
Was die Ablage von Eiern, welche. Männchen ergeben, durch die Arbeiterinnen'
trifft, wodurch die Existenz des NestSätiauf langeifeit gesichert wirdi so kann ich an dieser
Tatsache nicht zweifeln, trotzdem ich. selbst derartig! Erscheinungen nicht beobachtet habfe
Dagegen aber muß- ich den entschiedensten Zweifel an der Angabe aussprechen, daß
die Hummelarbeiterinnen im Stande wären,..,'Eier zu legen, aus welchen sich Weibchen entwickeln,
wie mir auch die Begründung selbsggworauf H o ff er Äine Angaben aufbaut, nicht
Überzeugend ¡erscheint. Nachstehend teile ich' diese Begründung mit:
Am 20. Juli nahm der Autor ein Nest von Bombus agrorum mit nach Hause; dicfl
geschah am Tage, so daß viele große und kleine-Arbeiterinnen davonflogen; das. Weibchen
dagegen wurde mitgenommen. Als er am 12.«plembSan dieselbe Stelle zurückkehrte, fani,
er dort ein neuesi|gjg mit einer großen, von Larvemängefüllten Wabe und eine ziemlich
große Anzahl von Arbeiterinnen, Männchen und Weibchen. H o ff er vermutet, daß „unter
normalen B ed ingun gen , derartig! Erscheinungen in Aüsriahmefällen fjittfinden, B B.
bei dem Untergang d%_ Weibcheäg, dessen Mission von den Arbeiterinnen forillsetzt -Wird..
Diese Meinung erscheint mir wenig wahrscheinlich, \ vB sie: ünfezwingt, eine willküii
liehe Beziehung der Arbeiterinnen®^: der Kopulation und * zur Ablage von Eieijtiänzü--
nehmen, aus weihen sich Weibchen entwickeln. So außerordentlich ¡selten auch die .Tie-
dingungen emtreffen, |ei welchen derartige Erscheinungen nach Ansicht des Autors möglich
sind, so ist es doch klar, daß, wenn der diesbezügliche Instinkt der Arbeiterinnen sich
als doppelt erweist und. je nac|f Umständen der e i j j qder der andere zu trit|;;Hder
ganze Sinn einer solchen Familie, wit^ie die Hummelfamilie darstellt, verloren geht.
Allein damit nicht genug: die Vermutung Hof fe r s zwingt üns, zuzugeben, daß ä i^
Arbeiterinnen im Notfälle sich nicht nur als: befähigt-■erweiserÄnach. eigeneM Gutdünken
von ihren (Icscklechtsfuriki ionen Gebrauch zu machenpbondefii' überdies fähig sind, in einer
ganz eigenartigen W e S z u funktionieren,; wie wir sie nicht einmal her den! Weibchen sehen:
bJgletzteren erfolgt die' Eiablage nach dem Ablauf einer. langen Reihe von Wintermonaten,
nach erfolgter Befruchtung und niemals in demselben Jahre, da die Weibchen im alten
Neste kfeme Eier legen; hier jedoch, wenii wir uns mit der Vermutung H o ffe# ! einverstanden
erklären, werden wir gleichzeitig auch bei den Arbeiterinnen innerhalb-der Sphäre
der Geschlechtstätigkeit eine ganz neue Serie; 'von Instinkten anerkennen mussefi welche
um sb' merkwürdiger erscheinen,'^ 'gerade diespsgeschlechtlichen Instinkte bei den Hummelarbeiterinnen
eine Rückbildung -erfahren haben.
B. Die Übersiedelung der Hummeln mit der Königin.
Derartige Fälle 'von Übersiedelungen Werden durch Überfall seitens äußerer wie auch
durch innere Feinde herwprgerufen; zu letzteren gehören d l j Parasiten, welche die Larven vernichten,
sowie die. Faulbrut. Die üfersigdelungen infolge *on Paraäften habe ich hauptsächlich
an Hummeln in der Gefangenschaft beobachtet, allein ich zweifle nicht daran, daß solche
auch in der Freiheit Vorkommen. In Nachstehendem gebe ich Tatsachen, welche Bezug auf
diese Frage haben.
