
führungsgänge ausfüllende gleichmäßige Fettcylinder, ganz wie sie Unna beschrieben hatte. Die
chemische Beschaffenheit des Fettes der Schweißdrüsen ist nach Ledermann noch unbekannt. Wahrscheinlich
besteht das in dem Schweiße enthaltene Fett aber aus Oleinsäure, vielleicht unter Beimischung
von Cholestearin, das ja stets im Schweiße gefunden wird, im Gegensätze zu dem Hauttalge,
in dem die festeren Fette überwiegen. Mir scheint diese Arbeit von Leder mann recht beweiskräftig
zu sein, namentlich in Verbindung mit der vorhergehenden von Sata. Brinkmann (1911a) hat allerdings
auch diese Ergebnisse nicht als genügend sicher betrachtet, da durch das Pilokarpin eine nicht
ganz normale Schweißsekretion erzeugt worden sei, bei der sich auch die Ausscheidung des Fettes
anders verhalten könne, als unter normalen Verhältnissen. Mir scheint dieser Skeptizismus nicht
berechtigt zu sein; wir wissen einerseits, daß die Schweißdrüsen des Handtellers und der Fußsohle
ein Sekret absondem, das Fett enthält, auch ohne daß sie irgendwie besonders gereizt sind, denn
der Schweiß des Handtellers und der Fußsohle is t fetthaltig, darüber kann kein Zweifel bestehen.
Wenn das Fett dieses Schweißes wirklich aus den verhornten Epithelzellen herstammen sollte, dann
dürfte es nur in dem Abschnitte des Ausführungsganges nachweisbar sein, der die Hornschicht durchbohrt,
das ist aber nicht der Fall. Wir wissen weiter, daß der Pilokarpinschweiß sich dadurch auszeichnet,
daß er besonders viel Wasser enthält, aber in keiner Weise dadurch, daß er besonders fetthaltig
ist. Wenn wir also nach Pilokarpinreizung die Ausführungsgänge der Drüsen mit Fett erfüllt
finden, so kann das nicht als eine spezifische Einwirkung des Pilokarpins angesehen werden, das
befähigt wäre, aus einer für gewöhnlich k ein Fett sezemierenden Drüse eine fe tt s e z e r n ie r e n d e herauszubilden,
sondern höchstens darauf, daß die durch das Pilokarpin gereizte Drüse neben einer weit
größeren Menge von Wasser auch etwas mehr Fett absondert als gewöhnlich. Das würde dann aber
nur ein Beweis dafür sein, daß eine Fettabsonderung auch unter gewöhnlichen Umständen statf§|
findet. Wie weit die große Wassermenge des Pilokarpinschweißes wirklich durch die Schweißdrüsen
selbst abgesondert wird, oder wie weit sie infolge einer Erweiterung der Blutgefäße der Haut durch
den erhöhten Saftstrom im Epithel in dem epithelialen Abschnitt des Ausführungsganges eintritt,
ist ja nach Unna noch durchaus zweifelhaft, und ich habe mich oben bei meinen morphologischen
Betrachtungen den Bedenken von Unna nicht verschlossen. Nehmen wir nun an, es sei so, daß der
epitheliale Saftstrom in den Ausführungsgang der Drüse Übertritt, daß also die Hauptwassermenge
auf diesem Wege dem eigentlichen Drüsensekrete beigemischt wird, und nehmen wir weiter an, daß
das Pilokarpin als Beiz auf die Schweißdrüse einwirke und gleichzeitig eine Hyperämie der Haut erzeuge,
was beides als sicher anzunehmen sein dürfte, so sind die Befunde von Ledermann durchaus
verständlich, ja sie werden durch eine solche Annahme sogar e rst wirklich v e r s tä n d lic h , denn
wenn die Schweißdrüsen selbst diese reichliche Wassermenge sezemieren würden, dann würden die
großen Fettmengen in den Ausführungsgängen und die zusammenhängenden Fettcylinder gar nicht
zu erklären sein, das Fett hätte durch die große Wassermenge längst herausgespült sein müssen und
höchstens in einigen Tröpfchen noch erhalten geblieben sein können. Die Befunde von Ledermann
scheinen mir also durchaus dafür zu sprechen, daß in der Tat Teile des Saftstromes aus dem Epithel
in den epithelialen Abschnitt des Ausführungsganges der e-Drüsen übertreten können, und daß die
reichlichen wässerigen Absonderungen bei dem Pilokarpinschweiße im wesentlichen hierauf beruhen.
Auch Römer (1898) hat für Omithorhynchus angenommen, daß die großen Schweißdrüsen an
der haarlosen Schnauze dieses Tieres die Aufgabe haben, den Schnabel mittels eines fettigen oder
öligen Sekretes einzuölen und gegen die Aufnahme von Wasser zu schützen. Die Drüsen verloren
damit nach ihm die Bedeutung eines Wärmeregulierungsapparates und erhielten eine neue Funktion.
