
Wir müssen aber nicht vergessen, daß die ganze Berechnung eine Fehlerquelle hat. Es ist nämlich
Voraussetzung, daß die o p tis c h e A ch se in d e r E b e n e d e r P l a t t e lie g t und man infolgedessen
mit dem maximalen Wert der Doppelbrechung rechnen darf. Ein solches Verketten ist allerdings
sehr wahrscheinlich, jedoch nicht einwandfrei nachgewiesen, weil gute Achsenbilder nicht sichtbar
waren. Wenn die optische Achse schief austritt, so wird die Doppelbrechung kleiner und infolgedessen
muß die beobachtete Interferenzfarbe einer größeren Schichtdicke entsprechen.
Die oben mitgeteilten Angaben stellen also gewissermaßen Minimalwerte dar, welche nur bei
der angenommenen Lage der optischen Achse gültig sind. Bei jeglicher Änderung der Lage der
optischen Achse erhält man höhefe Werte.
Wenn diese Angaben sich in Zukunft als stichhaltig erweisen, so wird man den Schluß ziehen
können, daß wir dem Chitin in dem Zustandebringen der Dicke, Steifheit, Härte und Widerstandsfähigkeit
des Panzers eine mindestens mit dem Kalk gleichwertige Bolle zuzuschreiben haben.
Wir müssen aber noch an eine Möglichkeit denken, welche eventuell die beiden widersprechenden
Tatsachen (Dünne der kristallinischen Schicht — die Stärke des Integumentes) miteinander verbinden
könnte. Es ist mir aufgefallen, daß die sog. sekundären Gebilde selten in der kristallinischen Schicht,
sondern mehr ü b e r oder u n t e r dieser liegen. Außerdem erfuhr ich bei Cymothoa (siehe weiter unten),
daß die Umrisse der Mosaikelemente, trotz der sehr fortgeschrittenen Umkristallisation, sichtbar
bleiben, gleich als ob die Mosaikelemente gar nicht von der Umkristallisation ergriffen wären. Ist
es nicht annehmbar, daß eine am o rp h e Kalkschicht a u ß e r dem kristallinischen Mosaikpanzer,
d. i. ü b e r oder u n t e r diesem in dem Integument eingelagert ist? Die sekundären Umkristallisationen
würden dann die Umwandlung dieses amorphen Kalkes darstellen; sonst sind sie nicht leicht erklärbar.
Optisch ist diese amorphe Schicht nicht wirksam, chemisch verhält sie sich dem kristallinischen
Kalk gleich; sie ist also sehr schwer nachweisbar. Bei dem eventuellen Schleifen würde der amorphe
Kalk sich infolge des Einflusses des beim Schleifen angewendeten Wassers schnell in Calcit umwandeln.
In dieser Dichtung wären eingehendere Untersuchungen sehr notwendig, weil diese nachträglichen
Kristallisationen auch nach P r e n a n t (3. p. 829—830) auf die Anwesenheit amorphen Kalkes neben
dem kristallinischen hinweisen.
Ich habe auch die eventuelle Anwesenheit von Vaterit n e b e n Calcit überlegt, wodurch die
positive MEiGEN-Beaktion erklärbar wäre. Die Umwandlungsversuche und das Köntgendiagramm
sprechen aber dafür, daß diese Möglichkeit von der Hand zu weisen ist.
Die Kalkschicht des Mosaikpanzers wirkt gewiß als ein Schutz gegen Verdunstung (Wasserverlust),
indem die Undurchlässigkeit des Chitins durch sie erhöht wird. Schon ein flüchtiger Vergleich der
Panzerdicken und ihre Bezugnahme auf die Ökologie der Tiere zeigt ziemlich klar, daß irgend eine
B e z ie h u n g zw is c h e n P a n z e r d ic k e u n d L u f t f e u c h t ig k e i t des Wohnortes existieren m u ß 1).
Große Luftfeuchtigkeit, d. h. relative Feuchtigkeit, scheint m it dünnen Panzern, geringe Luftfeuchtigkeit
mit stärkeren Panzern zusammenzufallen. Ich glaube, daß diese, schon auch von anderen angedeutete
umgekehrte Proportionalität zwischen Panzerdicke und relativer Feuchtigkeit durch die
oben geschilderte polarisationsmikroskopische Methode leicht auch zahlenmäßig auszudrücken wäre.
Und für die Biologie dieser Tiere wäre es nur von Nutzen, wenn man die Belation zwischen einem
ökologischen Faktor und der Ausbildung eines körperlichen Merkmals mathematisch bestimmen
könnte.
*) Siehe insbesondere H e r o ld , p. 513—517, Tabelle auf p. 517! Ferner die hochwichtige Arbeit von V e r h o e f f (2).
Farn. L ig iid a e .
Ligidium hy'pnorum Cuv.
Kristallinischer Mosaikpanzer findet sich an den folgenden Stellen: Bückenplatten des Kopfes,
Mittel- und Hinterleibes, Auge, Antennen und Antennulen, Mandibel, Außenlade der ersten Maxille
und an deren Innenlade ein ringförmiger Teil, Peräopoden und Uropoden; Amorphochalicose ist
charakteristisch für die Innenlade der ersten Maxille, die zweite Maxille, ferner für die Proto- und
Exopoditen einiger Pleopoden, und zwar bei den Geschlechtern abweichend, worüber die Tabelle
näheren Aufschluß gibt. Achalicoderm sind die Sternite des Mittel- und Hinterleibes, Epistom,
Hypostom, Oostegiten, gewisse Protopoditen der Pleopoden, sämtliche Exopoditen der männlichen
Pleopoden, die Exopoditen der beiden ersten weiblichen Pleopoden und zum Teil auch des dritten
Pleopoden, sämtliche Endopoditen (das zweite Endopodit des d ist etwas amorphkalkig) der Pleopoden,
Gelenks- und Intersegmentalhäutchen. Das Auffallendste ist, daß der Maxiilarfuß vollkommen
achalicoderm ist, was nirgends sonst bei den untersuchten Oniscoideen der Fall ist.
Der Mosaikpanzer (Taf. VI Fig. 1—3) zeigt einen ganz anderen Bau wie bei den Onisciden.
E r ist aus lauter Sphenocyklen zusammengesetzt, welche aus Calcit bestehen. Die Struktur ist pan-
allotriomorph, sehr gleichmäßig ausgebildet, die selbständigen Einzelkristalle fehlen gänzlich.
Die Form der Sphenocyklen (Fig. 11) ist polygonal, 4—löeckig. Die Grenzlinien sind gerade
oder wellenförmig und sie sind beim Senken des Kondensors und im Dunkelfeld sehr gut sichtbar.
Fig. 11. Ligidium hypnorum. — Schema des Mosaikpanzers.
Ihre Größe ist ziemlich gleich, für das Pentagon der Taf. VI Fig. 3 errechnete ich eine Oberfläche
von 15 300 y2. Das Zentrum fällt im allgemeinen mit dem ideellen Mittelpunkt des Polygons ziemlich
zusammen. Die Zahl der Sektoren schwankt zwischen 7—18, sehr häufig sind 7 und 15. N e b e n
dem Zentrum des Sphenocyklus nimmt immer eine Borste ihren Ursprung. Die Größe der zentralen
Winkel ist auch innerhalb eines Sphenocyklus nicht gleich. In einem Sphenocyklus mit sieben Sektoren