 166— 167).
Einen g roßen Aufschwung gewann die Kenntnis der südamerikanischen Süßwasser-
Protozoen durch J. F r e n z e i s zwei Publikationen, deren erste, im Jahr 1891 erschienene (15.)
23 Arten und 13 Gattungen der Sarcodina-Klasse, 37 Gattungen der Mastigophora-Klasse
und 46 Gattungen der Infusoria-Klasse ohne Bezeichnung der Arten erwähnt. Das im Laufe
der Jahre 1892— 97 erschienene zweite und größere monographische W e rk (16.) enthält teils
die Beschreibung, teils das Namensverzeichnis der Khizöpoda- und Helioamoeba-Arten und
hiernach hat J. F r e n z e l insgesamt 88 hierhergehörige Arten von argentinischen Fundorten
beobachtet. V on den Gattungen sind 22, von den A rten aber 43 neu. A u ß e r der Beschreibung
der neuen Gattungen und Arten, sowie der interessanteren Formen, nimmt J. F r e n z e l
indessen auch eine neue Einteilung der R h i z o p o d e n vor, insofern er sie in folgende vier
Ordnungen trennt, und zwar: 1. Protamoebaea, 2. Amoebaea, 3. Helioamoebaea, 4. Mastigo-
amoebaea.
In jüngster Zeit haben G. E n t z und E . v. D a d a y auf die südamerikanischen S ü ß wasser
Protozoen bezügliche Daten veröffentlicht. G. E n t z hat nämlich 1902 aus dem von
F. S i l v e s t r i in verschiedenen Gegenden von Patagonien gesammelten Material 23 Arten
verzeichnet, und zwar aus der Sarcodina-Klasse 3, aus der Mastigophora-Klasse 9, aus der
Sporozoa-Klasse 1 und aus der Infusoria-Klasse 10 Arten. D e r grö ß te T e il der Arten war
bis dahin aus Südamerika nicht bekannt, darunter aber auch eine sehr interessante neue
Art, Acineta tripharetra (13). In der -gleichfalls 1902 - erschienenen Abhandlung von
E . v . -D a d a y :(i|" weMen aias 'C h ile 5 Proio^oa-Arten erwähnt, wovon 3 in die Mastigophora
und 2 in die Infusoria-Klasse gehören.
Als ein, auch auf die Süßwasser-Protozoen von Südamerika Rücksicht nehmendes
W e rk ist hier noch W . S c h e w i a 'k o f f s g rö ß e re 1 A rbeit ;,Über die geographische Verbreitung
der Süßwasser-Protgzoen1 ‘ au s .d em Jahre .1893 zu erwähnen, insofern;es die in der Literatur
bis dahin erschienenen diesbezüglichen Daten zusammenfaßt.
Bei der nachstehenden Aufzählung und Beschreibung.der bei.meinen Untersuchungen
beobachteten'Arten befolge ich im ganzen diejenige systematische Einteilung, welche G .E n t z
in dem die Protozoen behandelnden Hefte des Werkes ¿„Fauna Regni Plungariae“ mit teil-
weiser Modifikation des Systems von O. B ü t s c h l i (3.) festgestellt hat, und mache in dieser
Hinsicht bloß bei der Sarcodina-Klasse eine Ausnahme, bei deren inneren Einteilung ich
im ganzen in dieL Fußstapfen von L e i d y - L a n g 't r e t e (17. a), wogegen ich hinsichtlich der
Synonymie und bezw. der Nomenklatur durchaus die obenerwähnte Publikation von G. E n t z
vor Augen habe. ■
1. KiaUjt. Sarcodina B u t s c h ii.
1. Subklasse Rhizopoda.
Diese Subklasse umfaßt e ie B ü l i e h ü -K r . t z s c h e Ordnung de r . Rhizopoden, sowie
die Subklassen: Lobosa, F ilosa und FtHzopoda. - |j|? t icu lo s^ des ■ Systems A , L ä n g s .
Üb rigens-liaf auch J. F r e n ze. 1 diese Subklasse abgesondert.
i. Ord. Lobosa.
Der. Umfang dieser, O rdnung ist identisch mit dem der L e id y- L a n g sehen Subklasse
Lobosa und umfaßt die Unterordnung Xuda des B ü t s e h H -K n lz s e h e n Systems, sowie die
jlam i lie Areellidae der Unterordnung -Testacea. .
i. Subord. Amoebaea.
Diese Unterordnung hat identischen W e rt mit der B ü t s c h l i -E n t ä s e h e n SubordoiVMiZii
und der A . JÄ n g S d h e n Ordo Armibdith7’ Vereint’ sodann die J. F r e n z e l selten Ordnungen
Protamoebaea und Amoebaea.
, Fam. Amoebidae. :
D ie südamerikanischen Arten dieser .Familie hat - zuerst y j. F r e n z ej- zum Studium ge.-
macht (Bibliotheca Zoologica. Heft i|B ü ü d 'd ie von ihm beobachtetem'29 Arten und einige
Varietäten in . 8 Gattungen zusarrimengefäßt. V on -d ie sen -G a ttu n g en sind bloß Amoeba,
Pelömyxa und Dactylosphaeriam- älter, die’ übrigen 5, die GuttuUdium, Saccamoeba, Sal-
tonella, F iekm iä xinA Stylamoeba hingegen. iieü'. vUhtbr. den .'29 beobachteten Arten sind
bloß 12 früher bekannt gewesen, d ie "übrigen 1.7 dagegen sind neu. .