
Andererseits aber , gibt eh eilte Menge von .Tatsachen, die. zeigen, daß erworbene Angewohnheiten
ebensowenig durch Vererbung Überträgen werden, wie alb;;erwörb.eneii-Merkmale
. im Gebiete der Morphologie.
Mit wissensbhaftlich4gBegrüudung wurdci.j|die Frage über di«ipene||| und Evolution
der Herdeninstinkte zum ersten Male' von Gal t o n behandelt, der interessante und gründliche.
Untersuchungen über das Leben des Damar-Rindes in Südafrika anstellte. Sein wich-'
tigstes Resultat besteht darin, daß et im Leben dieser Herdentiep zum ersten M.ale!szw;'selir:i
H e rd en in s tin k ten im .eigentlichen Sinne und -sozialen Instinkten unterscheidet.
Durch die H e rd e n in s t in k t e werden die Tiere ausschließlich zum ZweckHwer;
SelbsterhülUmg Verteidigung und Angriff H zu einer Gruppe verbunden, und' zwar
stets unter ider Leitung eines FührerSi-tüdem, sie .seinen Handlungen nachahmen odensseinen
durch Bewegungen oder die. .Stinnncjj,erteilten Anweisungen Folge-.lösten. Die,sozialen
I nst in k te. dagegen stehen nicht i:i direkter Beziehung zur Selbslerhaltung. und. entstehen
durch Nachahmen der Individuen untereinander 'nicht aber dem Führer'.
Der Zweck des 1 Icrdenlebetis bestellt darin, ein Maximum ¡v.ön Gefahrlosigkeit:unter
Anwendung eines Minimum von Wachsamkeit zu. erzielen.
Zu dem, was über das Herdenleben gesagt worden ist. bleibt noch hinzuzufügenj di|g§
wir der.höchsten Form der sozialen Instinkte bei den A ffen beg.egr.en, wie. diesa-unch zu
erwarten war, .Prof. M e tsch n ik o ff schreibt in seinem interessanten' Werke „Studien
über- die Natur des. Menschen“ unteirt3anii.erem folgendes.:.-.. --
„Wir sind nur ungenügend über das gesellige Leben der menschenähnlichen Affen
unterrichtet, jedoch nach allem, w'äs uns bekannt ist, weis*, Leben n^S-die- allj^Sten
Anzeichen pner Geselligkeit auf. Der M'ehsch ist in diese* Hinsicht batürlifi : viel weiter
fortgeschritten. Selbst die unter allen ffitzt lljse^den Völkerschaften am ttefsfejQ stehenden
und primitivsten Rassen, wie z. B. die Buschmänner, und die Eingeborenen Australiens,-legen
einen scharf ausgesprochenen sozialen Instinkt an den Tag.“
Mit alledem wird man sich natürlich, einverstanden erklären müssen: die Geselligkeit
der Affen-.repräsentiert; selbst im Vergleiche mit den allerprimitivsJCfA Völkerstämmen
etwas sehr Primitive» Allein di||j hindert, sie nicht, zu gleicher »Zeit für -das - Tierreich
die höchste.Form darzustellen. Der Unterschied zwischen einer Affengesellschaft und
dem. .Herdenleben von Gruppen andefjj^Tierü-., liegt ^erstens: -in der gegenseitigen H ilf»
leistung, wie B ; von den Gliedern einander erwiesen wird,pjjäer der jüdischen ihnen-hey*-.
sehenden Solidarität, und zweitens in der Subordination oder der Unterwerfung aller, sogar
der Männchen, unter den Willen eines Oberhauptes, welches, mit der Wahrung der gesellschaftlichen
Sicherheit betraut ist.
„D ie : f|j#Olschaftlieh||;*ihdaritäi äoffenbartRich hier nicht nur itt “gemeinschaftlichen
Arbeiten, sondern auch in - der unmittelbaren , , Unterstützung, die von -¡’¿jedem
einzelnen Mitglied de#;,; betreffenden Schar allen seinen Kamer'aden geleistet ' wird. So
säubern sich die Affen gegenseitig.von Patasiteri. und Insekten; sie äijtfernen sich nach
Wanderungen, durch Gestrüpp gegenseitig die in das Fell Und das. Fleisch§»Jingedrungenen
Dornen und Stacheln; sie bilden Ketten, um von einem Baum^feuf einen änderen zu gelangen;
sie versammeln sich und heben oder, verschieben 1 mit gemeinschaftlichen Kräften
einen allzu schwerenf|ltein und endlich behüten und verteidigen alle erwachsenen Mitglieder
ihre* Gesellschaften in gleicher Weise die Jungen, deren Erziehung sehr lange dauert.
