
hafter Größe, welche wohl als richtige „Dickhäuter“ auf tra ten , erschienen waren, da stellten sich,
zuerst im Oligocän, -die Säbeltiger ein, deren mächtige säbelartige Eckzähne die richtigen Waffen
waren, jenen Ungeheuern tro tz ihrer dicken H a u t den Todesstoß zu geben. Welch großer Erfolg
die Ausbildung dieser Waffen war, zeigt die weltweite Verbreitung, welche die Säbeltiger bald erreichten,
und der Umstand, daß sie fa st überall noch während des Pleistocän zu finden waren. In
Amerika jagten sie wohl auch die großen Edentata.
Wie die Raubtiere Hand in Hand mit der Weiterentwicklung der Pflanzenfresser ihre Fähigkeiten
vervollkommneten, sie zu fangen und zu bewältigen, so vervollkommneten sie auch ihre
Fähigkeit, die erlegte Beute zu zerstückeln und als Nahrung aufzunehmen. Die alte Weise, mit
Fangzähnen, großen Prämolaren und Krallen die Beute in Stücke zu reißen, wurde wohl noch von
den ältesten Creodonta, den Oxyclaenidae ausgeübt; sie war aber nicht mehr leistungsfähig genug
gegenüber einem wirklich großen Beutestück, welches auf diese Weise nicht genügend ausgenützt
werden konnte. Es handelte sich darum, ein Gebiß zu erwerben, welches das fest zusammenhängende
Knochengerüst eines verhältnismäßig großen Beutetieres zu zerlegen vermochte.
So läß t sich zunächst das Auftreten der verhältnismäßig riesigen Mesonychidae mit ihren
grotesk großen Köpfen verstehen, welche Backzähne mit sehr kräftigen runden Höckern besaßen,
oft von ungewöhnlicher Dicke, wie sie bei Hyänen b ekannt sind. Die Molaren waren rein trigonal
und deuten auf ausschließliche Fleischnahrung. Dies waren die richtigen Knochenbrecher, deren
Zähne stärkere Knochen zermalmen konnten, sich dabei aber auch entsprechend stark abnutzten.
Sie konnten auch mit einem verhältnismäßig großen Beutestück fertig werden. Es is t nicht nötig,
anzunehmen, daß diese gewaltigen Raubtiere hauptsächlich Aasfresser gewesen seien. An Pflanzenkost
ist aber bei ihrem Gebiß auf keinen Fall zu denken.
Gerade die Mesonychidae waren es, die es versuchten, an Körpergröße mit den Huftieren ihrer
Zeit zu rivalisieren. Dissacus und Pachyaena aus dem Paleocän u nd dem u nteren Eocän war dies auch
noch annähernd gelungen, selbst gegenüber den Amblypoda, den größten Huftieren ihrer Zeit. Aber
die größte A rt in Nordamerika, Harpagolestes immanis aus dem oberen Eocän (Uinta), deren Schädel
die Länge von einem halben Meter erreichen konnte, blieb an Größe um ein Bedeutendes hinter den
gleichzeitigen Dinocerata zurück. Mit dem Ende des Eocän sind diese Mesonychidae aber verschwunden.
Die anderen fleischfressenden Creodonta aber, von bescheidenerer Körpergröße, lösten die Aufgabe,
die sich ihnen stellte, in einer anderen Weise, welche für die ganze Weiterentwicklung der
Raubtiere entscheidend w ar. Im unteren Eocän erscheinen bei einer größeren Anzahl von Creodonta
trigonale hintere Backzähne in der charakteristischen Form von sekodonten Reißzähnen, wie sie bei
den fleischfressenden Raubtieren der Jetz tz e it bekannt sind (R in Fig. 1 und 8, S. 6). Diese Zähne,
bei welchen die beiden Außenhöcker miteinander eine scharfe Schneide bilden, wirken beim Beißen
als kräftige Knochenscheren, mit denen Stück für Stück von der erlegten Beute abgezwickt oder
abgeschnitten werden kann.
Welch treffliche Errungenschaft das war, zeigt sich darin, daß schon vom mittleren Eocän
ab mit Ausnahme von wenigen großen Mesonychidae keine Creodonten mehr lebten, die nicht mit
solchen Reißzähnen ausgerüstet waren. Mit diesen Reißzähnen waren die typischen Carnivora
oder Fleischfresser, d. h. Säugetierfresser in die Erdgeschichte eingetreten.
