
Die plötzliche Helligkeit rief eine schreckliche Verwirrung und großes? Getümmel hervor,
doch beruhigten sich die Hummeln, nachdem ich den Stock vorsichtig wieder bedeckt
hatte. Am nächsten Morgen, gegen io Uhr, deckte ich den Stock wieder auf; das Nest
war die ganze Zeit über (gegen 14— 16 Stunden) unausgebessert geblieben, d. h. es befand
sich genau in demselben Zu stande wie am T a g e zuvor: die Waben lagen fast
ganz frei. Das plötzliche Erscheinen von Licht rief die frühere Unruhe und Verwirrung
hervor. Ich ließ das Nest hierauf unbedeckt stehen; es begann eine einmütige und eilige
Ausbesserung. Nach zwei Stunden, ja sogar etwas früher, war dieselbe beendet und das
Nest sah aus, als ob es neu angefertigt worden wäre.
Ferner teile ich folgende, von mir an einem Neste von JBombus lapidarius angestellten
Versuche mit.
Nachdem die Hummeln eines von mir mitgebrachten Nestes zeitweilig entfernt
worden waren, brachte ich die Waben (g.m.) in die Mitte der Kiste A.B. (Fig. 98); darauf
ließ ich die Hummeln in diese Kiste und bedeckte die letztere mit dem Brette ab c d. Die
erste Zeit über drang gar kein Licht in die Kiste. Den so vorbereiteten Zwinger.'Stellte
ich in der Weise neben das Fenster, daß ich durch Verschieben des Brettes Licht von
vorne und von hinten eindringen lassen konnte. Auf Fig. 98 ist das Brett ab cd so
F ig . 98. Fig. 99.
gestellt, daß das Licht nur von der Seite s durch die Öffnung o in das Nest eindringen
kann. In sehr kurzer Zeit hatten die Hummeln über den Waben eine Wachsdecke in der
Ausdehnung k. e. m. errichtet; so blieben die Dinge während eines Zeitraumes von
1V2 Wochen ohne jede Veränderung. Nach Ablauf dieser Zeit verschob ich das Brett
(abcd), wie dies auf Fig-. 99 angegeben ist, derartig, daß das Licht nicht mehr von der
Seite s, sondern von der Seite sx durch den Spalt ox her in die Kiste eindrang; sofort
machten sich die Hummeln an die Arbeit und hatten im Verlaufe von zwei Tagen das
Nest auf dieser Seife in der Ausdehnung k. e. m. n. ganz ausgebessert, indem sie auch hier
eine Decke aus Wachs anfertigten, in der zum Ein- und Ausgehen spezielle Öffnungen an
der Seite angebracht waren.
Endlich habe ich bezüglich der Ausbesserung des Nestes durch die Hummeln noch
hinzuzufügen, daß die A r t und W e is e , wie eine so lch e B au a rb e it a u s g e fü h r t
wird, bei Ind iv id u en einer S pezies d ie g le i c h e , b e i v e r s c h ie d e n e n Arten
d a gegen eine v e r sch ied en e ist.
So scharren die Hummeln von B. muscorum das Baumaterial bei der Arbeit mit
allen Beinen paarweise und abwechselnd, mit dem ersten Beinpaare; beginnend, zusammen,
wobei sie das Material mit jeder Bewegung nur auf eine sehr kurze Entfernung hin weiter-
schaffen. Die Kiefern werden von ihnen bei dieser Arbeit überhaupt nicht in Tätigkeit
gesetzt. Dahingegen bilden diese Organe bei B. terrestris gerade das hauptsächlichste
Werkzeug, mittelst dessen diese Hummeln das Material von einer Stelle zur anderen
tra g en ; wodurch natürlich der ganze Gang der'Ausbesserungsarbeit bei diesen und jenen
Hummeln ein durchaus verschiedener wird.
Bei Bombus muscorum schaffen die Individuen das Baumaterial in der Weise nach
dem Neste, daß sie das gesamte Material gleichzeitig in Angriff nehmen. Legt .man auf
den Boden eines Zwingers (Fig. 100 A B ) offene Hummelwaben (mg.) und verteilt dann
das Baumaterial in einer gleichmäßigen Schicht derart um die Waben herum, daß die
Blättchen a, b, c, d, e, f . . . o in der auf der Figur angegebenen Weise gelagert sind, so
wird, die Arbeit der Hummeln in folgendem bestehen: indem die Hummel sich auf dem
Baumaterial von den Waben mg. aus nach dem Rande des Stockes zu, also nach o, ox
oder o2 bewegt (den Kopf in der Richtung der Pfeile haltend), läßt sie alle auf ihrem Wege
liegenden Blättchen, indem sie dieselben unter sich scharrt, zwischen ihren drei Beinpaaren
hindurchgehen, eines nach dem anderen, zuerst a, dann b, e, d u. s. w. Dabei gelangen
die Arbeiterinnen nicht alle gleich weit und nicht immer bis zu dem Zwingerrande; schließlich
wird aber das gesamte daliegende Material an das Nest herangeschoben. Wenn man den
Zwinger am ersten und an den darauffolgenden Tagen des Versuches betrachtet, so bieten
sich folgende Bilder. Auf Fig. 101 sehen wir, wie das Baumaterial (Mt) den ganzen Boden
des Zwingers in einer dünnen Schicht gleichmäßig bedeckt; in dem nächsten Stadium der
W
Fig. 102. F ig 103. . V F ig 105.,
Arbeit bedeckt dieses Material nur noch einen bestimmten Teil des Bodens (Mt, Fig. 102),
während :dae Dicke der Schicht beträchtlich zugenommen hat (die mehr oder weniger dunkle
Färbung weist auf die Unterschiede in der Dicke der Schicht hin). Auf Fig. 103 endlich
ist das gesamte Material von dem Boden der Kiste zu den Waben hin verschoben, die
davon ganz bedeckt sind (auf der Zeichnung nicht angegeben).
Ein ganz anderes Bild zeigt die Arbeit bei Bombus terrestris. Hier wird überhaupt
nicht das gesamte Baumaterial zum Neste geschoben, da diese Hummeln vielmehr nur die
passenden Stücke aus dem Materiale heraussuchen, und dieselben mit den Kiefern forttragen
(Fig. 105)." Mit dem für die Ausbesserung des Nestes ausgewählten Gegenstände an
den Waben angelangt, legen die Hummeln ihre Bürde direkt auf den letzteren nieder. Das
Nest erhält dadurch bald eine mehr oder weniger regelmäßige Gestalt. Eine andere
Eigentümlichkeit, die ihre Ausbesserungsarbeit von derjenigen der oberirdisch bauenden
Hummeln unterscheidet, besteht darin, daß B. terrestris stets nur in einer R ich tu n g
vom Neste aus nach Material geht, während jene sich radiär nach allen Seiten hin begeben.
Dieser Umstand läßt sich natürlich dadurch erklären, daß die normalerweise unterirdisch
bauenden Hummeln sich innerhalb ihrer Gänge stets nur in einer Richtung be*
wegten, um Material zu holen: unter künstlichen Bedingungen benehmen sie sich ebenso,
obgleich' es nun nicht den geringsten Sinn mehr hat.