
Nachstehend noch ein Beispiel, das die Richtigkeit des Gesagten auch in Kleinigkeiten
bestätigt.
In einem ziemlich zahlreich bevölkerten Neste von Bombus lapidarias wurde am
3. August in der aus Wachs verfertigten Decke desWlaches. eine Öffnung,-(Fig. 112 A)-
angebracht, deren Durchmesser der Dicke eines großen Weibchens entsprach. Die Öffnung
hatte unregelmäßig geformte Ränder und war augenscheinlich zum Herauskriechen . angebracht
worden, denn sie war die 4. oder 5. ihrer Art, und die früher angelegten dienten al|
beständige Eingänge (Fig. 112 o und o,). Am 4. August wurde die .angebrachte Öffnung
sehr sorgfältig verschlafen; der Verschluß hatte das Aussehen einer aus konzentrisch angeordneten
Kreisen bestehenden Oblate (Fig.: 113, nat. Größe), wobei die Kreise auf den
Gäng der Arbeit hinwiesen. Die Óblate .selbst war leicht zu bemerken, indem das Wachs,
aus welchem sie bestand, bedeutend heller war, als das zur Einrichtung des Daches vcrwendéúl
Wachs. Am 5. August zeigteggch an Stelle der angefertigten Oblate eine heue Öffnung,
welche diesesmal sehr regelmäßig in der früher aufgelegten Oblate ^gebracht worden war
F ig . 112. Fig. II3. Fig. 114.
und einen kleineren Durchmsfesei zeigte, als diese letztere. Am gA u gu s t e rw ie fffch . d i!
Öffnung von neuem sorgfältig: verschlossen (Fig. i 14); in diesem Zustande v e r b lB b S ie »
zum 7.; in der Nacht des 8. wurde-wiederum eine Öffnung angebracht u. s. w.
Es ist klar, daß die Anbringung einer Auäjjanigsöffnung an irgend' ein«;- Steile deä
Nestes nicht das Werk aller ist uni keinesfalls gemeinsam bescItéSsén wird, wie man diesj
erzählen hört, sondern daß dieselbe vonifedem einzeln, auf eigene Gefahr und für sieh
selbst ausgeführt wird: die einen machen eine Öffnung, die änderen machen^jlwiger zu,
bis sich die Minderzahl an dieselbe;-/gewöhnt, und zwar unbedingt die Minderzahl da die
Mehrzahl häufiger etwas schaffen wird, als die Minderzahl es umändert.
■ Alle diese. Tatsachen, zu denen noch Hunderte von . änalogen hinzugefügt werden
können, weisen mit vollster Klarheit darauf hin, d a ß bei. den Humme ln keine-bge-
me in s amé; A r b e i t zu f in d e n |g|t, in dem Sinne wie. es- die . Auiofen verstehen,
welche die Erscheinung der. gegenseitigen Hilfeleistung bei den Hummeln! und anderen ge?
sellig lebenden Insekten .beschrieben haben. In Wirklichkeit unterscheidet sich diese .ihr®
„gemeinsame Arbeit in keiner Weise von der Arbeit solitärer Arthropoden, selbst deraiSHi
typisch solitärer, wie es die Spinnen sind.
In meiner Arbeit ^ ’industrie. des: Araneina“ habe ich auf die Bauten nistender. Attus
cupreus Th. hingewiesen. Bei diesen Spinnen richtet eine jede .ihr. (besondere» Nest ein
(Fig. 115, N I, 2, 3, 4), und zwar, genau nach demse lben. „Plane”, ; d en . die Spinnen
auch dann befolgen, wenn eine Anzahl zusammen nistender über. allen . Nestern noch. ein
gemeinsames schützendes Plättchen aus Spinngewebe anbringt (Fig. 115, k), an dessen Anfertigung
alle; Eigentümer der an der- betreffenden Stelle gelegenen Nester teilnehmen.
Indem ich eine derartige Erscheinung/ der „Mitarbeiterschaft“ bei den Spinnen in ihrem
gemeinschaftlichen Leben erstmals beschrieb; wies ich nach, daß ein solches Schutzplättchen,
trotz seines zweite;] Ösen Nutze'nf^dennoch ohne die geringste Spur von einem Verständnis
für diesen Nutzen angelegt wird. Die gemeinschaftliche Arbeit der Hummeln bei der Einrichtung
und Ausbesserung des Nestes Unterscheidet sich in Bezug auf den Charakter
und die psychoto^phe Bedeutung der Arbeit jJWes einzelnen Individuums durchaus nicht
von dem, wa$ wir in d#-.Arbeit einlfpzufälligen Ansammlung von Spinnen beobachten;
indem I0 e an-/einem Werke arbeiifct, welcfliSlÄhiiSfilich nicht allein eindDindividuelle,
hgnderii auch eineS^SteUelBNteutune erhält, arbeitet eine jede Hummel eigentlich nur
für sich selbst;- ohne jegliche Beziehung zu anderen Beweggründen.
Ist/«ine Hummel mit der Auffisserung dhjBisfes: allein und in v o llk om m e n e r
R u h e beschäftig!! s0 bestehen ihre Bewegungen', welche auf der Fig. n | f ganz genau
wiedis|gggeben sind, in folgendem. Die Zjeiehnung wurde in dem Momente begonnen, als
die Hummel sich auf dem PunkjfwA befand. Von da aus kroch sie rasch zum Punkte o;
von hier aus bdgab sie sich zu dem Platze, wople Ziffer'1'?''Steht, indem p auf dem ganzen
Wege vegetabilisches" Material des Nestes unter 'Sich scharrte, wie- di|if weit®/oben beschrieben
wurde. Von dem Punkte 2 ging die' Hummel wiederum zu dem Punkte ö, von
hier nach 3 u. s.: w., wie dife; auf Fig. 116 abgebildet ist. So ungefähr 5ä|hen die während
der Reparatur des Nestes ausgeführten Bewegungen äüäfSwenn die Hummel allein, ungestört
und mit vollständiger Ruhe arbeitet. Die Bedeutung diiäser Bewegungen ist vollkommen
klar und ihr erblich fixierter Plan sehr einfach : nachdem die Hummel durch d if j L ich t
an diejenige, Stelle gerufen worden ist, wo die Ausbesserung erfolgen soll, und dies'e Stelle
als Mittelpunkt angenommen hat, gehtf sie Von d re S e S l- Mittelpunkte radiär nach allen Seiten
und- rollt. Gegenstände; die sich leicht vom Platz! bewegen lassen, nach dem . zentral gelegenen
Punkte hin. Auf diese- Art wird der Zweck der' Arbeiten eines Individuums auf
die - allerbeste: Weise - erreicht.
Anders verläuft jedoch die Sache, wenn es' der arbeitenden Hummeln sehr viele sind