
K ap i t e l 9.
Endverhalten des Bronchialbaums.
(Siehe Taf. II.):; •/
Die Lungenpfeifen durchqueren, wie bereits im ersten Teil der Arbeit berührt wurde,
die gesamte Lungensubstanz, indem sie parallel nebeneinander von außen und oben nach
innen und unten die Lunge durchziehen. Diese B r o n c h i f i s t u l a r i i , wie ich sie benannt
habe, sind dickwandige Röhren, welche durch gegenseitigen Druck die Form von
hexagonalen, auch polygonalen Säulen erhalten haben. (Taf. II, Fig. 4-) i^r Lumen
springen ringförmige Leisten vor, die durch bindegewebige Scheidewände und glatte Muskelzüge
ein wabenartiges Maschenwerk bilden. (Siehe Taf. III?-) Aus diesem gehen radiär zum
Pfeifenzentrum gerichtet die Ausführungsgänge der letzten Verästelungen, die B r o n c h io l i
oder Radiärkanäle, hervor. (Siehe Taf. II, Fig. 1— 5, 7.) An ihrer Ursprungsstelle sind die
letzteren verhältnismäßig mächtige, aber kurze Stämme, die regelmäßig um die einzelne
Pfeife gruppiert mit zahlreichen Ästen zwischen ein Blutkapillarnetz Vordringen. Diese Äste
wiederum verlaufen selbst meist bis dicht an die Peripherie ihres Pfeifenbezirkes, indem .sie
ziemlich langgestreckt sich dichotomisch spitzwinklig verzweigen und in ein Kanalwerk übergehen.
Sämtliche Kanäle sind von gleicher Weite und kommunizieren allseitig miteinander,
indem sie ein netzartiges Gefüge bilden, welches die gesamten Lungenpfeifen mehr oder
weniger miteinander vereinigt. Bei guten Fliegern (Taf. II, Fig. 1, 4, 5, 7) fand sich nämlich,
daß diese Netze ohne nennenswerte Unterbrechung zwischen den Lungenpfeifen zur
Ausbreitung gelangen, während bei Land- und Wasservögeln (Taf. II, Fig. 2; Taf. III,
Fig. 2, 3, 5) interstitielle, auf dem Querschnitt polygonal geformte Gewebsleisten verhüten,
daß die Bronchi fistularii mit ihren Kanalnetzen allseitig in Fühlung treten. Für kleinere
Strecken ist allerdings auch bei letzteren Gattungen eine normale Anastomose der benachbarten
Pfeifen ausgeprägt. Bei diesen brechen nämlich ab und zu einzelne Äste und Kanäle
durch die Peripherie und treten mit denen einer angrenzenden Pfeife in Verbindung und
stellen somit feinste Kommunikationswege dar. (Siehe Taf. II, Fig. 2.)
Nach den bisherigen Forschungen wurde als feststehend angenommen, daß diese
Radiärkanäle nach geringfügiger Teilung in alveoläre Endanschwellungen ausgingen, und
daß in diesen terminalen Ausbuchtungen die letzte Luftverteilung in der Vogellunge statthabe.
Daß sich zwischen denselben weitere Anastomosen vorfäpden, bestreitet F .E.Schu lze ,
(1871 p. 36), während andere solche beobachtet haben wollen. Zur Vergleichung dieser mannigfachen
Ansichten lasse ich darum'die Citate der in Betracht kommenden Forscher wörtlich
folgen:
Ed. W eb e r (1842, p. 36):
„Die Finalzweige liegen in den Zwischenräumen eines gröberen Röhrennetzes, das die
Grundlage der Lunge bildet, entspringen aus den Wänden der Röhren und sind höchst enge,
ästige, mit g e sch lo s sen en Enden aufhö rend e, röhrenförmige Anhänge an denselben.
Sie sind viel enger als die Finalzweige an den Lungen der Säugetiere.“
W illiam s 2 (Referat v. Schröder), (1855 p. 36):
„Williams nimmt eine sehr feine Membran an, welche diese Luftkanäle inwendig bekleidet.
Die Bronchialgänge kommunizierten in den Lungen ü be ra ll miteinander.
Die Luft tritt unmittelbar in die Zwischenräume eines feinen Kapillarnetzes, jedes Gefäß ist
von seinem Nachbargefäß getrennt, so daß die Luft durch dieses isolierte Netz von Gefäßen
hindurchtritt.“
S ch röd er 3, (1860, p. 36):
„D ie 1 Vogellunge besteht mithin aus einem feinen Balkengewebe, dessen Maschen
überall mit Luft gefüllt sind und welche-überall in der ganzen Lunge miteinander
zu kommunizieren scheinen.“
Bowmann (Referat v. Schröder):
„Bowmann beschreibt die Vogellunge in Nachfolge von Rainey, als ob die Schleimhaut
der Bronchien bei ihrem Übergang in die Lunge aufhört, und die Kanäle als Aushöhlungen
und Gänge zwischen einem kapillären Gefäßgewebe zu betrachten seien, so daß
die Luft in die Zwischenräume und Maschen der Kapillargefäße dringen würde und mit der
Oberfläche eines jeglichen Kapillargefäßes in Berührung käme.“
C. J. E b e r th 4, (1863, p. 36):
„Ich erkannte deutlich von den Pfeifen nach auswärts tretende, sich teilende Kanäle,
deren feinste Ramifikationen in k le ine g e sch lo s sen e An schw e llu ng en mündeten
Das jedoch steht fest,, daß in den Luftzellen wirklich ein feines kapilläres Netzwerk
besteht, welches ringsum von Luft umspült wird.“
F. E. S ch u lze 5, (1871, p. 36):
„In dieses letztere (Lungenparenchym) hinein führen von jeder solchen wabenartigen
Seitennische aus einige senkrecht und radiär zur Längsachse der Pfeifen gerichtete Gänge,
welche anfangs einfach und gerade, sich alsbald baumartig und zwar vorwiegend spitzwinklig
dichotomisch verzweigen und schließlich in k le ine s e it lich e und terminale län g lich e
B lin d sä ck e auslaufen.“
H u xle y 6, (1875, p. 36):-
„Hier geben sie (Lungenpfeifen) in rechten Winkeln Reihen sekundärer Kanäle ab,
welche ihrerseits in ähnlicher Weise noch kleineren tertiären Kanälen Ursprung geben; es
wird auf diese Weise die gesamte Lungensubstanz von Röhrchen durchdrungen, von denen
die feinsten in kleinstem Maßstab a u sg e sa ck te Wandungen besitzen. D urch bohrun g
der Wandungen setzt die ver sch ied en en R ö h r c h e n s y s tem e in Z u sam m en hang.“
M ille r 10, (1893, p. 36):
„The pipes just below the surface of the lung anastomose freely and alsosend blind-
tubes into the interior of the lung, which meet but do not communicate whit those from
the opposite side.“
Max B ae r 12, (1896, p. 36):
„Von Rainey und anderen, neuerdings auch von Hans Straßer, wird entgegen der Ansicht
von F. E. Schulze angenommen, daß auch zwischen den letzten Hohlräumen, also den
Alveolen, derselben und benachbarter Bronchien zah lre ich e offen e Kommunikationen
Zoologlca. Heft 45.