
II.
Mikroskopischer Teil.
K a p i t e l 8.
Nachdem ich im ersten Abschnitt dieser Arbeit die makroskopische Darstellung des
Bronchialbaumes behandelt habe, sollen nunmehr meine Resultate bezüglich der feineren und
letzten Verzweigungen der Luftwege folgen. Dem Studium dieses Endsystems wendete ich
um so mehr das größte Interesse zu, als ich nach Durchsicht der hierüber vorhandenen
Angaben den Mangel einer abgeschlossenen Bearbeitung erkannte.
Zum Studium dieser äußerst komplizierten feinsten Hohlräume genügt es nicht, mikroskopische
Schnitte der Vogellunge in der üblichen Weise herzustellen und nach verschiedenen
Färbungen zu untersuchen. Es muß vielmehr vorerst die Injektion der Lunge mit einer geeigneten
später schnittfähigen Masse vorgenommen werden, um den Verlauf, die Weite
und das System der feinsten Luftwege für sich und im Zusammenhang mit dem umliegenden
Gewebe erforschen zu können. Nach vielfachen Versuchen wählte ich eine Methode,
die mir bei Vermeidung jedweden Druckes die Injektion der möglichst luftleer gemachten
Lunge mit blauer Gelatinemasse (gefärbt mit konzentrierter wässriger Lösung von Berliner-
Blau Ia Grübler) gestattete. Im technischen Teil zu Anfang dieser Abhandlung wurde die
Ausführung dieser erfolgreichen Injektionsart beschrieben. Zu derselben gelangte ich erst
durch eine anfangs von mir ausgeführte Injektionsweise, die des Interesses, halber kurz
erwähnt werden soll, wenn sie auch für den Nachweis des Endsystems der Bronchien
(bei sonst praller Füllung) nicht als geeignet erachtet werden kann. Es zeigte sich nämlich,
daß ein allzu starker Druck auf die Lunge ausgeübt wurde, der daselbst Zerreißungen und
die Imbibition des interstitiellen Gewebes mit .Gelatinemasse herbeiführte.
Den Vogelkörper hängte ich so unter der Luftpumpenglocke auf, daß die Trachea
vermittelst einer eingebundenen Kanüle mit einer von oben und außen nach innen führenden
Glasröhre in Verbindung stand. Durch die nebenstehende Figur 2 wird der benutzte
Apparat zur Anschauung gebracht. Ich war mit Hilfe desselben in der Lage, die, Luft
aus dem Atmungsorgan des Vogels durch das Wasserstrahlgebläse bis auf ein Vakuum von
100 mm Druck abzusaugen und dann nach Verstellung der Glasrohrhähne, Schließen
bei B und Öffnen bei C, die Injektionsmasse in den Körper einströmen zu lassen. Ich erreichte,
wie erwähnt, wohl eine pralle Füllung der Lunge, fand jedoch bei näherem Zusehen,
daß die Gelatine überall in die lockere Adventitia der Blutgefäße sowie in das interstitielle
Gewebe eingedrungen war und durch vielfache Verbindungsstränge, die auf Schnitten
sichtbar wurden, ein allseitig kommunizierendes Röhrensystem vortäuschte. Ich war fast geneigt
anzunehmen, daß rings um die Blutgefäße sowie um die Pfeifenbezirke bei Wasser-
und Landvögeln perivasculäre Lufträume vorhanden seien. Indes die ungleichmäßige Stärke
der feinsten Kanäle, das Fehlen von charakteristischen Schnittflächen längs- oder quer-
getroffener Röhrchen erweckten den Verdacht in mir, daß hier Kunstprodukte geschaffen
seien, was sich bei schärferer Vergrößerung auch bestätigte. Unzweifelhaft waren dieselben
eine Folge der mit ungewöhnlichem Druck in den fast luftleeren Körper einströmenden
Gelatinemasse. Diese Umstände veranlaßten
mich, diese Injektionsweise nach der unter
„Technik“ beschriebenen Modifikation umzugestalten.
Wenig erfolgreich waren fernerhin auch
einige Injektionen von embryonalen Vogellungen
(Eudyptes und Anser ferus), die ich der Vollständigkeit
halber noch kurz beschreiben will.
Von drei zur künstlichen Ausbrütung in
den Brutschrank (bei 39—400 Temperatur) eingelegten
Eiern von Anser ferus Naum. war
ein einziges zur Entwickelung gekommen. Am
21. Tage öffnete ich dasselbe und bereitete die
Injektion der Lunge des lebenswarmen Embryo
vor. Mit großer Mühe gelang es, eine feine
Kanüle in die äußerst zartwandige Trachea einzuführen
und in ihr zu befestigen. Aus einem
etwa 10 cm über dem Niveau des Körpers befindlichen
Irrigator ließ ich langsam mit möglichster
Vorsicht die blaue Gelatine in den
Körper eindringen. Allein dieser relativ äußerst
geringe Druck führte bereits eine Zerreißung
des abdominalen Luftsackes und der Epidermis
herbei. Nach Abstellung der Flüssigkeit wurde
die verletzte Stelle umbunden und das Tier in
toto zur raschen Abkühlung in Eiswasser überführt.
Textfigui Wasserdruckgebläse.
Die Untersuchung von Stücken der injizierten Lunge ergab, daß die Gelatine nur
bis in die Lungenpfeifen vorgedrungen war.
In gleicher Weise erfolgte auch die Füllung der Lungen zweier Pinguinembryonen,
die mir Herr Professor Dr. Chun aus seiner wertvollen Sammlung freundlichst überlassen
hatte. Diese Objekte mußten außerdem besonders für die Injektion vorbereitet werden. Sie
hatten 4 Jahre in 80 % Alkohol verweilt und waren dadurch gehärtet, ein Umstand, der für
das Gelingen einer guten Injektion von Nachteil war. Zur Verbesserung der Elastizität der
Gewebe ließ ich die Embryonen 24 Stunden im Thermostat bei einer Temperatur von 400
in Wasser quellen und nahm in oben beschriebener Weise die Füllung der Lunge vor. Das
Resultat war allerdings nicht vollkommen, aber doch besser als bei den Gänse-Embryonen.
An geeigneter Stelle wird der Befund dieser Präparate hervorgehoben werden.