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Liddrüsen sagt, dann kann man doch wirklich nicht behaupten, daß er damit diese Drüsen beschrieben
hätte. Erst in der 6. Auflage seines „Handbuches der Gewebelehre“ (1889) bildet Koelliker auf
einem Liddurchschnitte in Fig. 192, S. 251, eine solche Drüse bei ganz schwacher Vergrößerung ab
und gibt auf S. 250 eine kurze Beschreibung:
„Die Augenlider besitzen am Ciliar-Rande einfache Knäueldrüsen fAfoZZsche Drüsen), die als eine Varietät der typischen
Drüsen anzusehen sind und durch die spärlichen Windungen des absondernden Drüsenganges und die bedeutende Weite
desselben sich auszeichnen Die am Orbicularis liegende Drüse ist stets kleiner und enger als die anderen und gleicht
in dieser Beziehung mehr den gewöhnlichen Drüsen. Die Ausführungsgänge dieser Drüsen münden entweder für sich oder
in die Haarbälge (Fig. 192) selbst zu dreien beisammen (Fig. 186).“
Diese letzte Figur ist dann wieder die oben erwähnte Fig. 38. Nach dem eben Gesagten scheint
es mir nun doch, daß es ganz richtig ist, wenn man diese Drüsen als „AfoZZsche Drüsen“ bezeichnet,
Koelliker selbst hat ja diese Bezeichnung auch gebraucht, ohne eine Einwendung gegen sie zu machen.
Von diesen Drüsen gibt nun Waldeyer (1874) S. 238 an:
„Der Ausführungsgang mündet nach außen stets in eine Talgdrüse und geht nach innen direkt in einen sehr weiten
wenig gewundenen länglichen Endgang über, der ebenfalls sehr weit erscheint und auf Durchschnitten Bilder wie von
runden Blasen gibt.“
Auch auf der Abbildung des Liddurchschnittes (S. 234) zeichnet Waldeyer eine solche Drüse
und gibt in der Figurenerklärung an „Modifizierte Schweißdrüse in eine Talgdrüse mündend“. Nach
dieser Abbildung könnte aber, wie mir scheint, der Ausführungsgang der AfoZZschen Drüse auch an
der Talgdrüse Vorbeigehen und in den äußersten Teil des Haarbalges dicht vor dessen Ausmündung,
einmünden. Diese Verhältnisse mögen ja nun auf dem Präparate deutlicher gewesen sein, als auf
der Zeichnung, und wenn Waldeyer angibt, daß der Ausführungsgang s t e t s in eine Talgdrüse einmündet,
dann wird er das ja voraussichtlich auch des öfteren gesehen haben. Auch Rabl (1902)
gibt an, daß an den AfoZZschen Drüsen der Gang regelmäßig in den Haarbalg einmündet, häufig in
der Weise, daß er sich zuvor mit dem Ausführungsgange der kleinen Talgdrüse der Cilien vereinigt.
Also auch dieser Beobachter muß eine solche Beziehung zwischen den beiden Drüsen gesehen haben.
Ich habe nun 1906 in einem Vortrage über besondere Drüsen Verhältnisse in einem menschlichen
Augenlide, bei denen es sich aber hauptsächlich um die Meibomschen Drüsen handelte, und in Beziehung
auf eine damals eben erschienene Arbeit von Wagener (1906) mich in folgender Weise ausgesprochen
(S. 41):
„Was die bekannte Erscheinung anlangt, daß die Mollsehen Drüsen in die Talgdrüsen der Cilien selbst oder wenigstens
in die Haarbälge einmünden, so macht der Vortragende auf eine neuere Arbeit von Wagener aufmerksam, welche
vielleicht zum Verständnisse dieser Erscheinung beitragen könnte. Wagener, . . . . macht in seiner Mitteilung darauf aufmerksam,
daß die Ceruminaldrüsen nicht das Cerumen produzieren. In ihnen ist zwar etwas Fett enthalten, und zwar
gebunden an die Pigmentkörnchen; es läßt sich aber im Drüsenlumen kein'Fett nachweisen. Das Cerumen wird produziert
von den Talgdrüsen des Gehörganges. Die Funktion der Ceruminaldrüsen ist die, das Cerumen fortzuschaffen, da sich
dieses leicht mit der von den Ceruminaldrüsen abgesonderten wässerigen Flüssigkeit mischt. Die Pigmente der Ceruminaldrüsen
werden nicht ausgeschieden; sie sind morphologisch und chemisch verschieden von den gelben und braunen Kristallen
im Cerumen selbst, die sich durch Zersetzung des Fettes bilden. Die Mollsehen Drüsen stimmen in ihrem Baue mit den
Ceruminaldrüsen im wesentlichen überein. Auch in ihnen läßt sich Fett nur in wenigen kleinen Tröpfchen in den Zellen
nachweisen (Osmium). Ihr Sekret würde also, wie das der Ceruminaldrüsen, sehr geeignet sein, das Sekret der Talgdrüsen
der Cilien zu lösen und so eine leichtere Fortbewegung dieses dickflüssigen Sekretes zu bewirken. Nun würde man freilich
fragen können, warum ein solches Hilfsmittel hier nötig ist, während es bei den sonstigen zahlreichen Talgdrüsen der Körperoberfläche
nicht nötig ist? Wir finden eben sonst auch überall an den Haaren einen Haarbalgmuskel angebracht, der,
gerade an der Talgdrüse vorbeiziehend, das Sekret dieser mit auszupressen vermag, während am Lide, ebenso wie auch
