
Bei C e rcopithecu s c a llitr ic h u s fand ich in der Haut der Hohlhand und der Fußsohle nur
e-Drüsen, wie das zu erwarten war, aber ebenso auch nur e-Drüsen in der Haut des Scheitels und
der äußeren Fläche des Oberschenkels. In der Haut der Parotidengegend fanden sich sowohl a-Drüsen
wie e-Drüsen und in der Haut des Nackens ebenfalls beide Drüsen arten, aber die ä-Drüsen überwogen
hier deutlich über die e-Drüsen. Die a-Drüsen mündeten hier wieder stets in Haarbälgen aus. Auf
Taf. VIII Fig. 73 habe ich ein Beispiel gegeben von a- und e-Drüsen aus der Nackenhäut, die an dieser
Stelle dicht zusammenlagen. Man erkennt wieder leicht die größeren Schlauchdrüsendurchschnitte
der a-Drüse mit ihrer rötlichen Färbung gegenüber den weit kleineren und mehr bläulichen Schläuchen
der e-Drüse. Auf Fig. 74, aus derselben Hautstelle herrührend, sieht man dann einen Schlauchdurchschnitt
einer a-Drüse, in welchem die Zellen gerade im Auswachsen zu den Auswuchsformen begriffen
sind und außerdem je eine Anzahl von Kernen enthalten, die durch direkte Teilung entstanden sind.
Ein Teil von diesen würde bei der Abstoßung der Auswüchse mit in das Lumen entleert werden. Ich
habe oben schon dieses Verhalten besprochen und auf dieses Bild hingewiesen.
Bei C e rcopithecu s sabaeus var. g r ise o -v ir id is fanden sich in Hohlhand und Scheitelhaut
wieder nur e-Drüsen, in der Parotidengegend überwiegend e-Drüsen, aber hin und wieder auch
eine a-Drüse, im Nacken etwa ebensoviel a-Drüsen wie e-Drüsen. Nach diesen Befunden zu schließen,
scheint Cercopithecus sabaeus im ganzen etwas weniger a-Drüsen zu besitzen als Cercopithecus callitrichus,
aber um dies festzustellen, müßten noch weit mehr Hautstellen daraufhin untersucht werden.
Bei Cynocephalu s mormon fanden sich in der Hohlhand nur e-Drüsen, in der Haut der
Schulter, der Seite der Nase, der Schläfe, des Rückens fanden sich a- und e-Drüsen, in der äußeren
Haut der Unterlippe nur a-Drüsen.
Ich kann diese hier gemachten Mitteilungen nur als vorläufige bezeichnen, da ich damit beschäftigt
bin, diese Untersuchungen in möglichst ausgedehntem Maße fortzusetzen. Ich habe die
bisherigen Befunde indessen hier schon herangezogen, weil sie im Vergleiche mit dem Menschen und
den sonstigen Säugetieren doch manches Wichtige erkennen lassen. Zunächst geht aus ihnen hervor,
daß d ie se Ostäffen bisher die e in z ig en mir b ek an n ten S ä u g e tie r e sind (bei den Anthropoiden
kennt man die Verhältnisse noch nicht genügend), bei denen e-D rüsen zw ischen den
Haaren und neben den in d ie se ausmündenden a-Drüsen über größere A b s ch n itte
des Körpers hin v e rb r e it e t sind. Ja noch mehr: an v e rsch ied en en T eilen der K ö rp e r ob
e r flä ch e feh len so g a r die a-Drüsen tr o tz der Beh aaru ng ganz und nur e-Drüsen
tr e ten zw ischen den Haaren auf. Das is t im G eg en sä tze zu den übrigen S äu g etier en
e tw a s durchaus Neues und E ig en a r tig e s und b r in g t d ie s e Affen in sehr nah e V e r bin
dun g m it dem Menschen. Nun wissen wir ja aus sonstigen Untersuchungen der letzten Zeit
gerade, so z. B. aus der großen Arbeit von Boule über den Neandertalmenschen, so aus der Arbeit
von Schwalbe über das äußere Ohr der Primaten (Zeitschr. f. Morphol. und Anthropol. Bd. 19, 1916,
H. 3, S. 545—668), daß die Ostaffen auch nach anderen Richtungen hin dem Menschenstamme verhältnismäßig
nähe stehen. Cynocephalus scheint noch mehr a-Drüsen zu besitzen als die beiden
Cercopitheken, vielleicht könnte man hieraus auf eine tiefere Stellung schließen. Zunächst müßten
jedenfalls die Untersuchungen an Affen in ausgedehntem Maße fortgesetzt werden und dann müßte
man weiter versuchen, Tie re zu fin d en , bei denen die V e rb re itu n g der beiden D rü sen arten
darauf h in d e u te t, daß sie als e v e n tu e lle Vorfahren (n atürlich n ic h t direkte)
der A ffen angeseh en werden kön n ten . Zunächst würden da die H a lb a ffen in Frage kommen,
dann aber würde es darauf ankommen, wieder die diesen am n ä ch s ten v e rw an d ten Tiere zu
finden. Ich bin zurzeit mit derartigen Untersuchungen beschäftigt, die aber natürlich längere Zeit
in Anspruch nehmen und ein günstiges Material voraussetzen. Nach dem bisher Gesagten wird man
es verstehen|fg- ich verweise hier z. B. auf den scharfen Unterschied in der Verbreitung der a- und
e-Drüsen bei den Affen und den sonstigen Säugetieren 3 daß ich es für aussichtsvoll halte, unter
der Benutzung der Verbreitung der e-Drüsen, den Stammbaum des Menschen durch die Affen und
Halbaffen weiter rückwärts zu verfolgen. In einer Beziehung ist ja die Untersuchung der Weichteile
für derartige Zwecke weit ungünstiger, als die der Skeletteile, denn, während diese auch von längst
ausgestorbenen Geschöpfen uns mehr oder weniger gut erhalten übrig geblieben sind, können wir
die Weichteile nur von noch lebenden Arten untersuchen und hieraus dann unsere Schlüsse ziehen,
wenn nicht der Zufall es will, daß die Tiere mit ihren Weichteilen uns noch einigermaßen gut erhalten
überkommen sind, wie das bei Mammut und Rhinozeros mitunter der Fall ist.
