
Sehen wir uns an der Hand dieser gesamten Beschreibung der feinsten Luft- und
Blutwege auf Taf. II die Fig. i , 3,5 u.'y-an, welche nach 10¡i dicken Schnitten gezeichnet wurden,
so finden wir genau eben geschilderte Verhältnisse wieder*. Wir sehen nämlich, wie aus
den Lungenpfeifen rings herum die Bronchioli hervortreten, diese*5 sich meist deutlich dicho^|
tomisch verästeln, die Äste wiederum ziemlich langgestreckt und nicht weit voneinander ent-^
fernt zur Peripherie ihres Pfeifenbezirkes streben, um ¿ gh ¡daselbst, in-«in enges JMasChen-
werk von Luftkapillaren aufzulösen. Wir erkennen, wie bei Columba und Habropyges die
Netze allseitig miteinander anastomosieren, während bei Gallus nur einzelne. .Zweige* und
Kanäle direkt in die eines* benachbarten PfeifenbezifkÄ übergehen. <:(Schließlich führt uns
die Fig. 6 noch deutlich die Verzweigung der Blutkapillaren vor Augen und Fig. 5 eeigt, wilW
Luft- und Blutkapillaren, welch letztere rot gehalten sind, dicht gedrängt miteinaml. 1 ilvi|
.wechseln.
Die im makroskopischen Teil durchgeführten M||Iungen der Bronchien?, habe ich
auch auf die Lungenpfeifen und die aus ihnen hervorgehenden Kanäle, sowie Luftkapillaren
ausgedehnt. Da aber in däenBeineren Verhältnissen keine Hinderlichen Untersphiedn
auftreten, so habe ich nur die Befunde hei Columba, Gallus und Auas . mitgeteilt.
Wenn ich auch-* Gelatineinjektionen bei Milvus, Huteo, Chrysotis^/ßyrniuwi, Cardiualis,
Molothrus, Gymnöcephalus, Spermestes und llabropijgn ausgcfulirt habe, so haue ich hei
letzteren hauptsächlich die Erforschung dis Endverlaufesides Bronchialbaums im Äugfe. Zudem
haben meine Kontrollmessungen an diesen in Kanadabälsam eing^hl0p^tien. Präparaten
gezhigt, daß die Kaliberverhältnilii; überall entsprechend dem ¿¡¡¡ästigen Bau ctef;
Bronchiaibäufe äusgebildet sind, d. h. je feiner di'^uhgenpf^Äigestaltet, um %o besser
ist die Oberflächenvergrößerung auch auf die kapillären Luftwege i'aiSfeedehnt und unig%
kehrt.
Die Messungen wurden mit dem Okularmikrometer von Leitz, Okular i und Objektiv 3
ausgeführt. Es ergab sich, daß die Weite der Bronchi fistularii durchschnittlich 0,75 mm
bei Columba, 1,15 mm bei Gallus und 1,0 mm bei Anas boschas betrug, die der Luft-
kapillaren hatte eine Stärke von 0,015 nim bei Columba, 0,03 mm bei Gallus.
K a p i t e l 11.
Histologische Angaben.
Auf den histologischen Bau der Vogellunge habe ich meine Untersuchungen nur insofern
ausgedehnt, als ich den Reichtum an elastischen und bindegewebigen Fasern festzu-
etellen suchte. Des Vergleiches halber fertigte ich außerdem Schnitte der Lungen von Sala-
mandra maculosa, equus caballus und mus musculus an. Nach Orientierung' in einigen
die mikroskopisch-histologische Technik berührenden Abhandlungen (K. T e l ly e s n i c z k y ,
F u ch s -W o lfr in g , R ö th ig , Seipp und Schulz) wählte ich zur Fixierung von Lungenstückchen
genannter Tiere und einer größeren Anzahl verschiedener Vögel fünf bewährte
Fixationsflüssigkeiten: Alcohol absolutus, Formalin Solutio 10%, beide mit Zusatz von 5 °/°
Acid. acet., Hydrargyr. bichl. corros. conc., Zenkersche und Müllersche Flüssigkeit. Die
in Paraffin von 540 Schmelzpunkt eingebetteten Stückchen wurden zur Darstellung des Bindegewebes
nach van Gieson und zur Tinktion der elastischen Fasern nach W e ig e r t und
R ö th ig (Kresofuchsin) gefärbt.
„Ich erkenne, schreibt E b e rth (1863, p. 36), ein sehr feines, aus zartem Bindegewebe
bestehendes Gerüst ohne g la tte Muskeln und e la s tis ch e F ase rn , welches die Gefäße
trägt“ . . .
„E la s tis ch e F ase rn feh len dem L u n geng ew eb e ganz.“
F. E. S ch ulze 5, (1871, p. 36) dagegen sagt:
„Das Gründgerüst der dicken, schwammigen äußeren Pfeifenwandung wird von einer
sehr zartfaserigen, fast homogenen Bindesubstanz mit fe in e r e n e la s t is c h e n F a s e r netzen
gebildet, welche das reiche, zum Austausch der Gase bestimmte Kapillarnetz trägt.“
„Zwischen den Pfeifen finden sich bei einigen Vögeln (Gans, Ente) ziemlich d ic k e ,
bei anderen (Taube) kaum erkennbare L a gen eines he llen , fa s e r ig en , in te r s t it ie lle n
Bind e ge webes.“
Gadow 9, (1890, p. 36) schließlich führt bei Beschreibung der Bronchial Wandungen aus:
„Die dritte Schicht ist wieder fibrös, dünn longitudinal, n eb s t e la s t is c h e n F ase rn und
bildet hauptsächlich das feine wabenartige Maschenwerk.“
In diesen Angaben wird fast übereinstimmend die geringe Anzahl der bindegewebigen
und elastischen Fasern zum Ausdruck gebracht. E b e r th ’s Behauptung, daß die Vogellunge
jedweder elastischer Elemente entbehre, wird durch meine Befunde widerlegt, aus welchen
hervorgeht, daß • ihre. Anzahl allerdings nur eine geringe ist. Wo und wie sie im Lungenstroma
angeordnet sind, soll uns kurz im folgenden Kapitel beschäftigen.
K a p i t e l 12.
Histologische Befunde.
1. Columba liv. dom.
Z e n k. F l ü s s i g k e i t , v a n Gi e ä on.
(Siehe Taf. III, Fig. 1.)
Bindegewebsfasern finden sich auf der Innenwand der Bronchi fistularii und im Bereich
der Blütkapillaren nicht allzu reichlich vor. Jene innerhalb der Pfeife bei der Bildung
der muskulösen Ringleiste beteiligten Septen bestehen in der Hauptsache aus ihnen.
F o rm a l . 1 0 % a c id . ace>t. 5 % , W e i g e r t .
(Siehe Taf. III, Fig. 4.)
Die Innenfläche der Lungenpfeifen ist mit einer relativ dicken Schicht elastischer
Fasern, die gewundenen Verlauf nehmen, ausgekleidet. Spärlich und zerstreut finden sich
solche auch in den am Aufbau der Ringleiste beteiligten Septen. Im Kapillargebiet treten
außer ganz feinen Fäserchen keine elastischen Elemente, auf.