
Spezielle Untersuchungen an den Augen von Isopoden
und Amphipoden.
Bei der Besprechung der Isopoden, Amphipoden und Tanaidaeeen habe-ich bei den Formen mit
Morphochalicose erwähnt, daß der Mosaikpanzer sich auch auf die Cuticula der Augen, d. h. Cornea-
knsen, ausbreitet. Dagegen erwiesen sich die Cornealinsen der untersuchten Decapoden und Stomato,
poden ausnahmslos als achalicoderm.
Dies bedeutet, daß die Cornealinsen, oder aber, wenn diese nicht differenziert sind (wie bei den
untersuchten Gammaroideen), die Augencuticula, • eine d o p p e lb r e c h e n d e Schicht enthält. Es ist
merkwürdig, daß dieser Umstand der Aufmerksamkeit der Forscher bis zu den neuesten Zeiten ent-
gmg. So finden wir in den grundlegenden Arbeiten von L e y d i g , G r e n a c h e r , P a r k e r , C a r r i e r e ,
H e s s e und D e m o l l , ferner in dem wunderbaren Werk von S t r a u s s über das Gammaridenauge’
sowie in der Spezialliteratur über die Anatomie und Histologie der verschiedenen Ordnungen gar
keine Erwähnung davon. Es ist also kein Wunder, daß nicht, einmal der'.Gedanke der eventuellen
Anwesenheit einer doppelbrechenden Schicht im Auge in dem klassischen Werk von E x n e r über
die Optik des Arthropodenauges auftaucht.
Die Sache ist leicht verständlich. Bei der Vorbereitung des Materials für histologische Untersuchungen
war der erste Schritt der Forscher die E n tk a lk u n g , um das Schneiden m it dem Mikrotom
möglich zu machen. Mit diesem Verfahren wurde selbstverständlich auch die Kalkschicht d e r T .in a » ^
entfernt und sie fiel natürlich auch aus den anatomisch-histologischen Beschreibungen lind Bildern
vollständig aus.
Der ungarische Forscher W o l s k y war der erste, der nach einer dankenswerten. Publikation
(W o l s k y , 1 ) über die Augen der Landisopoden auf das Vorkommen einer doppelbrechenden Schicht
in den Comealinsen aufmerksam machte (W o l s k y , 2).
Wie W o l s k y (2. p . 6 3 , Fußnote) selbst bemerkt, befaßte ich mich schon damals auch mit diesem
Nebenproblem meiner Untersuchungen; aber meine Untersuchungen waren auf eine breitere Basis
gestellt und nicht nur auf die Augen gerichtet, so daß seine Arbeit viel früher als meine erscheinen
konnte. Ich glaube jedoch, daß die Veröffentlichung meiner Untersuchungen gar nicht überflüssig
wird, weil ich die Angaben von W o l s k y in mancher Hinsicht zu ergänzen und vielleicht'auch'die
Lösung der daran geknüpften optisch-physiologischen Fragen zu versuchen imstande bin. In meiner
vorläufigen Mitteilung (p. 2 6 2 - 2 6 4 ) habe ich die Hauptergebnisse kurz veröffentlicht
Oniscoidea.
Die Untersuchungen von W o l s k y beziehen sieh auf diese Unterordnung und er befaßte sich mit
Ligidium, hypnorum, PorcelUo laeiris und Trichonisous (jetzt Hylonisous) riparms, also mit den Vertretern
dreier Familien, welche gleichzeitig auch drei Typen der Linsenverkalkung repräsentieren.
■Ich untersuchte die nachstehenden 1 3 Arten. Nach dem Namen der Arten folgt die Nummer der
Abbildungen in der vorhegenden Arbeit und einige Zitate betr. des Baues der Augen, die sich auf
die bezügliche Art oder aber auf Gattungsgenossen beziehen. Vollständigkeit Wurde jedoch" nicht
bestrebt.
Ligia italica: Taf. I I I Fig. 1, Taf. XI Fig. 3.