im Gehörgange, solche Muskeln fehlen. Die von dem Orbicularis palpebrarum sich abzweigenden Muskelzüge verlaufen
ebenfalls nicht derartig, daß sie auf die Talgdrüsen einzuwirken vermögen. So finden wir denn am Lide und dem äußeren
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Gehörgange eine anderes Hilfsmittel angewendet: bestimmte Drüsen, deren Sekret zur Verflüssigung des Talgdrüsensekretes
dient. Es würde hieraus weiter folgen, daß das Sekret der Meibomschen Drüsen eine andere Beschaffenheit besitzen muß,
als das der Talgdrüsen. Ihrem Baue nach entspricht die Meibomsche Drüse den Talgdrüsen ja durchaus, trotzdem muß
ein Unterschied vorhanden sein, der bewirkt, daß das Sekret ein wesentlich dünnflüssigeres ist als das der Talgdrüsen.“
Ich ging dann weiterhin noch näher auf die Lage der Meibomschen Drüsen ein. Und sagte
dann noch (S. 42):
„Wenn schon die kleinen Talgdrüsen der Cilien die Hilfe der AfoZZschen Drüsen nötig haben, so würden wir für die
Meibomschen Drüsen ganz gewaltiger Hilfsdrüsen-bedürfen, wenn das Sekret ähnlich dickflüssig wäre.“
Ich habe diese Stelle hier ausführlich angeführt, da ich sie auch später noch bei der Besprechung
der Funktion der Drüsen brauchen werde. Ich möchte hier weiter bemerken, daß ich s e lb st
damals e in e E inmü ndu ng einer AfoZZschen Drüse in e in e T algdrüse n ich t gesehen habe,
da aber das Vorkommen dieser Einmündung von guten Beobachtern angegeben war, so habe ich
es als Tatsache angenommen und mich daher, wie oben angegeben, ausgedrückt. Virchow freilich
sagt (S. 396):
„Aber eine Einmündung in eine Talgdrüse kommt niemals vor. Wohl kann man verstehen aus einer
genaueren Kenntnis zahlreicher Präparate, wie ein solcher Irrtum bei der Verwendung von nicht genügend dünnen, insbesondere
von senkrechten Schnitten sich büden konnte. Es läuft nämlich der Ausführungsgang einer Schweißdrüse häufig
hart an einer Talgdrüse entlang bzw. zwischen den Läppchen einer solchen hindurch, und es kann wohl Vorkommen, daß,
wenn auf einem senkrechten Schnitt die Fortsetzung eines Schweißdrüsenganges weggeschnitten ist, der Anschein erweckt
wird, als wenn er an der Talgdrüse auf höre bzw. in dieser münde. Die Verfolgung der Gänge auf Querschnittserien zeigt
jedoch vollständig klar, daß die Mündung stets im Cilienbalge liegt. Da nun, wie geschildert, das Endstück des
Drüsenganges noch eine Strecke weit in der Epidermis des Cilienbalges verläuft, so liegt die eigentliche Mündung in das
Lumen des letzteren verhältnismäßig weit marginal, ja sie kann sogar, wie erwähnt, unmittelbar an der freien Oberfläche
oder selbst auf dieser getroffen werden.“
In bezug auf meine oben angeführte Deutung der Wirkung der AfoZZschen Drüsen fährt Virchow
dann fort (S. 397):
„Man könnte hiernach also eigentlich wohl nur an eine Ausspülung der Mündung des Cilienbalges denken. Doch
ist immer auch noch in Betracht zu ziehen, daß ein großer Teil der Cilienbälge der Schweißdrüsen überhaupt
entbehrt.“
Die beiden hier von mir gegebenen Abbildungen der Ausmündung der AfoZZschen Drüsen auf
Taf. I Fig. 4 und 5 zeigen Verhältnisse, die der Beschreibung von Virchow entsprechen. Die Art
der Drüsenausmündung stimmt durchaus überein mit der sonst von den a-Drüsen her bekannten.
Nun sind die Talgdrüsen bei den Cilien auch nach meiner Beobachtung sehr klein und sitzen vielfach
mehr oder weniger deutlich gestielt den Haarbälgen auf, wie das auch schon sonst angegeben worden
ist. Es ist infolgedessen verhältnismäßig schwer, eine Einmündung einer AfoZZschen Drüse in den
Talgdrüsengang anzunehmeii, wenn sie nicht wirklich vorhanden ist. Ich möchte es daher vorläufig
dahingestellt sein lassen, ob die so scharfe Angabe von Virchow, daß eine Einmündung in eine
Talgdrüse niemals vorkomme, wirklich richtig ist. Bekanntlich huldigt man sonst auch in der Histologie
dem Satze, daß eine negative Beobachtung niemals eine positive beseitigen kann. Auch die
hier behandelte Frage müßte also wohl erst' durch weitere Untersuchungen geklärt werden.
Auf Seite 383 gibt Virchow übrigens bei der Besprechung der Stelle der Ausmündung der AfoZZschen
Drüsen an, daß diese Ausmündung sich auch auf der freien Oberfläche neben der Mündung
des Cilienbalges vorfand. Eine AfoZZsche Drüse kann danach auch frei auf dem Lidrande ausmünden.
Solche Fälle seien aber nur sehr selten. Auch diese Angabe würde durchaus übereinstimmen mit
dem, was ich oben schon im allgemeinen von der Ausmündung der a-Drüsen gesagt habe.