
Nachdem wir die Drüsenbeutel ausführlich beschrieben haben, gehen wir zur Schilderung der
Ausführungsgänge über.
D e r A u s f ü h r u n g s g a n g d e r R ü c k e - n h a u t d r ü s e n .
Der Ausführungsgang der Rückenhautdrüsen zeigt bei Hyla einen so eigenartigen und merkwürdigen
Bau, daß er an dieser Stelle einer eingehenderen Besprechung unterzogen werden muß. Es
muß dies um so. mehr geschehen, als in der einschlägigen Literatur nicht einmal ein Hinweis auf seine
sehr komplizierten und hoch spezialisierten Einrichtungen gefunden werden konnte.
Noch vor der histologischen Untersuchung fiel mir bei Hyla die sehr hohe Drüsenzahl in einer
Flächeneinheit auf. Diese Tatsache wollte nicht recht in die Reihe hineinpassen, die sich für die
verschiedenen Anurenarten in bezug auf ihre Drüsenzahl im Zusammenhang mit der Lebensweise aufstellen
ließ. Wenn auch die extreme, von allen anuren Batrachiern so stark abweichende Lebensweise
des Laubfrosches einen Ausschlag der Drüsenzahl in irgend einer Richtung erwarten ließ, so
darf nicht verschwiegen werden, daß die Zählresultate doch alle Erwartungen übertroffen haben.
Eine Aufklärung konnte nur von einer histologischen Bearbeitung der Hau t erwartet werden;
tatsächlich war dies auch der Fall. Es h a t sich herausgestellt, daß der A u s f ü h r u n g s g a n g
b e i H y l a d e n D r ü s e n a u s f ü h r u n g s g ä n g e n d e r a n d e r e n e i n h e i m i s c h e n
A n u r e n g a r n i c h t g l e i c h z u s e t z e n i st . . E r h a t sich im Bereich der Epidermis so stark
modifiziert, daß man, da es sich um mehrere auf ein Ziel hinaus spezialisierte Zellen handelt, von
einem ganzen S c h l i e ß a p p a r a t der Drüsen sprechen kann.
Ja , man kann bei dem ersten Eindruck nicht umhin, an den Spaltöffnungsapparat der Pflanzen
zu denken. Die Analogie scheint soweit zu gehen, daß es mir unmöglich ist, den einzelnen Zellen des
Schließapparates andere Namen zu geben, als es in der Botanik geschehen ist. So müssen zwei beiderseits
den Gang begrenzende Zellen als die eigentlichen S c h l i e ß z e l l e n , einige andere, die Schließzellen
umgreifende, a l s . N e b e n z e l l e n bezeichnet werden (Fig. 18, 19, 20). Die Schließzellen
übertreffen die anderen an Größe, sowohl in der Längs- wie auch in der Querachse. Sie sind es, die
funktionell die größte Rolle im ganzen A pparat zu spielen haben. Doch ehe auf den Bau der einzelnen
Zellen näher eingegangen wird, soll die Gestalt der gesamten Schließ Vorrichtung besprochen werden.
Der folgenden Beschreibung liegen meistens Schnittserien, die von der Rückenhaut eines besonders
großen, ausgewachsenen Laubfrosches stammen, zugrunde.
Der Schließapparat h a t in geschlossenem Zustande die Gestalt eines am oberen Ende stark
kolbig auf getriebenen oder eines mehr walzenförmigen Gebildes, je nachdem ob er tiefer in der
Epidermis zu liegen kommt, oder näher an die Oberfläche heranreicht (Taf. VI, Phot. 8; Taf. III,
Fig. 20). Im allgemeinen ist er wenigstens durch 2—3 Zellschichten von der Hautoberfläche getrennt,
seltener kommt der obere Teil des Apparates in der Höhe der äußeren Epidermisschicht zu liegen.
Uber diese zieht aber immer noch die Hornschicht hinweg, und indem sie sich in den Gang hineinsenkt,
bildet sie einen ununterbrochenen Überzug des Ausführungsganges.