Siehe über Ligia oceanica:. C. G o r d o n H e w i t t , Ligia (Liverpol Marine Biology
Commitee, Memoires on typical British Marine Plants and Ammals. XIV. 1907. pp. 37,
spec. p. 24—26, Taf. IV Fig. 1—2).
Ligidium hypnorum: Taf. I I I Fig. 2, Taf. XI Fig. 4.
Siehe W o l s k y , 1. p. 17—18. Fig. 8A ; W o l s k y , 2. p. 60, Fig. 1.
Hyloniscus . riparius: Taf. I I Fig. 9; Textfig. 23.
Siehe W o l s k y , 1. p. 20—24. Fig. 11, 12, 14—16; W o l s k y , 2. p. 62. Fig. 3.
Hyloniscus Adonis.
Oniscus asellus: Fig. 24; Taf. I I I Fig. 3, Taf. X I Fig. 5.
Siehe H e s s e , p. 438; W o l s k y , 1. p. 19. Fig. 1—3, 5.
Porcellio scaber: Taf. I I I Fig. 4, Taf. X I Fig. 6.
Siehe L e y d ig , 3, Taf. VI Fig. 8 ; G r e n a c h e r , p . 10 7—1 0 8 , Taf. IX Fig. 9 5— 9 8 ; C a r r i è r e ,
p . 1 5 5 . Fig. 1 2 0 ; W o l s k y , 1. p . 18. Fig. 4 , 9 (laevis).
Porcellio spinicornis: Taf. I I I Fig. 5.
Cylisticus convèxus.
W o l s k y , 1. p. 18—19. Fig. 10.
Armadillidium frontirostre: Taf. I I I Fig. 6, Taf. X II Fig. 1.
W o l s k y , 1. p . 1 8 (dnereum, Zenckeri).
Armadillidium vulgare himgaricum.
Hemilepistus Klugi: Taf. I I I Fig. 7, Taf. X II Fig. 2.
Tylos Latreillei: Taf. I I I Fig. 8, Taf. X II Fig. 3, Textfig. 26.
Syspastus brevicornis: Fig. 25, Taf. I I I Fig. 9, Taf. X II Fig. 4.
Im allgemeinen kann ich die Angaben von W o l s k y bestätigen. Bei sämtlichen, mit Augen versehenen
Oniscoideen, also auch bèi den von W o l s k y nicht untersuchten Tyliden. und Syspastiden,
befindet sich ein, Mosaikpanzer in den Cornealinsen, seien die Augen einfachè „Oculi congregati
oder aber „Oculi compositi“ .
Bei einem Teil der untersuchten Arten, so bei Oniscus asellus, Porcellio scaber und spinicornis,
Armadillidium frontirostre und vulga/re hungaricum, Tylos Latreillei und Syspastus brevicornis, behält
der Mosaikpanzer des. Auges die allgemeine Struktur und die kristallographischen Merkmale des
Integumentpanzers; d. h. gemäß dem Oniscus-Typ besteht er aus xenomorphen, einzelnen Kristallplatten.
Sphenocyklen oder Sphäriten fand ich hier nicht. Nur bei Tylos und Syspastus ist insofern eine
Veränderung wahrnehmbar, als Platten regelmäßiger Form hier anstatt unregelmäßiger auftreten.
Bei einigen Tieren werden die Struktur und die kristallographischen Merkmale des Typus in
dem Augenpanzer etwas modifiziert. Ligia italica zeigt in dem Augenpanzer eine noch weitergehende
Desorientierung der Sphenocyklen als in dem Integumentpanzer, weil man die einheitliche Orientierung
der Sektoren fast vollkommen vermißt. Bei Ligidium hypnorum werden die Sphenocyklen
durch-mehr oder minder vollkommene Sphäriten verdrängt. Die Sphenocyklen des Titanethes-Typ
fehlen bei Hyloniscus riparius und Adonis vollständig und der Augenpanzer besteht aus lauter einzelnen
• Kristallplatten.
' Die weitgehendsten Veränderungen zeigen Cylisticus convexus und Hemilepistus Klugi. In dem
Augenpanzer .der ersten Art finden wir zwar einige Einzelplatten und in einem Falle auch einen