Ich möchte hier nicht mißverstanden werden. Um den phylogenetischen Stammbaum genau
zu verfolgen, müßte man ja eigentlich stets die sämtlichen Organe eines Wesens zur Vergleichung
heranziehen. Je geringer die Zahl der berücksichtigten Organe ist, um so leichter ist ein Irrtum
möglich. Da die Untersuchung aller Organe zu solchen Zwecken durch eine längere Tierreihe hindurch
nun aber nicht nur jetzt für mich, sondern wohl noch für lange Zeit für alle Forscher ausgeschlossen
sein dürfte, erscheint es meiner Meinung nach als nützlich, solche Organe zur Vergleichung
zu wählen, welche besonders günstig dafür erscheinen. Von den a-Drüsen und e-Drüsen möchte
ich nun nach meinen bisherigen Erfahrungen annehmen, daß sie zunächst als eine Art von Leitfaden
dienen könnten. Die unter Benutzung dieses erhaltenen Ergebnisse würden dann weiterhin zu kontrollieren
sein durch die Untersuchung der übrigen Organe.
Aus den soeben mitgeteilten Untersuchungen an Affen scheint hervorzugehen, daß die P a ro tid
en g eg en d für das E rh a lten b le ib en der a-Drüsen verhältnismäßig günstig ist. Das bisher
untersuchte Material ist ja allerdings so geringfügig, daß man mit Schlüssen daraus noch sehr
vorsichtig sein muß und nur von einer „Möglichkeit“ sprechen darf. Sollte die Annahme zutreffen,
so würde die Beobachtung, daß sich bei dem A ustra lie r in dieser Gegend ebenfalls noch a-Drüsen
vorfanden, leichter zu verstehen sein. Warum in dieser Gegend gerade die a-Drüsen verhältnismäßig
dauerhaft sind, entzieht sich vorläufig freilich unserer Kenntnis.
Die Beobachtungen, die ich in dieser Arbeit über das Vorkommen dieser Hautdrüsen beim
Menschen und bei den Affen mitgeteilt habe, sind ja natürlich nur der erste Anfang einer weit ausgedehnten
Reihe von Untersuchungen, die hoffentlich, von anderen Forschern ausgeführt, darauf
folgen werden. Ich glaube aber, durch diese Arbeit das Fundament gelegt zu haben, auf dem sich ein
großes Gebäude errichten läßt. Zunächst mußten eben die Verhältnisse der Hautdrüsen an sich klar
gelegt werden und es mußte hingewiesen werden auf ihre rassenanatomische und phylogenetische Bedeutung,
das beides habe ich in dieser Arbeit getan.
Aus dem bisher Besprochenen geht zunächst jedenfalls hervor, daß, wenn man die Tiere
nach den Hautdrüsen e in t e ilt , die bei weitem m e isten S äu g etier e als a-D rüsen -T ie re
zu be z eich nen sin d , daß der Mensch das ausg e sp ro ch en ste e-Drüsen-Wesen is t , und
daß die von mir u n te rsu ch ten O sta ffen , v ie lle ic h t auch die übrigen, von den so n s
tig en Säugern zu ihm eine Ü b e r le itu n g b ild en , indem sie sich durch ihren R e ich tum
an e-Drüsen schon scharf von den so n stig en S äu g etier en u n te r sch e id en , aber doch
noch n ich t so hoch steh en als der Mensch. Sehr interessant und wichtig wird es nun sein,
durch eingehende Untersuchungen festzustellen, wie sich die Anth rop oiden in dieser Hinsicht ver-
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Zoologica. Heft 72.