
unterschied beobachten, so bedeutet es, daß der Mosaikpanzer dieses Tieres nicht gleichmäßig dick
ist, sondern an manchen Stellen doppelt so dick ist, als an anderen.
Diese einfache Methode erlaubt eine eingehende und genauere Analyse der Mikroskulptur, deren
vertikale Maßangaben sonst kaum zu ermitteln sind. Bei der Beschreibung von Oniscus asellus,
Armadillidium, Echinarmadillidium fruxgalii und Hemilepistus Klugi haben wir Fälle kennen gelernt,
in welchen die Ebene der Cuticula durch Vertiefungen, Grübchen, Punkte unterbrochen ward. Wir
haben gesehen, daß das S in k e n der Interferenzfarbe diesen Vertiefungen entspricht, was unzweifelhaft
dartut, daß die doppelbrechende Schicht an diesen Stellen d ü n n e r ist, als in der Umgebung.
Es wäre auch möglich, daß die doppelbrechende Schicht ihre durchschnittliche Dicke b e h a lte n d
unter den Vertiefungen des Chitins umbiegt. Dies ist jedoch nicht der Fall, sondern die doppelbrechende
Schicht verschmälert sich. Fig. 10 zeigt diese Verhältnisse bei Echinarmadillidium Iruxgalii.
Fig. 10. Echinarmadillidium fruxgalii. — Schema zur Veranschaulichung des Zusammenhanges
zwischen Schichtdicke und Interferenzfarbe. Näheres im Text.
A stellt die Skulptur der Cuticula von oben betrachtet dar. Wir sehen ein einfaches und ein „augenfleckiges“
Grübchen. Die Oberfläche der Cuticula ist schön Indigo II. 0 . (600 /¿ft), der Grund der
Grübchen Gelb I. O. (300 /¿ft), die Abrandung der Grübchen Orange I. O. (500 / tft) . Unter B zeichnete
ich einen senkrechten Schnitt durch die Cuticula entlang der Linie ab; die doppelbrechende Schicht
ist schwarz. Die durchschnittliche Dicke der Calcitschicht, welche im allgemeinen eine Interferenzfarbe
von 600 ft ft Gangunterschied bedingt, sei d. In den Vertiefungen verdünnt sich die Schicht
auf d/2, welcher Umstand natürlich eine Herabsetzung der Interferenzfarbe auf 300 ft ft mit sich
bringt. Der rundliche, bezw. ringförmige Grund der Vertiefungen zeigt also Gelb I. O. Der Rand
der Vertiefungen ist nicht rechtwinkelig, sondern abgerundet oder stumpfwinkelig abgestutzt, dementsprechend
sehen wir, daß die Calcitschicht hier dünner ist, so daß sie eine intermediäre Farbe,
nämlich Orange I. 0 . (500 ftfi), hervorruft, welche in Form von Ringen zwischen Indigo und Gelb
eingefügt ist.
Wie in den Vertiefungen, scheint sich die doppelbrechende Schicht unter den Erhebungen der
Cuticula ebenfalls nicht unverändert umzubiegen. Wir haben bei Porcellio spinicornis gesehen, daß
die Erhebungen der Cuticula eine höhere Interferenzfarbe zeigen, als ihre Umgebung, so daß wir
auf eine Verdickung der doppelbrechenden Schicht folgern müssen.
Wenn man einerseits das Mineral, anderseits die Qualität der Interferenzfarbe kennt, so ist die
annähernde Schichtdicke aus der bekannten Tabelle von M i c h e l L e w leicht zu entnehmen. Da wir
aber die Gangunterschiede der vorkommenden Interferenzfarben auf Grund der Bestimmungen mit
dem BEREK’schen Kompensator zahlenmäßig angeben können, ist die Schichtdicke auch etwas genauer
zu ermitteln. Die Schichtdicke (d), Doppelbrechung ( n y — n a ) und Gangunterschied (r)
stehen miteinander in folgender Beziehung:
r = d (n — n a),
woraus
d ------ - ------.
n y — n a
In unserem Falle ist n y — n a — e = 0,1722, d. h. die Doppelbrechung des Calcits und r wird
bei den verschiedenen Tieren mit dem Kompensator bestimmt, so daß wir aus der Formel
B B g . r
0,1722
die Schichtdicke in Millimikren (ftft) erhalten.
Die beigefügte Tabelle enthält die Gangunterschiede, welche ich bei den verschiedenen Arten
bestimmte, vorausgesetzt, daß ihre Höhe nicht über die Grenzen der Brauchbarkeit des Kompensators
hinausging. Wegen der leichteren Benützung dieser Tabelle bemerke ich, daß die obere Grenze der
ersten Farbenordnung bei 551 ft f t, die der zweiten bei 1102 ft ft liegt. Aus der oberen Formel kann
man leicht ausrechnen, daß ein Gangunterschied von 172 ft ft einer Schichtdicke von 1 p entspricht.
Bei zunehmender Dicke, aber bei gleicher Lage der optischen Achse, gibt also der Calcit folgende
Interferenzfarben, gekennzeichnet durch die Gangunterschiede:
1 ft D i c k e 172 p p G an g u n te r schied
2 „ „ 344 „
3 „ „ 516 „
4 „ „ 688 „
5 „ „ 860 „ „
6 „ „ 1032 „
7 5J „ 1204 „ „ usw.
Prof. V e n d l machte mich darauf aufmerksam, daß diese kleine Rechnung implizite eine theoretische
Methode der Bestimmung der Doppelbrechung enthält: wenn man nämlich den Gangunterschied
(die Interferenzfarbe) einer 1 ft = 1000 ft ft dicken Platte bestimmte, so erhielte man das Maß
der Doppelbrechung.
Mit Hilfe dieser Zahlen sind wir imstande, die Dicke der anisotropen Schicht aus den Gangunterschieden
(Farben) sofort abzuschätzen, oder, wenn wir den Gangunterschied mit 172 dividieren,
die Dicke in Mikren auszurechnen.
Ich gestehe, daß ich sehr überrascht war, als ich die Werte für die Panzerdicke errechnete. Wir
finden nämlich bei den extremen Fällen:
Orthometopon p la n um .............................. r = 86,1 ¡¿ft d 0,5 /¿,
Armadillidium v u l g a r e .......................... r = 926 ftp d = 5,4 /¿,
also auffallend niedrige Werte, welche z. B. mit der bekannten Dicke und Festigkeit des Panzers
eines Armadillidium in dem ersten Moment nicht leicht in Übereinstimmung zu bringen sind. Man
würde viel größere Dickfe erwarten. Wenn man die höchste Interferenzfarbe, Weiß höherer Ordnung,
nimmt, so erhalten wir für die Dicke 58 /¿, ein Wert, welcher kaum doppelt so groß ist, wie die allge-
gemeine Dicke der Dünnschliffe (30 /¿).