Nach meinen jetzigen Erfahrungen würde ich allerdings der Ansicht sein, daß diese a-Drüsen die
Funktion der Wärmeregulierung nie besessen haben werden. Römer führt als analoge Beispiele von
höheren Säugetieren an, daß den Batten und Mäusen Schweißdrüsen im behaarten Felle gänzlich
fehlen, nur an ihren Sohlenballen finde man tubulöse Drüsen, die wie Schweißdrüsen aussehen. Es
ist nach ihm wohl mit Sicherheit anzunehmen, daß die Drüsen hier auch nicht mehr die Bedeutung
von Wärmeregulatoren haben. Sie liefern wahrscheinlich den Ballen der Füße den nötigen fettigen
Überzug, verleihen ihnen dadurch Geschmeidigkeit und schützen sie vor Feuchtigkeit. Die an den
Sohlen der Batten und Mäuse liegenden Drüsen werden wohl sicher als e-Drüsen anzusehen sein,
gerade so wie bei Katze, Hund und Mensch, ich selbst habe sie nicht untersucht; die Drüsen an
dem Schnabel von Omithorhynchus aber sind wohl sicher als a-Drüsen anzusehen, denn Römer nimmt
an, daß die kolbigen Epithelzapfen, durch welche ihre Ausführungsgänge verlaufen, als Beste ehemaliger
Haare anzusehen sind, in deren Follikeln die Drüsen ausmündeten, was sehr wohl möglich
ist. Es würde hieraus folgen, daß die Fähigkeit, Fett abzusondern sowohl den a-Drüsen wie den
e-Drüsen zukommt. Ich will hier gleich bemerken, daß mehrfach gerade den a-Drüsen eine stärkere
Fettsekretion als den e-Drüsen zugeschrieben worden ist, so von Joseph (1891), welcher in dieser
Hinsicht einen Unterschied macht zwischen den gewöhnlichen kleinen Schweißdrüsen einerseits und
den Aehseldrüsen und Ohrenschmalzdrüsen andererseits. Er bemerkt dazu allerdings weiter, daß
hier noch eine Vermutung in Erwägung zu ziehen wäre, welche Benda ihm gegenüber ausgesprochen
hat, daß die genannten Drüsen nämlich nur den Geruchsstoff des Schweißes in der Achsel bzw. den
Farbstoff des Ohrenschmalzes in dem Gehörgange absondern. Benda (1894) selbst hat sich von einer
Fettabsonderung der Schweißdrüsen nicht überzeugen können.
Unna hat in neuerer Zeit noch auf eine andere Weise das Fett auf der menschlichen Haut
nachgewiesen. Im Jahre 1910 machte er zusammen mit Golodetz eine Mitteilung über die Oxydation
des Chrysarobins auf der menschlichen Haut. Es ließ sich nachweisen, daß diese Oxydation zustande
kommt durch das Vorhandensein von Ölsäure auf der Haut. Diese stammt in der Hohlhand und
der Fußsohle lediglich her von den Ölsäuretröpfchen der Knäueldrüsen, welche eine oxydierende
Wirkung besitzen. An anderen Körperstellen, besonders im Gesichte, stammt die Ölsäure aus den
Knäueldrüsen und Talgdrüsen. Die durch Beduktion von Osmiumsäure und durch Oxydation von
Bongalitweiß auf Hautschnitten entstehenden ölsäurebilder stimmen völlig überein. Da sowohl in
Hohlhand und Fußsohle wie im Gesichte nur e-Drüsen vorhanden sind, so würden diese also wieder
für die Fettabsonderung verantwortlich zu machen sein.
Endlich haben Nicolas, Regaud und Favre (1912) Mitteilungen über Untersuchungen der Schweißdrüsen
verschiedener gesunder Hautstückchen des erwachsenen Menschen aus der Fingerkuppe, Achselhöhle,
dem Scrotum und der Nase gemacht. In den Drüsen aller dieser Gegenden entstehen nach
ihnen die Sekretionsprodukte wahrscheinlich durch Umwandlung von Mitochondrien in Sekretgranula
und Fettröpfchen. Unter den Mitochondriakörnchen finden sich einige, die größer sind und blasenartig
erscheinen, ihr Zentrum ist farblos. Diese bläschenförmigen Mitochondriabildungen sind nach den
Verfassern in Beziehung zu setzen zu der Bildung von Fettröpfchen, die man ja schon seit langer
Zeit in sehr verschieden großer Menge in den Schweißdrüsen kennt. Für diese Deutung spricht das
folgende: Es fanden sich mitunter große Bläschen, deren farbloses Zentrum von einem dünnen,
schwarz gefärbten Binge umgeben war. Diese Bildungen sind sicher Fetteinschlüsse, die im Wachsen
begriffen sind; sie stellen wahrscheinlich ein weiter vorgeschrittenes Stadium der bläschenförmigen
Mitochondrien dar. Diese Fetteinschlüsse in den Schweißdrüsenzellen wechseln sehr nach der unter-
Zoologica. Heft 72. 1 3