
als Schutzorgan, von dem je nach den Umständen Gebrauch gemacht wird, für dieses Studium weniger
geeignet zu sein. Eng verbunden mit diesen Untersuchungen war .die Frage nach der Regeneration
der während eines Jahres verbrauchten Drüsenbeutel. Über den Stand der Arbeiten auf diesem Gebiete
berichte ich mit den Worten G a u p p s : „Daß überhaupt Regenerationsprozesse, und zwar
Neubildungen ganzer Drüsen zu erwarten sind, geht aus den Beobachtungen bei Urodelen
und Tritonen), wo alle diese Dinge bereits viel besser bekannt sind, h e rv o r... F ü r die Frösche fehlen
. . . die entsprechenden Beobachtungen. J u 11 in s , der besonders auf diese Verhältnisse geachtet hat,
konnte nur feststellen, daß regressive Stadien in den einzelnen Drüsen Vorkommen, vermochte dagegen
einwandfreie Beobachtungen über die regenerativen Vorgänge bisher nicht zu machen. Dafür, daß
auch beim Frosch eine Regeneration der ganzen Drüsen innerhalb eines verödeten Drüsenbalges
stattfindet, war ein A nhalt nicht zu finden, wahrscheinlich ist es, daß an Stelle der zugrunde gehenden
Druse sich an emer benachbarten Stelle eine ganz neue nach dein Typus embryonaler Bildung anlegt,
d. h. aus emer Wucherung der Epidermiszellen.“ M u h s e konnte bei erwachsenen Kröten (amerik
Bn/o-Arten) in der Regel eine Entwicklung der Drüsen nach dem zuletzt von G a u p p angeführten
Modus finden.
G a u p p übergeht vollkommen den Beitrag zur Kenntnis der Regenerationsvorgänge in den
Hautdrusen der Amphibien von T a 1 k e. Dieser spricht sich für eine ziemlich lebhafte Regeneration
in den Hautdrüsen der Frösche aus. Als Beweis führt er das außerordentlich häufige Auftreten von
Mitosen an. Unterschiede zwischen R. temporaria und esculenta sind ihm nicht aufgefallen, „ebensowenig
bedang eine bestimmte Jahreszeit eine raschere oder langsamere Regeneration“ . Die E rgebnisse
eigener Untersuchungen, die speziell für R. fusca angestell't wurden, stimmen nicht mit
denen T a l k e s überein. Schon A r n o l d gibt seiner Verwunderung darüber Ausdruck, daß in
T a l k e s Präparaten so häufig Mitosen Vorkommen sollen. Ich glaube mit aller Sicherheit angeben
zu dürfen, daß Mitosen nicht als Ausdruck einer Epithelregeneration während des ganzen Jahres
hindurch, sondern als Wachstumserscheinung in verhältnismäßig jungen Drüsen auftreten, und zwar
zu einer bestimmten Jahreszeit, nämlich im Spätsommer gehäuft Vorkommen.
Eigene Untersuchungen.
Rana fusca.
Bei den am 1. VIII. fixierten Tieren beherrschen verhältnismäßig kleine und noch junge Drüsen
das mikrokopische Bild. Das Epithel macht einen äußerst unregelmäßigen Eindruck, indem die
kleineren seitenwandständigen Elemente mit den sehr hohen und schlanken, weit ins Drüsenlumen
hineinragenden Zellen des Beutelgrundes abwechseln (Fig. 1). Es befindet sich in bezug auf die
Schleimproduktion im Ruhe- oder höchstens Anfangsstadium der Tätigkeit, da nur ganz vereinzelte
zylindrische Zellen sich mit M a y e r schem Mucikarmin an den terminalen Enden gefärbt haben.
Verhältnismäßig selten sind in den Schnitten Drüsen zu sehen, die ein etwas weiteres Stadium
darstellen (auf etwa 30 der oben beschriebenen höchstens 5 Drüsen). Ih r Lumen ist wenigstens bis
zur Beutelhälfte mit Schleim gefüllt, das Epithel weist bei manchen nur bis zur Zellhälfte, bei anderen
wieder bis an den Zellgrund fortgeschrittene Schleimmetamorphose auf (Fig. 7). Im a l l g
e m e i n e n l ä ß t s i c h f e s t s t e 11 e n, d a ß d i e S c h l e im p r o d u k t i o n g e r i n g u n d
ä u ß e r s t t r ä g e i s t .