Erkrankt emsllder in der Gefangenschaft .gehaltenen Löwenäffchen, so eilen alle seine Ge-
mlljen zu ihm und bemühen sich,--Seine &id en. auf irgend welche Weise zu erleichtern.
Di||;Subordination tritt in einer ganzer. ReiliGVon Erscheinungen zu Tage, angefangen
von dem Nachahmen von Bewegungen bis zur Weitergabe von Wünschen durch Zeichen:
dieSfiS-ubordination wird von dem Führer Verlangt, der gleichzeitig die Herde regiert und
anführt,“
Was le h r t uns nun ‘ 1 | ejp tu,fen fo 1 g-e,j d i|||be i de r E n tw ic k e lu n g der
ile rH c - ien G e s e llig k e it d::rc.h 1 a u {eh worden is t^H
Vor allem erfahren wir durch A> daß der aüfschließlich durch die natürliche Aus-
lese im Kampfe ums Dasein, wie überhaupt alle Instinkte^entstehende- Gruppeninstinkt
lllhon aus diesem eiben Grunde- einen für das Leben dér Spezies nützlichen Instinkt darstellen
muß, .was denn auch wtder yp'at der Fall istd^j^^^iehrt unsppie Biologie. Es
ÄfeÄeht ijfeh von selbst, daß wenn das Zusammenleben in: Kampfe, ums Dasein eine Waffe
darstellt, diese Waffe um ^|§chlr|ii-den Z\||ck erreichen hilft, fjljyy 0,11 k o m m e n e r sie
Sfl ; je höher ent® kelt und je völ!kom:r.ener sich die F.orm dÄgemeinschaftlichen Lebens
demnach darbietet, dej8,“größer ist, der Nutzen, den » der betreffenden Spezies .bringt.
Hierdurch wird es verständlich, warum die Evolution ^ :r Geselligkeit in direktem und un
*aiifl%ihareni Zusammenhänge :-S|eht mit derS^E-ntwicklung des-'--Nervensystems, d. h. mit der
Evolution delgfrierreipheS selbst infolgedessen erlilicken wir bei den JSäugetieren auch die
höchste Form de»Gese]3igkeit. Bei'den Affen findete wir gleichzeitig mit der höchsten
Form *dek“T 1 erdenlebens auch den höchsten Grad geistiger Fähigkeiten entwickelt.
Mit'anderen Worten: dieclJmfsachen bewegien uns, daß die E v o lu tion der Ge-
life llig k e it , wie dies auch ¿ja erwarten war, bei den T ie ren mit der E n tw ick lu
ng ih rer p sy ch is ch en F ä h ig k e iten glei-f-bcn S ch r itt hält .und ebenso unmerklich
und allmählich von feiner Stufe zur anderen emporstei«, wie diegpauch bei der Evolution,
des Tierreiches selbst der Fall ist.
Mit den Betrachtungen üb&Jdie Genes}: und die Ei^fution der' Geselligkeit im Tierreiche
ist diie: Aufgabe, die ich mir bei äfef vorM;fegenden Abhandlung. gestellt habe, erfüllt.
Die-Biolögffiifr Hummeln hat; uns'die wahre Natur der Erscheinung kennen gelehrt, die
als das „Zusammenleben“ der geselligen Insekten bezeichnet wird, und uns gezeigt, daß
dieses „Zusammenleben“ nichts anderes darstellt, als eine Symbiose, die den deutlich ausgesprochenen
“Charakter d® Parasitismus in sich trä g tB - d.h. ein Phänomen, das , zu einer
ganz anderen Kategorie‘ Siologfsöher Orgänijafionen gehört,..als. die wahre Geselligkeit.
Hierdurch wün}4h wir in den -Stand 'gesetzt, den .Entwicklungsgang dieser letzteren Er-
Ijfhemüng zü verfolgen, indem die Hindernis|l| dieiien Forschern früher durch die berühmten
jjgltäatejfbder Hymens den Weg; gelegt wurden, beseitigt worden sind.
So hat uns ünsere Belichtung von döör kosmischen Prozesse, der dem Trieb?, der ei“ ;
1 Bezüglich der Entstehung und der Entwicklung der Instinkte ausschließlich au f dem W eg e d er natürlichen
Auslese, vergl. meine Arb eit: „Die F ra g e der Zoopsychologie.“