Das Auftreten von echten Reißzähnen bei Raubtieren ist nur erklärlich unter der Voraussetzung,
daß verhältnismäßig große Beutetiere damit zerlegt werden sollen. Zum Zerlegen kleinerer
Tiere wären sie nicht notwendig gewesen. Sie fehlen auch noch zu den Zeiten, da die Creodonten
unter den Säugern, unter denen sie ihre Opfer zu wählen hatten, nur solche nahmen, welchen sie
an Größe bedeutend überlegen waren.
Solange die Beutetiere nur von mäßiger Größe waren, war es die Aufgabe der oft s tark vergrößerten
Prämolaren, die Beute in einzelne Bissen zu zerlegen, während die trigonalen hinteren
Backzähne nur das Zerkauen der Bissen übernahmen. Als die Beutetiere aber größer wurden, forderte
das Zerteilen von deren Knochen einen bedeutenderen Kraftaufwand. Dieser Aufgabe waren
die weiter vom Gelenke, dem D rehpunkt des vom Unterkiefer dargestellten Hebels, entfernten P rä molaren
nicht mehr gewachsen. Da übernahmen weiter hinten, dem Gelenke näher stehende Zähne, •*
welche einen stärkeren Druck ausüben konnten, die Aufgabe des Zerlegens und bildeten sich zu
sekodonten Knochenscheren aus. Daneben h a tten sie aber auch noch ihrer ursprünglichen Aufgabe
zu genügen, als bunodonte Kauzähne zu wirken.
Dieser doppelten Aufgabe konnte nun in der Weise genügt werden, daß an jedem der trigonalen
hinteren Backzähne die beiden Außenhöcker sekodont wurden, um die Schere zu bilden (Fig. 24,
S. 48); es waren dann immer noch die anderen Zahnteile übrig, besonders die Innenhöcker (i)
und das Talonid (ta), welche bunodont blieben und das Zerkauen besorgen konnten. Diesen Weg
schlugen in der T a t die beiden Familien der Oxyaenidae und Hyaenodontidae ein. Die reißzahnartige
Ausbildung erstreckte sich bei ihnen auf die sämtlichen hinteren Backzähne, soweit sie nicht schon
verkümmert waren. Jeder Kauzahn diente zugleich als Reißzahn.
Daß es aber zur Herstellung einer durchaus wirkungsvollen Knochenschere auch schon genügte,
wenn nur ein einziger Zahn in jeder Zahnreihe,_ und zwar einer der mittleren Backzähne (oben
der letzte Prämolar, unten der erste Molar) die sekodonte Umbildung zum Reißzahn erwürbe, das
erwies sich an der Familie der Miacidae. Nur m ußte dieser Zahn eine entsprechende Größe erreichen,
so daß er der mächtigste Zahn im Gebiß wurde. Dabei blieben die noch hinter ihm stehenden Zähne
in ihrem ganzen Umfange als bunodonte Kauzähne erhalten. Die vor ihm stehenden sekodonten
Prämolaren, die bisher als Schere gedient hatten, blieben kleiner und dienten nur noch zur Unterstützung
des eigentlichen Reißzahnes.
Es war entschieden die glücklichste Lösung der Frage. Das zeigte der Erfolg. Denn als die
Oligocänzeit anbrach, war von allen Creodontengeschlechtern nichts weiter übrig gebheben als
einige wenige Hyaenodontidae, welche aber ebenfalls bald ausstarben. Die zahlreich vorhandenen
fleischfressenden Raubtiere aber, welche als Fissipedia von da an die Erde bevölkerten, erwiesen
sich sämtlich als die zum Teil nur wenig abgeänderten Nachkommen von Miacidae, deren Gebiß
die ursprünglichsten der Fissipedia, die Canidae und Viverridae, fast unverändert übernommen haben.
Als auffallendstes Erbteil von Seiten der Miaeidae ist allen fleischfressenden Fissipedia der einzige
große Reißzahn geblieben (Fig. 1—4 u. 8, S. 6).
Die sekodonten Raubtiere waren in ihren ursprünglicheren Formen sämtlich befähigt,
die einzelnen Bissen zwischen ihren hinteren Backzähnen zu zerkauen. Diesem Zwecke dienten
die ursprünglich wohlentwickelten Innenhöcker (i, Fig. 24) der oberen und unteren, sowie
das Talonid (ta) der unteren Backzähne, außerdem die bunodonten hinteren Backzähne der
Miacidae und Fissipedia (Fig. 1 u. 8, S. 6). Es sind dieselben Zähne und Zahnteile, die
auch bei einer Umbildung eines camivoren in ein omnivores Gebiß bei den Fissipedia in
Betracht kommen.