
zierter ist als bei den gesellig lebenden Insekten, so sind doch die auf die Erlangung von
Nahrung für die Na chk om menscha ft gerichteten Instinkte bei den einsam lebenden
Hymenopteren im allgemeinen viel komplizierter als bei den Hummeln und Bienen. Dies folgt
Schon allein aus der Tatsache, daß bei diesen letzteren die für die erwachsenen Tiere
bestimmte Nahrung im wesentlichen auch für die Larven dient (höchstens wird diese
Nahrung vermittels organischer Ausscheidungen bearbeitet und so ein wenig verändert);
bei den einsam lebenden Hymenopteren dagegen unterscheidet sich die Nahrung der erwachsenen
Insekten durchweg von derjenigen für die in der Entwicklung begriffene Generation
und hat mit derselben bisweilen gar nichts gemein. So kommt es, daß die erwachsenen
Individuen der einsam lebenden Hymenopteren einerseits bei der Erlangung von Nahrung
für sich selbst in der gleichen Art und Weise vorgehen, wie Bienen und Hummeln;
auß e rdem aber sind viele einsam lebenden Hymenopteren gezwungen, bei der Erlangung
von Nahrung für ihre Nachkommenschaft zu einem Verfahren von ganz speziellem Charakter
zu greifen, welches bisweilen, vom Standpunkte der die Tiere dabei leitenden Instinkte betrachtet,
ganz erstaunlich kompliziert erscheint. Es genügt wohl hier an däs von der Gattung
Astata Latr. angewandte Verfahren zu erinnern, die ihre Larven mit Hymenopteren
füttert, wobei einige Arten bei dieser Jagd ihren Stachel in den Hals des Opfers an
der Verbindungsstelle zwischen Kopf und Sternum versenken müssen; hierher gehört auch
das von den Pompilus-Arten angewandte Verfahren, von welchen die Mehrzahl ihre Jungen
mit Spinnen füttert und gezwungen ist, ihre Beute in den Mund zu treffen, d. h. an eine
Stelle, welche so gut bewaffnet und mit einem für Pompilus tödlichen Gift versehen ist.
Endlich ist noch an das Verfahren der Gattung Sphex zu erinnern, die mit ihrem
Stachel eine Reihe von Stichen in die Ganglienknoten der Nervenkette ihres Opfers ausführt,
indem sie die Beute nicht tötet, sondern nur lähmt.
Der Hinweis auf diese Tatsachen wird genügen, um uns zu der Behauptung für berechtigt
zu halten, daß die V e r fah ren , we lche die einsam leb en den Hymenopteren
a nw en d en , um für sich selbst und fü r ih r e N a ch k om m en N a h ru n g zu b e s
ch a ffen , in ihrer Gesamtheit eine Psychik repräsentieren, die nicht selten b edeu tend
k om p liz ie r te r erscheint, als die analogen Instinkte bei den sogenannten sozialen Insekten.
D. Die Instinkte, die auf die Verteidigung der Nachkommenschaft und auf die
Sich er Stellung ihrer Entwicklung gerichtet sind, bei den gesellig und bei den einsam
lebenden Insekten.
Bei den sogenannten geselligen Insekten kommen s p e z ie l le Instinkte dieser Art.
überhaupt nicht zur Beobachtung: diejenigen Verfahren, die sie zur Selbstverteidigung und
zur Verteidigung ihres Nestes anwenden, dienen gleichzeitig auch als Mittel zur Verteidigung
der Nachkommenschaft.1
Etwas ganz anderes beobachten wir bei den einsam lebenden Hymenopteren: hier ist.
die Mannigfaltigkeit und die Komplikation der auf die Sicherstellung der Entwicklung der
' Mit besonderer Deutlichkeit tr itt diese Erscheinung bei den Hummeln zu T a g e : die Selbstverteidigung der
Hummel, welche sich au f den Rücken legt und sich au f bestimmte Art und W eise mit den Beinen festhält um bequemer
stechen zu können, stellt gleichzeitig auch die am häufigsten vorkommende Form d e r Verteidigung des Nestes und der
Brut dar.
