
Tatsächlich ließ sich außer dem etwas fraglichen Tiere A2 eine Übereinstimmung auch in dieser
Beziehung in den beiden Versuchsreihen feststellen.
Es läßt sich also als Beantwortung der zweiten Frage, die zu diesem Versuch veranlaßte, die Tatsache
feststellen, daß die Normalreaktion bei dem der Sonne ausgesetzten Laubfrosch in einem
Schließen der Drüsen beruht (siehe Tab. Experiment I unter Ax).
Danach würde die Bedeutung der Schließvorrichtung beim Laubfrosch als Anpassung an die
heliophile Lebensweise aufzufassen sein.
Von besonderem Interesse für diese Untersuchung schien die Frage zu sein, ob eine Schließvorrichtung,
wie sie oben geschildert wurde, auch den Hautdrüsen anderer Hyliden zukommt und
weiterhin, ob und in welchen Grenzen Schwankungen in der Hautdrüsenzahl sich feststellen lassen.
Es konnte in dieser Richtung nur eine flüchtige, der Orientierung dienende Untersuchung angestellt
werden. Außer den einheimischen Laubfröschen (Hyla arborea L.) standen mir noch solche derselben
Spezies aus Palästina zur Verfügung und eine stattliche H. infrajrenata aus dem tropischen Neuguinea.
Was die Drüsenzahlen betrifft, so waren die höchsten Werte in einer Hauteinheit bei den
Laubfröschen aus Palästina zu zählen. Der Unterschied zwischen der mitteleuropäischen und palästinischen
Hyla betrug im Durchschnitt in demselben Hautbezirk und bei gleich großen Tieren etwa
40 Drüsen in 1 qmm. Diese beträchtliche Abweichung ist insofern von sehr hohem Interesse, als
die Laubfrösche der Mittelmeerländer im Zusammenhang mit den anderen klimatischen Bedingungen
eine größere Vorliebe für das Wasser als die mitteleuropäische Stammart offenbaren (D ü r i g e n).
Die Drüsenzahlen in der Haut der neuguineischen H. infrafrenata sind nicht ohne weiteres wegen des
enormen Größenunterschiedes der Tiere mit den anderen vergleichbar. Ihre Zahl in einem qmm der
Rückenhaut war um etwa 20 Drüsen größer als bei dem europäischen Laubfrosch, demnach sogar
geringer als bei den Tieren aus Palästina. Betreffs der zweiten hier aufgeworfenen Frage muß gesagt
werden, daß es zur Ausbildung eines besonderen „Schließapparates“ bei der tropischen H. infrafrenata
nicht gekommen ist. Dieser negative Befund ist aber sehr vielsagend, da es sich hier um einen
Urwaldbewohner handelt, der aus einer sehr sumpfigen Gegend mit ganz extremen Belichtungs- und
Feuchtigkeitsverhältnissen stammt.
Zusammenfassung des III. Teiles.
1. Sowohl die Bauch-, wie auch die Rückenhaut weist bei Hyla arborea außer den Gift- und Schleimdrüsen
noch solche eines dritten Typus von unbekannter Funktion auf.
2. Dem Laubfrosch kommt in bezug auf die sehr hohe Drüsenzahl wie auch den Bau des Ausführungsganges
unter den einheimischen Anuren eine Sonderstellung zu.
3. Der Ausführungsgang der Rückenhautdrüsen ist im Bereiche der Epidermis zu einem „ Schließ-
apparat“ ausgebildet worden.
4. Der Schließapparat fällt der Häutung nicht anheim.
5. Zwei der an den Schließapparat angrenzenden Halszellen haben sich zu charakteristischen „Sockelzellen“
umgewandelt.
6. Den Bauchhautdrüsen fehlt sowohl ein Schließapparat, wie auch das Sockelzellenpaar.
7. Bei dem tropischen Urwaldbewohner H. infrafrenata ist es zur Ausbildung eines Schließapparates
nicht gekommen.
8. Der Drüsenersatz erfolgt bei II. arborea:
1. durch Neubildung eines Drüsenbeutels nach dem embryonalen Modus an Stelle einer zugrunde
gegangenen Drüse,
2. durch äußere Knospen (Giftdrüsen),
3. durch innere Knospen (Drüsen des 3. Typus) und
4. durch Verschluß des Drüsenhalses (Zellwucherung an seiner Basis).
An dieser Stelle möchte ich meinem hochverehrten Lehrer, Herrn Prof. Dr. R. H e s s e , auf
dessen Anregung und unter dessen Leitung ich diese Untersuchungen unternehmen durfte, für den
steten Beistand und das Interesse, das er dieser Arbeit entgegenbrachte, meinen herzlichsten Dank
aussprechen.
Ebenso bin ich Herrn Prof. Dr. P. K r ü g e r für seine anregende Teilnahme und Herrn Prof.
Dr. 0 . V o g t für das liebenswürdige Anfertigenlassen der Photographien in seinem Institute zu
bestem Dank verpflichtet.