
später, wenn sie sieh in größeren Mengen ansammelt und anfängt bei der Arbeit hinderlich
zu werden, führt die Hummel ein Manöver aus, welches dem bei der Reparatur des Nestes
angewandten analog ist: sie kriecht über die bereits aufgeführte Erdanhäufung hinüber und
beginnt, indem sie die Erde von dem Walle weggräbt, dieselbe immer weiter von der Ein-
F ig. 2. O von Bombus lapidarius; a — einen Gang in die
E rde grabend, b — die E rde aus dem Gange "h in au s
befördernd.
Fig- 3. a b c d e f g — Bezirk der Oberfläche, auf welchem
ein Q eine Höhle anlegte, e. T . Öffnung des Ganges.
T r . die beim Graben ausgeworfene und in einem regelmäßigen
Streifen angeordnete Erde.
gangsöffnung der Höhle fortzuwerfen; dabei
wird die Erde nicht nur nach einer Richtung
von der Höhle fortgeschleudert, sondern nach
rechts und links zerstreut, so daß sie ein breites
Band bildet (Fig. 3).
Man kann sich leicht vorstellen, welch eine Menge unproduktiver Arbeit von der
Hummel hierbei geleistet wird; und zwar wird sie aus dem Grunde geleistet, weil das Insekt
die Resultate seiner Arbeit nicht voraussieht, sondern, indem es den unerbittlichen Forderungen
seines Instinktes nachgeht, bei der Lösung seiner Aufgabe auf jene äußeren Reize
reagiert, welche mit dem Fortschreiten in deren Erfüllung zu Tage treten. Daher auch das
außerordentlich langsame Fortschreiten der Arbeit: ein jeder Bruchteil derselben wird geschafft,
umgeschafft und nochmals umgeschafft.
Vergleichen wir diese Arbeit des Hummelweibchens mit der gleichen Arbeit des
Weibchens von Trochosa singoriensis Lax., so erweist sich die Arbeit dieser Spinne, auch
abgesehen von deren für diesen Zweck besser arigepaßten Werkzeugen, als das Resultat
eines präziseren und vollständigeren Instinktes.1
Die Richtung der Höhle ist keine ganz gerade; die Ursache dieser Erscheinung ist
die gleiche wie bei den Taranteln, indem auch hier unterwegs angetroffene Stückchen
Rinde, Steinchen u. dergl. m. die Regelmäßigkeit der Arbeit beeinträchtigen.
Nicht immer überwintern die Hummeln in solchen selbständig hergerichteten Höhlen
oder Gängen. Sie benützen zu diesem Zwecke auch fertig Vorgefundene Höhlen, wobei beide
Arten von Überwinterung — in eigenen und in fremden Höhlen bei ein und derselben
Hummelart angetroffen werden.
Bombus lapidarius, dessen Weibchen ich bei der Herrichtung des Winterlagers beobachtet
habe, überwintert auch in Mäuselöchern. Auf der Fig. 4 sehen wir ein Nest, welches
mich zu dieser Annahme berechtigt und welches, wie wir gleich sehen werden, auch noch
in anderer Hinsicht Interesse verdient. Am 7. Juni fand ich im Garten eines Bauernhofes
ein Nest der genannten Hummelart, welches folgendes Aussehen hatte (Fig. 4; N = Hummelnest).
Zu dem Nest führte ein enger Gang (tu), welcher zweifellos von einem Hummelweibchen
speziell angelegt worden war. Das Flugloch (o) befand sich unweit eines Baumes.
Das Nest selbst (N)" befand sich in einer
Tiefe von etwa 35—45 cm. A und B
sind sehr geräumige Mäuselöcher; in
denselben befindet sich recht viel Stroh,
welches natürlich von den Mäusen dorthin
geschafft worden ist, da eine derartige
F ig. 4. N. das Hummelnest; tu. schmaler, von der Hummel
Last die Kräfte einer Hummel unbedingt
angelegter G a n g ; o. das direkt an der glatten Erdoberfläche
übersteigt. -Ipie Anordnung des Strohs
mündende F luglo ch ; A u. B Gänge des Mäusenestes, mit
Stroh angefüllt.
wies zweifellos darauf hin, daß hier ein
Nest oder Nester von Mäusen angelegt worden waren; hier fand sich ein wahres Labyrinth
von Höhlungen. In diesen Höhlen nun hatten Weibchen von B. lapidarius überwintert;
da jedoch diese Höhlen nicht tief genug unter die Erdoberfläche reichten, obgleich der
zu ihnen führende Gang recht lang war, so waren die Weibchen, welche sich hierher zurückgezogen
hatten, der Winterkälte zum Opfer gefallen. Solcher schon vor langer Zeit zu
Grunde gegangener Weibchen fand ich drei dicht nebeneinander liegend. Alle waren in
gleichem Maße durch die Einwirkung der Zeit zerstört. Ein anderes Weibchen von Bombus
lapidarius fand ich in diesen Gängen tot aber noch frisch an. Man kann annehmen, daß
dieses Weibchen sich in diese Gänge zu demselben Zwecke verkrochen hatte, wie jenes
Weibchen, welches die Besitzerin des von mir gefundenen Nestes war. Ist diese Voraussetzung
richtig, so haben wir einen Fall vor uns, wo Weibchen einer Art an einem Orte
zu mehreren Individuen zusammen überwintern. Es ist dies durchaus nichts Wunderbares,
indem erstens mehrere, bisweilen selbst recht viele erwachsene Weibchen ein und desselben
Nestes überwintern und alle ihren Zufluchtsort in demselben Rayon suchen, so daß in einem
geeigneten Lager unbedingt untereinander verwandte Individuen angetroffen werden können;
zweitens sind die jungen Weibchen im Herbste sehr duldsam gegen die Anwesenheit anderer
Weibchen, noch dazu solcher aus dem eigenen Neste, und überfallen einander in dieser
Jahreszeit nicht.
Der Zeitpunkt des Erwachens tritt, wie auch die Zeit des Überwinterns nicht immer
gleichzeitig ein und ist nicht übereinstimmend bei -allen Arten.
An dieser Stelle will ich noch auf einen Instinkt der Q 9 Hummeln hinweisen, welcher
bei den übrigen Kasten dieser Insekten noch nicht beobachtet worden ist.
Wenn 9 und cf Hummeln außerhalb des Nestes nächtigen, was sowohl im Sommer
wie im Herbste ziemlich häufig der Fall ist, so suchen sie niemals einen Schlupfwinkel
in der Erde. Fast immer wählen sie zu diesem Zwecke eine Blüte oder einen Blütenstand,
worauf sie übernachten, nachdem sie einen möglichst versteckten Platz eingenommen
haben. Bisweilen sieht man mehrere Hummeln, namentlich Männchen, nebeneinander auf
einer Blüte sitzen. Im Frühjahre übernachten die Weibchen, wenn sie auf der Suche nach
einem Platze für das anzulegende Nest begriffen sind, in der Erde, indem sie zu diesem
Zwecke neben einem Gebüsch oder Baumstumpfe gelegene Mäuselöcher aufsuchen.