
das Studium dieser Fragen muß daher durch eine andere Kategorie Von Tatsachen ergänzt
werden, die dazu angetan sind, den Gegenstand zu: erklären. Diese Kategorie von
Tatsachen können uns B eo b a ch tu n g en über dasoLeben der Hummeln in der G e fa
n g e n s c h a ft liefern.
Bevor wir jedoch zu der Besprechung dieser Beobachtungen übergehen, wollen wir
aus dem soeben dargelegten Mäferiale die wichtigsten Schlußfolgerungen, für gv§ijhe_das-
selbe als genügende Grundlage dienen kann, ziehen. Wir können d ie fi Schlußfolgerungen
in nachstehender Weise formulieren.
Vom Eintritte des Herbstes an treten drei Faktoren mit täglich .sichiisteigernder
Intensität zu Tage:
a) D ie H e rab se tzun g der E n e rg ie , die den Hummeln durch di:e,;,§;pnne mit-,
geteilt wird, deren Bedeutung für das Leben der Insekten und der kaltblütigen Wirbeltiere
eine so ungeheure ist;
b) D ie V e rk ü r zu n g /der tä g lic h e n Arb eits.ze lt im Zusammenhänge mit dem
Kürzerwerden der Tage, und endlich
ie) Die V e r r in g e ru n g der T ra ch t , zum Teil infolge der natürlichen Abnahme
der Blumen mit dem Beginne des Herbstes, zum Teil infolge des menschlichen Sinflms!6s
auf die Natur (Mähen, Ackern der Brachfeldei u, s. w.).
Die normalen Bedingungen für die Existenz der „Familie“, haben eine (Störung ee
fahren. Diese Störung ist aber nicht a l lÄ dadurch erfolgt, daß die Menge, d ffl Futtetl
geringer geworden g s wir haben ja gesehen, daß der Untergang eines Volkes auch durch
das reichliche Vorhandensein von Honig nicht aufgehalten wird. Die U t^ h c ilSST iner-
g an g eÄ e g t vielmehr offenbar in der Summe derjenigen Bedingungen, welche die normale
Lebenstätjgkeit der Hummeln abgeändert haben.
Von diesen Schlußfolgerungen wenden wir uns nunmehr zu dem LSßen der Hummel-
„Familie“ unter dem E in flu ß der G e fan g en s ch a ft .
Ich habefflereits weiter oben bemerkt, daß diesö Veränderungen der Instinkte in
beiden Fällen nicht nur ähnlich, sondern .sogar identisch sind. Der ganze Unterschied be
steht in der Dauer des Prozesses. Bei einem in der- Gefangenschaft lebenden Volke be,
ginnt der Prozeß des Zerfalles, mit seinen äfiegÄterscheinungen in Bezug auf „VeränB-
rungen ^fer Instinkte schon lange vor der Zeit, wo- diese Vorgänge unter normalen Beg
dingungen des Lebens beobachtet werden; er geht infolgedessen-unvergleichlich langsamer
vor sich, und wir 'erhalten daher die Möglichkeit, - „Veränderungen“ der Instinkte
unter Bedingungen zu verfolgen, welche für die Beobachtung viel günstiger sind.
Beobachtungen über die Veränderung der Instinkte eines Hummelvolkes
unter der Einwirkung der Gefangenschaft
Vor allem muß bemerkt werden, daß die. -Gefangenschaft an und für sich, d. h. die
Überführung des. Nestes in einen Zwinger, noch keinerlei Folgen nach sich zieht, und daß
das Leben der Hummeln in der gewohnten Weise weitergeht, wenn man ihnen die Möglichkeit
bietet, so zu-leben, wie sie-die®: unter natürlichen Bedingungen tun, d. h. indem
man ihnen keinen Zwang auferlegt und die Grundbedingungen ihres Lebens nichfTäntastet.
