
noch von den eingezogenen Gütern müßiger Prälaten
und Mönche in Frankreich zu sprechen?
Zuletzt führte uns Herr van Marum, der uns sehr
freundschaftlich aufnahm, auch in das Naturalienkabinett
der Haarlemer Sozietät der Wissenschaften, welches
zwar minder glänzend, aber durch seine zweckmäßige
Einrichtung und die genau befolgte Linneische Methode
vorzüglich lehrreich ist. Der zoologische Teil enthält besonders
viele seltene Stücke und ist in den Klassen der
Säugetiere, der Vögel und der Zoophyten ziemlich vollständig.
So verstrich uns die Zeit bis zum Abend, da wir
ein leichtes Fuhrwerk bestiegen, das uns in drei Stunden
unter beständigem Wetterleuchten und Blitzen nach
Leiden brachte. Wir eilten so schnell davon, daß uns der
heftige Patriotismus der Haarlemer während der letzten
Unruhen kaum eingefallen wäre, wenn uns nicht das
Symbol desselben, die Menge der Spitzhunde* (holländisch:
keessen) auf allen Straßen daran erinnert hätte. In
allen Volksbewegungen scheint es gefährlich zu sein, gegen
die Partei, die der Pöbel begünstigt, zuviel Verachtung
blicken zu lassen. Die Spottnamen, womit man sie
zu erniedrigen meint, verwandeln sich leicht in ehrenvolle
Benennungen, wodurch das Band der Vereinigung
nur noch fester wird. Die Mehrheit behauptet unwiderlegbar
das Recht, den Sprachgebrauch zu bestimmen.
Als die von Philipp dem Zweiten unterdrückte Partei
freiwillig den Namen Geusen (gueux: Bettler) adoptierte,
ward sie dem Tyrannen furchtbar; als die Neuengländer
nach den Gefechten bei Lexington und auf
Bunkershill mit ihrem und mit britischem Blute den
Vorwurf der Feigheit abgewaschen hatten, der auf dem
Namen Yankees haftete, setzten sie ihren Stolz darin,
sich ihre Feinde von Yankees besiegt und durch diesen
Namen noch tiefer gedemütigt zu denken. So kannten
auch bald die holländischen Patrioten kein Wort, das sie
stärker begeistern konnte als das anfangs gehässige Kees;
als eine Anspielung darauf trugen die Weiber ein goldenes
oder porzellanenes Hündchen an ihrem Halsgeschmeide;
die Männer trugen es als Berlocque an der
Uhrkette, und so ward es ein Abzeichen, woran man
sich einander zu erkennen gab.
Mit der Besichtigung der Sehenswürdigkeiten in Leiden
und im Umgange mit den dortigen Gelehrten haben
wir ein paar vergnügte Tage zugebracht. Wer mit allen
Vorurteilen gegen die Niederländer, die man zumal in
Deutschland bis zum Überdruß wiederholt, plötzlich
hieher verschlagen würde, dem könnte wohl ein Zweifel
aufsteigen, ob er sich auch auf holländischem Boden befände;
so vereinigen sich hier die gründlichsten Kenntnisse
mit echter Urbanität und milden Sitten, vor allem
aber mit der Bescheidenheit und der aufmerksamen
Achtung gegen Fremde, die sich auf ein Gefühl vom eigenen
Werte gründen und nie zur kleinlichen Eitelkeit
des Pedanten herabsinken. Der gute Ton unter den hiesigen
Professoren ist eine natürliche Folge der Selbstachtung,
verbunden mit der willigen Anerkennung ihrer gegenseitigen
Verdienste. Vielleicht trägt auch der
Umstand, daß die meisten eigenes Vermögen besitzen
und einige zu den wohlhabendsten Einwohnern des Ortes
gezählt werden, etwas dazu bei, den kleinlichen
Neid und die Scheelsucht zu verbannen, die bei einer
größeren Ungleichheit sowohl der Talente als der
Glücksgüter beinahe unvermeidlich sind. Die Universität
ist wirklich noch mit Männern besetzt, die ihrem alten
Ruhm Ehre machen. Pestei, Ruhnken, Schultens, Lu-
zac sind Namen, die unter Gelehrten keiner Empfehlung
bedürfen; sie würden sich in jeder Gesellschaft
Aufmerksamkeit und Achtung erwerben, und wir ehrten
in ihnen allen noch mehr den Menschen als den Profes-
spr. Es freute mich besonders, meinen alten Bekannten,