
lebt hat) eine „aus der Freiheit“ rnitgebrachte Hummel setzt, die ¡ersteren dieselbe sofort
als eine Fremde erkennen; setzt man dagegen eine Hummel aus einem fremden Volke, zu
ihnen, welche ebenfalls lange in der Gefangenschaft gehalten worden war,-?# erkennen sie
dieselbe nicht als Fremde. Von dem Gesichtspunkte der Hypothese B e th e s aus betrachtet-,
haben wir es hier mit: einer herabgesetzten Lebenstätigkeit des. fremden Nestes zu tun, wodurch
die Ausscheidung der chemischen Substanz herabgesetzt wird, weshalb die betreffenden
Tiere auch nicht mehr als Fremdlinge angesehen werden.
Ebenso einfach läßt sich offenbar auch folgende Tatsache vom Gesichtspunkte, der
Bethesehen Hypothese .aus erklären: setzt man zu einem „aus (lef.Freiheit“ mft^fcbächten
Volke eine Hummel, welche lange in der Gefangenschaft gelebt hat, *60 wird letztere bjä-l
weilen nicht als Fremde betrachtet: die Autpcheidung der „Substanz“ ist bei dieser Hummel
zu unbedeutend, um sie als Fremde zu charakterisieren. — Alle diese und ähnliche Tatsachen
sprechen zu Gunsten der erwähnten Hypothese),
Es gibt jedoch eine Tatsache, deren Beweiskraft genügend stark ist, um diese Hypothese
für unhaltbar zu erklären, und. zwar ist es die nachstehende. Die Beobachtungen, von
welchen ich oben gesprochen habe, beweisen zweifellos, daß eine Hummel, ja sogar ein
Psithyrus, welche in ein fremdes Nest gesetzt wurden, von den Inhabern desselben als zum
Volk gehörig anerkannt wurden, nachdem sie 12— 15 Stünden in dem Neste verweilt haben.
Wie läßt sich diese Erscheinung mit der Bet he sehen HypothescVilt) Übereinstimmung
bringen ? Ist der Stoff, welcher dazu dient, das Eigene von Fremdem zu unterscheiden,
eine spezielle Ausscheidung des Organismus, — so werden sich seine Eigenschaften
natürlich dadurch nicht ändern, daß die Hummel von einem Orte an einen änderen
verbracht worden ist; wenn aber dieser Stoff unverändert bleibt, Ü wir|§äer heute und
morgen und nach einem Monate die Glieder des betreffenden. Volkes davon in Kenntnis
setzen, daß in ihrer MitteCÄn Fremder weilt, was jed o ch in W irk lijjh k e it n ie de r
F a ll ist: es brauchen nur 12— 15 Stunden zu vergehen und die Hummeln erkennen den
untergeschobenen Fremdling durch die Bank als einen der Ihrigen tan. Es ist klar, ¡dil!'
es sich hier nicht um eine chemische Substanz handeln kann, die von jeder einzelnen
Hummel ausgeschieden wird,. sondern um etwas ganz anderes.
Die Hypothese von B ethe müßte meiner Ansicht nach in zweierlei Hinsicht korrigiert
werden.
Erstens stellt der Stoff, der den Gliedern einer Familie dazu dient, sich gegerlseitig
zu erkennen, n ich t ein besonderes, eigens hierfür ausgeschiedenes Stoffwechselprodukt dar.
Zweitens besitzen nicht- alle Individuen eines Volkes die Fähigkeit, den erwähnten
Stoff auszuscheiden, sondern a lle in die Königinnen.
Diese meine Folgerungen begründe ich einmal auf die oben mitgeteilten Erscheinungen,
welche das Erkennen (resp. Nichterkennen) der Angehörigen und Fremden begleiten, ferner
aber noch auf jene Erscheinungen, welche ich bei der Besprechung der Übersiedelungen
beschrieben habe. Ich erwähnte damals, daß das Weibchen den für Anlegung einer neuen
Ansiedelung ausgewählten Platz mit e ine r a u ß e r o r d e n t l i c h fe in e n S c h ic h t von
Wachs (das sie aus ihrem Abdomen abscheidet), einreibt, und daß die#¡letztere die Attraktion
für die Arbeiterinnen ausmacht, die die von der Königin hinterlassene Spur fortwährend
mit den Fühlern berühren. Indem ich mit dem G egen s tän d e , auf welchem die Königin
eine solche feinste Wachsschi chi hinterlassen i hatte, einen anderen G egenstand einrieb,
zwang ich die: Hummeln, diesen letzteren als den Ort anzusehen, wo das Nest gebaut
werden sollte. Auf diese Weise gelang es mir, die Hummeln zu veranlassen, ihre Zellen auf
einem Stückchen KartoifBauf einem Blättchen Papier u. dergl. m. anzulegen. Derartige
Spuren hinterlassen, d. h. riechendes Wachs ausssheiden, kann aber allein das Weibchen.