Einstmals beobachtete ich bei Bombus muscorum, fast im Mittelpunkte einer
Schonung, ein zerstörtes Nest, und daneben, in einer Entfernung von 27^35 cm> ein
andere^5 neues Nest, welches genau den gleichen Bauplan aufwies. In so großer Nähe voneinander
lassen sich die Hummeln niemals nieder, so daß ich vermute, die Bewohner des
neuen Nestes könnten Auswanderer aus dem alten sein, welches augenscheinlich durch
schwarze Ameisen zerstört worden war.
Ein andermal fand ich in einer Entfernung von etwa 70 cm voneinander zwei Nester
von Bombus, pratensis. >®as eine war mit Faulbrut infiziert, ^allein es befanden sich in
demselben einige Arbeiterinnen; das andere enthielt ein altes Weibchen und Arbeiterinnen.
Zwischen beiden Nestern, von welchen das letztere augenscheinlich das Resultat einer Auswanderung
war, wurde eine Verbindung unterhalten.
In der Gefangenschaft habe ich mehrfach analoge Fälle von Auswanderungen infolge
von Parasiten beobachtet. Dieselben werden stets auf eine mehr oder weniger unbedeutende
Entfernung hin ausgeführt und zwar stets „zu Fuße“, da das Weibchen bei einer solchen
pbrtbewegungsweise keine Gefahr läuft, ihre Arbeiterinnen zu verlieren: indem es eine Spur
hinter sich zurückläßt (wovon später die Rede sein wird), gibt es . ihnen die Möglichkeit,
sich zurechtzufinden; wollte das Weibchen durch die Luft nach einem anderen Orte hinüberfliegen,
so wäre dies unmöglich. An dem neuen Orte wird die Behausung von dem
Weibchen angelegt, die Arbeiterinnen schließen sich an.
Da an dem neuen Orte keine Waben
vorhanden ||§nd, so legen die Arbeiterinnen
gleichzeitig mit dem Neste auch die ersten
Wachszellen an. Auf Fig. 121 sehen wir 18
solcher Wachszellen, welche von den Arbeiterinnen
unmittelbar auf dem hölzernen Boden
des Zwingers angebracht wurden. Unter normalen
Lebensbedingungen habe ich derartige
Bauten bei Bombus varians beobachtet. Ungeachtet
der außerordentlichen Eigenartigkeit
F ig. 121.
dieser Bauten, — in welchen gewisse Autoren einen Beweis für die Fähigkeit der Hummeln,
sich in neuen Lebensbedingungen zurechtzufinden, die Fähigkeit zu Vernunftsschlüssen u.dgl. m.
erkennen würden — erblicke ich hier nur ein interessantes Zeugnis für die Gemeinschaft-
lichkeit einiger Instinkte bei Hummelweibchen und Arbeiterinnen: die Wachswaben d e r
A rb e ite r in n en sind genau da s se lbe wie d ie H o n ig tö p fe de r W e ib c h e n ; der
ganze ^Unterschied besteht nur in ihrer Größe. Dieser Umstand bestätigt wiederum im einzelnen
nicht nur die Gemeinsamkeit, sondern auch die Schablonenhaftigkeit des Instinktes: die
Tätigkeit ist bei allen identisch, und der Unterschied in den Resultaten der Arbeit erscheint
als eine Folge des Größenunterschiedes der Individuen; der Anreiz zu der Arbeit wird bei
allen durch gleichartige Faktoren hervorgerufen.
Wenn die Wachszellen hergestellt sind, soifbringt das Weibchen über ihnen eine
Eierzelle an, derjenigen vollkommen gleich, die sie gewöhnlich in d ie s e r P e r io d e
der E ia b la g e anlegt.- Auch diese Tatsache ist sehr bezeichnend für die Charakteristik
der instinktiven Tätigkeit: die ersten Eier werden von dem Weibchen auf zuvor vorbereitetes
Futter abgelegt, die übrigen legt es in die Eierzellen, wo ihnen das Futter durch
die Arbeiterinnen zugestellt wird, während die Eierzellliiselbst von dem Weibchen an den