
dagegen über deren Oberfläche anlegen, und Bombus muscorwm gehört -dieser letzteren
Kategorie.
In der gegenwärtigen Zeitperiode erleidet der Instinkt in der Wahl der Zone bei
diesen Hummeln eine Abänderung: von der Oberfläche der Erde siedeln sie nach immer
höher und höher gelegenen Orten über, wobei sie ihre früheren instinktiven Anforderungen
an dasjenige, was ich die Wahl eines passenden „Winkels“ für den Nestbau genannt habe,
beibehalten.
In der einschlägigen Literatur sind viele Fälle derartiger Abänderungen des Instinktes
bekannt. So begann eine Taubenart in Samoa, welche Jahrhunderte hindurch ihre Nester
auf der Erde gebaut hatte, rasch an Zahl abzunehmen, als die Europäer Katzen auf diese
Insel .einführten, welche sich rasch vermehrten und verwilderten. Die Verrichtung der
Tauben wäre wahrscheinlich unvermeidlich gewesen, wenn unter den stets zu beobachtenden
Abänderungen in den Instinkten sich nicht eine solche gefunden hätte, welche die Tauben
dazu veranlaßte, ihre Nester auf den obersten Zweigen der Bäume anzulegen. Die Ursache
in der Veränderung der Zone bei der Wahl des Nistortes ist bei Bombus muscorum augenscheinlich
darin zu suchen, daß sie von Psithyrus-Arten in großer Menge vernichtet werden.
Ob sich nun die Zahl der Psithyrus in jenen Gegenden, wo ich meine Beobachtungen über
das Leben der Hummeln anstellte (Mittlere Zone Rußlands), vermehrt hat, oder ob die Abholzung
der Wälder und die Vergrößerung der kultivierten Fläche, wodurch die Hummeln
gezwungen wurden, auf kleineren Bezirken zu nisten, den Parasiten die Aufsuchung von
Nestern besonders erleichterte, ist schwer zu sagen; allein die Tatsache, daß Bombus muscorum
am meisten von diesen Parasiten zu leiden hat, ist wohl kaum anzuzweifeln. Die
Nachforschungen der Psithyrus-Schmarotzer nach Nestern an der Oberfläche der Erde
waren wohl dazu geeignet, die natürliche Auslese bei Bombus muscorum auf jene Abänderungen
in der Wahl des Ortes (der Zone) zu lenken, wie sie gegenwärtig vor unseren Augen
sich abspielt.
Zweiter TeiJ.
Die „sozialen“ Instinkte der Hummeln.
(Die Elemente ihres „Familftn“- und „geselligen Lebens“.)
Die „sozialen“ Instinkte der „gesellig“ lebenden Insekten werden von den Autoren
für so kompliziert und so vollkommen gehalten, daß die Bienen, Ameisen und Termiten
in der Phylogenie der Geselligkeit bei den Tieren die höchste Stufe in der langen Entwicklungsreihe
dieser biologischen Organisation einnehmen: nach Ansicht der Autoren sind diese
Insekten (neben dem Menschen) allein dazu befähigt, ein Zusammenleben in der Gestalt von
Staaten zu bilden, wobei eine weitgehende gegenseitige Hilfeleistung, eine komplizierte Arbeitsteilung
und eine Sorge um ihre Genossinnen, sowie um die junge Generation zu Tage
tritt, welche von einem selbst für die höchsten Säugetiere unzugänglichen Gefühle von
pchtem Altruismus Zeugnis ablegen.
Ich kann mir diese Auffassung der Autoren auf folgende Weise erklären: i) durch
die Mangelhaftigkeit ihrer Untersuchungsmethoden, bei welchen die Beurteilung der Psychologie
der Insekten ad hominem nicht nur als wissenschaftlich, sondern oft als einzig möglich
angesehen wird; 2) dadurch, daß das Leben der „sozialen“ Insekten so schwer zu erforschen
ist und diese Forschungen deshalb auch so wenig zufriedenstellend ausgefallen
sind: ihre Tätigkeit, welche von einer Menge gleichgestalteter Individuen ausgeführt wird,
legt der Absonderung der Arb e il (und der Psychologie) des Individuums von den Resultaten
der A rb e it der G esamthe it ungeheure Schwierigkeiten in den Weg. Es erweist
sich,- daß nicht nur mit den genauen Untersuchungsmethoden wenig vertraute Beobachter,
sondern selbst Spezialisten in der erdrückenden Mehrheit aller Fälle nicht im Stande sind,
sich von der Idee loszusagen, daß die Logik des Ganzen bei den gesellig lebenden Insekten
das Resultat der Logik der das Ganze zusammensetzenden Teile ist, während doch
in Wirklichkeit diese beiden Logiken, wenn man sich so ausdrücken darf, nichts miteinander
gemein haben, ebenso wie die Logik des Atolls nichts mit der Logik der dasselbe
aufbauenden Korallenpolypen zu tun hat.
Um der Wahrheit näher zu kommen, wird man vor allem die für wissenschaftliche
Untersuchungen so schädlichen traditionellen Gesichtspunkte vergessen und die Methode der
Analogie mit derjenigen der Evolution vertauschen müssen.1