
sein Nest niederläßt; das Insekt setzt sich in die Mitte des aufgeworfenen Haufens, gräbt
darin und findet sofort den Eingang zu seinem Wohnorte.
Weitere Versuche von F ab re beweisen mit größter Klarheit, daß der Geruchssinn
bei der Feststellung der Lage des Nestes durchaus keine Rolle spielt.
Nicht minder lehrreich sind die Beobachtungen von F ab re über die Rückkehr in
das Nest bei Chalicodoma. Er trug diese Insekten weit von ihrem Neste weg in (dn
Waldesdickicht, aus welchem er sich selbst die erste Zeit hindurch nur mit Hilfe eines
Kompasses herausfinden konnte; er transportierte' sie auf weite: Entfernungen vom Neste
an einen solchen Ort, welcher von dem Neste durch Hügel, Wälder u. s. w. getrennt war.
Nachdem die freigelassenen Insekten einige Kreise b^phrieben hatten, flogen , sie. in der
Richtung nach dem Neste davonjaH hätten sie sich nach einem Kompaß gerichtet.
Zu-analogen Schlußfolgerungen gelangen mit F ab re noch viele andere Forscher, darunter
auch B e th e 1. Die Befähigung der Bienen, zu ihrem Stocke zurückzukehren, erklärt
dieser Autor auf folgende Weise. Er setzt voraus, daß ein jeder Stock eine spezielle
fluchtige Substanz äÄheidet, welche im Stande ist, die Bienen auf Entfernung anzulocken,
mit anderen Worten, daß die Rückkehr der Bienen in ihren Stock als e in !
spezielle Form von Chemotropismus der Bienen angesehen werden kann. Indem B e th É
jedoch in Betracht zieht, daß die Bienen Tiere der Luft sind und daß ¡ S lü rh i„ fortwährender
Bewegung befinden, erscheint es ihm schwierig, die Frage endgültig zu beantworten,
um so mehr da die Bienen nach seiner Ansicht sich durch e in E tw aS le iten
lassen, was nicht dem Stocke angehört, indem dieses Etwas sie nicht zu dem Stocke selbst
fuhrt, sondern zu jenem Orte, wo er sich befindet und zu welchem sie auch noch geflogen
kommen, nachdem der Stock von .'seinem Platze entfernt worden ist.
Schließlich verzichtet der Autor darauf, die Natur jenes „quid ignotum“ zu erklären,
welches den die Bienen leitenden Faktor ausmacht, und beschränkt sich auf die Vermutung,
daß die Bienen durch eine uns g än z lich unb ekannte K r a f t zu dem Stöcke hinge!
zogen werden, we lche jedoch allem A u g en s ch e in e nach n ich ts P s y ch is ch e s an
sich hat.
Nach diesen in der einschlägigen Literatur enthaltenen Angaben gehe ich nunmehr
zu meinen Beobachtungen an Hummeln über, durch welche der Beweis erbracht wird, daß
die Wahrheit in der Mitte zwischen beiden Hinander entgegengesetzten Ansichten liegt,
welche einander übrigens gegenseitig nicht ausschließen, wie wir später sehen werden.
Die Beschreibung meiner Beobachtungen beginne ich mit denjenigen, welche ich über
die Rückkehr der Hummeln vermittels Laufens angestellt habe.
A) Die Rückkehr der Hummeln in ihr Nest vermittelst Laufens.
Diese Beobachtungen, welche an frei lebenden Tieren atSgöstellt wurden, bestanden
dann, daß ich eine beliebige Hummel fing, ihr die Flügel abschnitt und sie in einige Entfernung
vom Neste setzte. Alle diese Versuche brachten mich zu der Schlußfolgerung,
daß die Hummeln einen Richtungssinn in Gestalt eines besonderen,’ den uns.'bekannten Organen
nicht entsprechenden Sinnes, nicht besitzen: d ie Hummeln fa n d e n den W e g
1 A lb . B e t h e . Dürfen wir Ameisen und Bienen psychische Qualitäten zu sch reibeni Arclr. f. ges. Physiol. L X X .
nach H a u s t nicht. Die Fig. 29 zeigt unfeine dieser Beobachtungen: N — Nest vvoorn
Bombus terrestris; A = Stelle, wo die Hummel auf die Erde gesetzt wurde; A B = Richtung
ihres Weges.
■Mpie Sache ändert ';sich einigermaßen,
aber nicht bedeutend, wenn man Beobachtungen
über das Laufen diii) Hummeln vom X.
nach dem Futter auf geringe Entfernungen,
' z. B. in einem Zwinger, anstcilt. Solche Beob-...........................
achtungen führte ich an einer isolierten Hummel Fig 29'
aus, welche als erste aus derg|tfeten Wale herausgekrochen war, nachdem das Weibchen
a” s ^em Neste genommen wurde. Diese Hummel wurde ausschließlich, ihrer eigenen Kraft
und Befähigung über!Ren und in einem Zwinger untergebracht, in dessen einer Ecke eine
Wabe (Fig. 30 ga), in einer anderen ein gchächtelchen mit Bienenhonig (me) aufgestellt war.
Nachdem die Hummel am zweiten TageHuf dem Wege aH b zufällig zu dem Honig
(me) geraten war und von demselben genossen hatte, kehr te s ie nicht direkt, sondern in
der Richtung des Pfeiles nach der Wabe zurück. Die Hummel bewegte sich auf dem
Rückwege längs der Linie a—b unter trockenen Blättchen, mit welchen der Boden des
Kastens bestreut war, und welche sie offenbar für ihr Nest ansah (die; Blättchen waren
auch wirklich ihrem Neste entnommen worden); nachdem sie die gegenüberliegende
Wand erreicht hatte, machte die Hummel Halt und schlug dann den Weg in der Richtung
der LinMb c ein. Bei c angekommen, krochHie etwas nach oben und wanderte dann
längs der Linie <Sd—-e. Von hier k eh r te sie um, korrigierte ihre Richtung aber bald,
indem sie: aufhörte, längs der Wand zu gehen, wandte sich längs der Linie e—g dem
Innern des Kastens zu und begann hier nach der Wabe zu suchen, welche sie denn auch
nach vielem Herumirren endlich fand.
***• Ä F ie- 31- Fig. 32.
Aus diesen und anderen: analogen Beobachtungen können wir folgende Reihe von
Schlüssen ziehen.
Eine Hummel, welche zum ersten Male in ihrem Leben selbst Nahrung gefunden und
davon genossen hat, kehrt: zur Wabe zurück, von welcher sie ausgegangen ist, um die
Nahrung zu suchen. Der Rückweg zu den Waben steht in gar keiner Beziehung zu dem
Wege von den Waben, mit Ausnahme der allgemeinen Züge, welche mit der Richtung nach
vorwärts und nach rückwärts im Zusammenhänge stehen. Ihre Spuren erkennt die Hummel
auf dem Wege nicht, und erinnert sich ihrer nicht. Sie kehrt nicht in gerader Linie zum
Neste zurück, wenn sie nicht durch äußere Umstände, z. B. durch Kastenwände, dazu gezwungen
wird; veranlassen diese Wände jedoch die Hummel eine Richtung einzuschlagen,