Die vom 11. IX. aus der Sächsischen Schweiz stammenden und die vom 8. Oktober in der
Umgegend von Berlin eingefangenen Tiere zeigen einen wesentlich geänderten Zustand.
Zunächst läßt sich eine beträchtliche Größenzunahme an sämtlichen Drüsenbeuteln feststellen.
In bezug auf den physiologischen Zustand lassen sich zwei Typen von Drüsen unterscheiden.
Der erste besitzt ein Epithel, welches bereits bis an den Zellengrund mit Mucikarmin sich ro t gefärbt
hat. Auch im Lumen ist in sehr vielen Beuteln Schleim vorhanden. In diesen Drüsen ist häufig eine
Epithelregeneration zu sehen, die sich in einem Nachschub durch Gleitwachstum der flachen Zellen
des unteren Halsteiles äußert.
Der zweite Typus tr itt an Größe kaum gegen den ersteren zurück, ja übertrifft jenen noch oft
genug in dieser Hinsicht. Sein dunkles Epithel macht aber einen durchaus intakten Eindruck, wobei
nur ganz vereinzelte Zellen den bescheidenen Anfang einer schleimigen Umwandlung aufweisen.
Die Einzelzellen haben sowohl an Zahl wie an Größe zugenommen, wodurch das ganze Epithel ein
sehr kompaktes Aussehen bekommen hat. Es läßt sich jetzt nicht mehr eine Bevorzugung der Zellen
am Beutelgrund bemerken, was wieder zu einer regelmäßigen Beschaffenheit des gesamten Epithels
beiträgt (Fig. 8 und 9).
Das Lumen dieser Drüsen ist in den Fällen geräumig, in denen der gesamte Drüsenbeutel in seinem
Wachstum mit dem der Epithelzellen Schritt gehalten hat. Es lassen,pich noch je tz t alle Anzeichen
des fortdauernden Wachstums erkennen. Als dessen Ausdruck treten 'häufig im Epithel Mitosen auf
(Taf. V, Phot. 1). Dank den energischen Zellteilungsprozessen sind stellenweise Zellwucherungen zu
sehen, wodurch das sonst einschichtige Epithel sich in 2—3 Zellenlagen ins Drüsenlumen bucklig
hineinwölbt. Z u s a m m e n f a s s e n d l ä ß t s i c h s a g e n , d a ß b e i d e n S p ä t s o m m e r -
f r ö s c h e n e i n e s e h r a u f f ä l l i g e W a c h s t u m s t e n d e n z d e r S c h l e i m d r ü s e n
b e s t e h t .
Außerdem sind mir an einigen Tieren nicht allzu vereinzelt kugelige oder zylindrische Wucherungen
der Epidermiszellen aufgefallen, die von E n g e l m a n n als frühestes Stadium der Drüsenneubildung
bei Jungfröschen beschrieben worden sind. Zuweilen war in ihnen ein enges Lumen bereits ausgebildet.
A u s d e m W i n t e r q u a r t i e r (W a s s e r s c h l a m m) v o m 4. XI. u n d 20. XI.
Die Schleimdrüsen haben weiterhin bedeutend an Größe zugenommen. (Vergl. die in Tabelle 1
unter 4. XI. und Tabelle 2 unter 11. IX. angegebenen Zahlen). Das mikroskopische Bild ist ganz von
den großen in sehr aktiver Sekretion begriffenen Drüsen beherrscht. Einen auffallenden Unterschied
gegenüber den August- und Septembertieren bietet der Ausführungsgang. Die dort vorhandenen ihn
auskleidenden und am unteren Halsteil stark abgeflachten zwei Zellagen sind nunmehr verbraucht,
so daß eine Epithelregeneration auf diesem Wege nicht mehr möglich erscheint.
Dem Lumen zu fehlt jede Abgrenzung und der Schleim strömt sichtbar in dichten Schlieren dem
Ausführungsgange entgegen. Der in der Epidermis liegende obere Teil des Ausführungsganges h a t
eine starke Dehnung in der Querachse erlitten; er erscheint je tz t als ein sehr geräumiger Vorhof
(Fig. 10). Zwischen die großen sehr aktiven Drüsenbeutel schieben sich in viel geringerer Zahl bedeutend
kleinere mit unregelmäßigem Epithel ein. Es sind unter ihnen zahlreiche von so geringen Dimensionen
zu sehen, daß man wohl ohne Zweifel annehmen darf, daß hier Drüsen sehr jungen Alters vorliegen.