Die, ■ Arbeiterinnen Scheiden bekanntlich ebenfalls Wachs*-vaus, allein dieses Wachs
unterscheidet sieh nicht nur darin, von dem Wacffi des Weibchens:, daß. die Arbeiterinnen
dasselbe mit fremden Klemtmtet) vermischt verwenden : auch in reinem Zustande ist ihr
Wa<l§pli|j|t räch Färbe noch nach; Qualität demjenigen gleich, das wir an den Bauten
dCs)Weibchens sehen) (Honigtöpfe). * -
Ich möchte|ji||l d|Bs[ Gelegenheit bemerken, daß das, ¿Weibchen nach dem Aus-
* schlüpfen dergliisfen Giuppe von Arbeiterinnen noch keine Wachsbauten anfertigt: es baut
keine Honigtopfe, macht keinen Aufbau den leeren Kokons u .^ w. Dennoch: unterliegt
es kerne® Zweifel, daß schon zu dieser Zeit seine ¿Drüsen Wachs Jtilf^heiden. Nur wird
eben clie^ps'/e-rste. Wachs-lediglich zuir^i Knirtr.bc-.i der Waben und verschiedener anderer
Teile (Ms inneren Nestes verwendet, indemsej: gleichsam als ein .i-iindemi-.iel dient, durch das
die leblosen wie die lebenden Bestandteile desi Volkes fest miteinander, verbunden werden.
I>ie Yerbcsserungep, weiche, -ich an der BetheS*c"hen Hypothese, angebracht habe,
iglheinen mii emgge^^^^Li^u auch über andere -Vorgänge- im Leben der Hummeln (und
wahrscheinlich der Biendn) zu: verbreiten.
Durch Ü|: wird erklärt, woher die Fähigkeit zum Erkennen bei im Zwinger gehaltenen
Hummeln- allmählich aimimmt ¡Einerseits., wird die .I.ebenstätigkeit der Hummeln in der Ge-
fangenscliai". überhaupt herabgesetzt, und damit auch ihre Neigung:- auf den spezifischen
Reiz zu reagieren; andererseits nimmt auCh die Intensität des [Reizeij^nfolge der verminderten
Tätigkeit d®r Kppigin aJv Immerhin bleibt^'olange die Königin {anwesend ist . und, an dem
^eb,eni4 j j StjckAAnteil nimmt,, despn^gparnttätigkeit undidapiit auch die Fähigkeit des
Erkfnnens nahe der N0rm(jp-flibald je^sch. dags), Weibchen zu Grunde ‘geht oder seine Tätig-
kÄgijlas Begehen der Waben,-das Bebrüt#®instellt,, iHwird die. Quantität der von ihm
ausgeschiedenen.. Substanz immer .geringer und gprmger, diänHummelarbeiterinnen haben
immer weniger Gelegenheit, die Substanz mit den Beinen zu berühren und, indem sic ihren
Körper reinigen, die denselben bedeckenden Härchen damit -einzuschmiereu. Hieraus resultiert
eine immer ^pChwächer-Jd^igrdende- Fähigkeit jdzuin Erkennen ; fehlt, die . ¡Substanz jedoch
vollständig, so findet kein Erkennen mehr statt. Und das ist, vom biologischen
Gesichtspunkte äjl| betrachtet,., auch selbsfeptändlich ; denn im entgegengesetzten Falle
müßten ja alle aus dem Kokon geschlüpften Hummeln einander als Fremde betrachten und
umbringen. Wir j fp in dagej^Bgesehen, daß |gk soeben aus: dem Kokon geschlüpften Individuen
e in e r bestimmten S p e z ili in allen Nestern ih re r A r t Angehörige anerkannt
werden: las " ist augenscheinlich, daß der; .-Instinkt, von dem die Hummeln geleitet werden,
indem sie Individuen der welche sich den Geruch des betreffenden Nestes
noch nicht angeeignet haben, als die Ihrigen anerkennen, dauerhaft fixiert sein muß.
Bèi di8§||! Gelegenheit möchte» ich nach bemerken, daß das Anerkennen einer eben
aus dem Kokon-geschlüpften Hummel ebenfalls gegen-vdi«:Hypothese .von B e th e ’Spricht,
wonach alle Glieder ¡einer Familie befähigt wären, eine gleichartigäychemische Substanz aus