Diese Bedingungen unverändert zu bewahren, is t jedoch eine recht schwere Aufgabe. So
viel wir. uns auch bemühen, das Leben, der Tieiesäin der Gefangenschaft demjenigen im
Freien möglichst entspreäbtend zu gestalten, so wird dies doch niemals ganz gelingen, und
-zwar, aus folgenden Gründen: ij weil die. Fähigkeiten der Hummeln und ihre Gefühle
nicht zur vollen Ausübung kommen, indem- die ¡¡jmgebung weniger mannigfaltig auf sie
einwirkt, ferner «[weil diis-Beschaffung der Nahrung viél leichter von statten geht, wenn
neben'dem Nreill Futter aufglëstellt^prden ist, undçihfolgedessen die Ausflüge quantitativ
abnehmen oder sogar gänzlich eingestellt werden. Auf diese Weise werden, wenn auch nicht
alle) tSÖSdoch-einige der,. Grundfäktoren, die das Zugru^degehen der „Familie“ der Hummeln
im Herbste bedingen, künstlich geschaffen. ' ;
Besonders wichtig erscheint die -Verminderung der Bewegungen, die mit den Aus
: lügen der Hummeln gfjfbunden sind und für die Tiefe, eine unbedingte Notwendigkeit dar-
siel'icn : durch das FliègÎn wird der ÄtmuBgsprozeß veflöhnfächt und dadurch gleichzeitig
die Tätigkeit der -übrigen vitalen Organe gehdb’èn ; indem sie ihre Ausflüge aus dem Neste
einstellen, werden sip träge, und wenn der Aufenthalt im -Neste einige Tage nacheinander
ähäaufert,^Hsind die Hummeln, die äfeh für gewöhnlich mit Leichtigkeit von den
Waben leiheben, hierzu nicht mehr im Stande. Sie fallen‘zu Boden, und erst nach vielen
Versuchen aufzufliégtó (und infolgedessen auch nach energischer Tätigkeit und damit verknüpfter
erhöhtef Atmung|::wirdR ihnen«t*fch , nachdem: - sie-ihrCh Körper mit Luft vollgepumpt
häbeii, sich vom Boden z#(erheben ; häufig fallen sie auch dann wieder nieder,
u n ffe p - illc h erneuten Versuchenùgelingt i | ihnen endlich, sich U H a : Höhe dMFensters
zu erheben und- hinauszufliegen.
Gleiche, wenn auch a u s -vefsähiedenen ’Ursachen entstehende Faktoren führen natürlich
auch'"gleiche ^ S i ta t e herbei: die Verringerung dès Z u flu^ g io n Nervenenergie von
außen her, die Herabsetzung der Lebenstätigkeit überhaupt während der Gefangenschaft,
haben dieselben Folgen, Wie sie bei den Hummeln durch die Bedingungen des Herbst-
lebcns sich einstellen. Der Unterschied bfaeht in der Stafke dieser Faktoren: in der
Gefangenschaft wirken sie-schwächer, und infòlgfÉffsen gehen auch die von ihnen hervorgerufenen
Prozesse langsamer vor sich.
Di«ser,Proz«sse S te h e n nun, wie wiri|ogleiçhfe|en werden, nicht etwa in Veränderungen
der In s tin k tJ gH lch e habe ich. Ä d e r b|| den Hummeln noch bei anderen
Tierjn-jcmals beobachtet1, « n f c | i in dem W ç g f a l l einisg-è-r B e s t a n d t e i le der
k om p liz ie rte s ten Ins tin k te .2
Nachstehend einige Tatsachen, die . das Gesagte .‘bowjeisen. Al||ich von dçr Psychologie
(der Tracht, sprach, "’¡(¿ich unter anderem darauf hin, daß bei dem Zerfalle depj.Volkes
die- Honig sammelnden Hummelarbeiterinnen anfangell, die Blumen nicht mehr in der ge-
| Die Instinkte sind unveränderlich, - däs ist ’ihre GrnUdefgeiiséhaft ; s ié sind natürlich- in demselben Sinne un-
verätadeflifcjli in Welchem die H H H B Merkmale u.ivetändcrt:cll,.siml. Diese,sind i h r m , - I r é "
— — u n t e r l i e g e n ™ ™ e .d o r t, .d .h , sowohl im |
biètë der Merkmale, wie in deinjenigèn der JnSünkte dieselben Gesetse in E rsch einung I : * Derartige Reduktionen Komplizierter Instinkte unter dfer'Einwirkung d er Gefangenschaft sind von mir auch
ih r 1 in meiner Untersuchung - ttber déren Industrie,.,(.^-'industrie des Araneina'T angegeben, worden «
Tie ren wurden.Reduktionen in.-der Gefangenschaft auch in Bezug au f diejenigen Instinkte- beobachtet, welche au f die