
das Vorhandensein von Spuren einer Querwand (Fig. 51 w) beweist ganz offenbar, daß anfangs
zwei getrennte, einander dicht berührende Larvenzellen (a und b) angelegt worden
waren. Der untere Teil der Larvenzelle war mit Nahrungsstoffen angefüllt, welche aus mit
Honig vermischten Pollen bestanden.
La.
Fig . 53.
Auf der Fig. 52 ist die Larvenzelle im Durchschnitte dargestellt; die Buchstaben m.i.
bezeichnen den Nahrungsvorrat im Augenblicke der Eröffnung der Larvenzelle, a und b
die Höhlung der Larvenzelle, worin sich sechs Larven in verschiedenen Entwicklungsstadien
befanden; letzteres ist aus Fig. 53 zu ersehen, welche die Größe der in der erwähnten
Höhlung (a, b) befindlichen Larven genau darstellt.
Die Wände der Larvenzelle waren aus einer festen und ziemlich dicken Schicht reinen
Wachses angefertigt. Das Weibchen hielt sich so fest zu dem Neste, daß es die Larvenzelle
nicht verließ, als ich den oberen Teil des Nestes, um einen Einblick in dessen innere
Höhlung zu erhalten, wie dies auf der Fig. 51 dargestellt wurde, mit einer Schere hinwegschnitt
und der abgeschnittene Teil entfernt wurde; auf der Larvenzelle verbleibend, legte
sich das Weibchen auf den Rücken, wobei es stark summte und sich zum Stechen anschickte;
in dem Augenblicke, als das Nest eröffnet wurde, spritzte es aus seinem Abdomen
einen Strahl flüssiger Substanz mit solcher Gewalt hervor, daß derselbe einen Bogen von
über 35 cm Länge beschrieb.
Dieses Nest gibt nun auf die Frage nach der Anlage der ersten Larvenzelle eine ganz
bestimmte Antwort: zuerst wird Nahrung vorbereitet, sodann ein Ei abgelegt und hierauf
beides durch eine Wachsschicht verschlossen. Die Lagerungsschichten des Wachses beweisen
zweifellos, daß dasselbe nicht vor, sondern nach der Eintragung der Nahrungs Vorräte erbaut
worden war.
Ein anderes Nest von Bombus variabilis fand ich in demselben Jahre am 10. Juni.
Es unterscheidet sich von dem soeben beschriebenen Neste dadurch, daß in demselben nur
eine einzige Larvenzelle angefertigt worden ist; diese letztere ist genau um die Hälfte kleiner,
als die auf Fig. 51 dargestellte Zelle, und gibt daher den deutlichen Beweis dafür, daß die
oben ausgesprochene Vermutung, die auf Fig. 51 abgebildete Larvenzelle sei eine doppelte
Zelle, richtig ist. Die Larvenzelle ist von allen Seiten geschlossen, mit Ausnahme einer einzigen
Stelle, wo die Wachsschicht durchnagt ist; offenbar sollte hier eine neue Larvenzelle
angebaut werden. Das Weibchen selbst zerstört also die Wachshülle auf derjenigen Seite,
wo sie neues Material für die Ablage eines neuen Eies anhäuft. Es unterliegt keinem
Zweifel, daß den beiden ersten Zellen in gleicher Weise auch eine dritte und vielleicht
auch eine vierte und mehr Larvenzellen angefügt werden.
In der betreffenden Larvenzelle befanden sich 6 E ie r , aus denen noch keine Larven
ausgeschlüpft waren. Dieses Nest war demnach das jüngste, welches ich jemals gefunden
habe; sein Bau ist noch einfacher als derjenige des oben beschriebenen Nestes: in einem
Haufen vorjährigen Pferdemistes, und zwar in dessen oberem Viertel, war eine kleine Höhlung
angebracht, worin sich das Weibchen, eine kleine Larvenzelle und ein aus reinem Wachse
angefertigter Honigtopf befanden. In das innere Nest führte ein gerader Gang. Der Honigtopf
war von geringer Größe. Die Honigvorräte in den Honigtöpfen anderer Hummelarten
(z. B. von Bombus lapidarius) sind gewöhnlich bedeutend größer. Taf. I, Fig. 2 und 3
zeigen je fünf solcher Honigtöpfe in natürlicher Größe, Taf. I, Fig. 4 deren vier. Alle diese
Töpfe sind aus reinem Wachse angefertigt und daher bedeutend heiler als die Wachsbauten
der Arbeiter.
In diese Töpfe bringt das Weibchen
Honig ein und verschließt sie, nachdem sie gefüllt
sind. Mehr als 5 Töpfe, wie ich sie bei b
Bombus lapidarius, und weniger als 2 (Fig. 54), Fi§- 54-
wie ich dies bei Bombus muscorum beobachtete, hatte ich früher nie gefunden. Diese
Honigtöpfe sind, wie aus den Figuren zu ersehen ist, ebenfalls mit Wachs untereinander
befestigt, welches bisweilen eine Art von Querverbindung zwischen den Zellen bildet (b).
Ich kann natürlich nicht mit Bestimmtheit behaupten, daß die Anfertigung der
Honigtöpfe der Eiablage stets vorangeht, da ich die erste Ablage der Eier nie beobachtet
habe; ich vermute jedoch, daß das Einsammeln des Honigs und die Anfertigung der Töpfe
vor der Ablage der Eier erfolgt, da in dem erwähnten Neste von Bombus variabilis, das
eine einzige kleine Larvenzelle enthielt, der Honigtopf fast leer und sogar etwas zerdrückt
war, was dafür spricht, daß dieser Topf vor längerer Zeit angefertigt worden war.
V e rseh en nun die W eib ch en die von ihnen in die E ie r z e llen a b g e le g ten
E ie r mit N ä h rm a te r ia l? H o fe r beantwortet diese Frage im bejahenden Sinne. Er
teilt mit, daß das Weibchen, bevor es ein Ei legt, in die von ihm hergestellte Zelle einen
gewissen Vorrat von Nährmaterial bringt; hierauf legt es erst das Ei und häuft darauf abermals
Futter für die Larve. Eine Ausnahme von dieser Regel gibt der Autor nur für die
Zellen zu, welche für die Weibchen und Männchen bestimmt sind.
Er sagt in Übereinstimmung mit Huber, daß die Hummeln „ne préparent jamais
de pollén dans les cellules qui doivent servir de Jïerceau aux mâles et aux femelles“ 1.
Das trifft nicht ganz zu : es ist zwar richtig, daß die Eierzellen mit Eiern, aus
welchen çfç? und ÇQ hervorgehen werden, kein Brot enthalten, allein es ist nicht ganz
richtig, daß d ie W e ib c h e n dieses Nährmaterial s te t s für die Arbeitshummeln v o r h
e r e iten.
1 Nach P é r e z .