Bruti.gerichteten Instinkte außerordentlich groß. So ist z. B. bekannt, daß sogar die L a ge
des E ie s auf dei#1 B eu te oder Sieben derselben für die Entwicklung der Nachkommenschaft
eine sehr große Rolle spielen kann. Diese Gruppe von Instinkten treffen wir weder
beeiden Bienen noch bei den Meliponen an, wo das Weibchen von einer Zelle zur anderen
übergehend seine Eier ablegft ebensowenig hei den ijummelh, deren Weibchen zu diesem
Zwecke von einem Kokon zum anderen übergeht. Die ganze Mannigfaltigkeit beschränkt
S ;h hier darauf, daß da wo die Drohne».,sieh in besonderen 'Zellen entwickeln, der Instinkt
dÂΰWeibchens diesem die Möglichkeit bietet, in die einen Zellen unbefruchtete, in andere
befruchtete Eier abzulegen.
A n d Ä verhalt sich diç->Sache bei den. einsam lebenden Hymenopteren ; hier stehen
diese Handlungen mit Hner, ganzen Reihe « « » wichtiger Instinkte im Zusammenhänge.
Çjh. F e r tö n 1 teilt hierüber; Hjpndes mit:
„ ch e z les H ym é u o p ff iis îavlÿæuisæUa njise, en place de 1 o eu f sur la proie est l’un des ac tes les
p l l l im p os an ts de la v i e g ’est généialement une, des manifestations de l’instinct les mieux f ix é e s , les
moins sujettes au x variations.
Der Verfasser gibt emjfganzes Verzeichnis p ich e t instinktiver Eigentümlichkeiten bei
verschiedenen Formen.
Alle diese Tatsachen, deren Zahl ich noch durch weitere vervollständigen könnte,
bfpichtigen uns zu der Behauptung; “ daß diejenigen Instinkte, durch die nach der
Ansicht der Autoren eine hohe Entwicklung des „Familienelementes“ bei den sogenannten
^zjalen Insekten b e w » l s :Wird, H Wirklichkeit nicht nur mit einem solchen Elemente
nichts zu tun haben, sondern sogar geringer entwickelt sind, als die entsprechenden
Instinkte der einsam lebenden Hymenopteren.
Aus der Gesamtheit der in dem gegenwärtigen Kapitel dargelegten Tatsachen folgt
B daß die S o z ia l e n “ ' Insek ten , entgegen der-einstimmigen Meinung der Autoren, weder
eine hitfrentwickelte Familie, noch viel weniger einen Staat darstellen; 2) daß ihr „Zusammenleben“
vielmehr einev typfsch e Form von S ym bio se mit ch a ra k te r is t is ch
au sg e sp ro ch en en Merkmalen des P a ra s itism u s repräsentiert.
. ’ Dieser Parasitismus wird hier allerdings sehr undeutlich gemacht, nicht nur durch
den Umstand, daß Wirtstis^ und Parasiten gleichsam als Gliedemelner Familie erscheinen,
sondern auch dadurch, daß de»;Ä * n g der Frage, wer hier Wirtstier und wer Parasit ist,
gewisse Schwierigkeiten enj^fegenstehen, indem einerseits Männchen und Weibchen andererseits
aber die Arbeiterinnen Ä Wirte gelten müssen. Man wird zweifelsohne die Frage an
mich richten, SM denn solche Elemente der „GWffstthaft“ Wirte sein können, welche
ihrer Stellung.in dieser Gesellschaft nach die Rolle von A rb e ite rn , von Dienern spielen,
und zwar von Dienern, welche nicht nur „der Königin gehorsam dienen“, wie dies sogar
in Spezialwerken (z.. B. über Bienen) beschrieben wird, sondern sogar m Bezug auf
diese Königin „Zeichen höchster Ehrerbietung und Ergebenheit“ an den Tag legen.2
* So erzählt z B. D r o r y (Quelques observations), daß die Arbeiterinnen von der Gattung M ip o n » , indem sie
an ihrer Kö rfgin Vorbeigehen, sieh v o r derselben v erbeu g en, daß die Verehrung, mit welcher sie die Könige , umgeben,
Hon Rpnharhter in Erstaunen v ersetzt u. s. w. u. s. w.