D e r H o r n ü b e r z u g d e s A u s f ü h r u n g s g a n g e s .
An den mit H e i d e n h a i n gefärbten Präparaten ist deutlich zu erkennen, daß zwischen der
Hornschicht und den Zellen des Schließapparates Interzellulargänge mit Int.-Brücken eingeschaltet
sind. Dies ist auch ohne weiteres klar; denn dieser Hornschichtüberzug entsteht aus in die Tiefe
eingesenkten EpidermisZellen, die wie gewöhnlich Von ihrer Nachbarzelle durch Interzellularraume
getrennt sind (Fig. 2 l ||N o c h während die alte Hornschicht die Epidermis bedeckt, können die
darunter liegenden an den Ausführungsgang angrenzenden Zellen durch gleitendes Wachstum sich
nach unten hinabzuschieben beginnen. Daß dieses Hineinwachsen in die Tiefe nur auf einem Stadium
möglich ist, wo die Zellen noch keine Spur von Verhornung zeigen, hegt klar auf der Hand.
Die Textfig. 8 läß t diese Verhältnisse mit aller Schärfe hervortreten. Die alte Hornschicht ist
bereits ubaestoßen. In der nächstfolgenden Schicht geht der Verhornungsprozeß vor sich in der
Weise, daß in den sta rk abgeflachten Zellen der basale Teil nicht gefärbt und plasmaleer erschemt.
Nur stellenweise erkennt man feine Bälkchen und Fäden, die mit dem am terminalen Zellende an-
geliäuften und bereits verhornenden Plasma Zusammenhängen. Die ganz flachen Kerne zeigen an
Textfig. 8. Schließapparat einer Giftdrüse. Ok. 4. Viz Immers. 170 mm Tub. Zeicbenapp.
dem mit Hämalaun-Eosin gefärbten Präparate einen Stich ins Rote, em Zeichen, daß die hornige
Umwandlung des Karyoplasinas in ihrem AnfangssWdium Mt:' Die zwei im Ausführungsgange noch
auf der Höhe der oberen Schließzellenhälften liegenden, sta rk langgezogenen Kerne sind noch gar nicht
vom Verhornungsprozeß berührt. Aus den Büdem, die das Endstadium des Verhornungsprozesses
darstellen, ist aber zu ersehen, daß d ie lic h einsenkenden Zellen soweit nach unten hineinwaehsen,
bis s c h l ie lÄ ihre Kerne bis an die untere Grenze des Schließapparates gelangen. Aus der Texfig. 8
geht aber ftry p r, daß, obwohl die Kerne im Ausführungsgange noch einen weiten Weg nach unten
haben, die Wachstumsmöglichkeit der eingesenkten Zellen dadurch erschöpft zu sein scheint, daß
sie bereits bis an die Basis des Schließapparates reichen. Trotzdem muß ein weiteres Wachstum
aus folgenden Gründen angenommen werden. Erstens, da die Kerne der eingesenkten Zellen niemals
im oberen Teil des Ausführungsganges stehen'bleiben, so muß man, um ihr Vorkommen an der Basis
des Apparates zu erklären, ein weiteres Wachstum annehmen, wenn man nicht zu der unwahrscheinlichen
Annahme greifen will, daß noch eine aktive Wanderung.in den in ihrem Wachstum sistierten
und verhornten Zellen möglich J§|S Zweitens kann nur durch die Annahme eines Weiterwachsens
ä je r betreffenden Zellen die starke Materialhnhäufung, die an der Basis des Schließapparates m Form
einer dicken Hornleiste zu sehen ist, erklärt werden.
D i e b a s a l e H o r n 1 e i s t e . .
An Flachschnitf®, die den Schließapparat ziemlich Weit in der Tiefe getroffen haben, läß t sich
eine sehr starke Verdickung der Hornauskleidung erkennen, in der die für verhornte Zellen typischen