
vordersten Nasenabschnittes am stärksten reduziert sind, während sie bei Affen noch in einzelnen
Fällen zu finden sind. Bei fast allen übrigen bisher untersuchten Säugerformen ist aber eine Zweiteilung
der Fenestra narina vorhanden. Bei Ornithorhynchus finden wir eine etwas abgeänderte Form;
dort verschmelzen die beiden Fortsätze miteinander, so daß die Apertura nasalis externa von einem
vollständigen Knorpelringe umgeben ist, der sie gegen den übrigen Teil der Fenestra narina abschließt.
Uber diese Knorpelfortsätze, die G a u p p Processus alaris superior und inferior genannt hat,
herrscht nun in den älteren Arbeiten, die sich mit Schnauzenknorpeln beschäftigen, eine ziemliche
Unklarheit. Das liegt meiner Ansicht nach daran, d a ß i h r e B e z i e h u n g e n z u r A p e r t
u r a n a s a l i s e x t e r n a u n d z u m T r ä n e n n a s e n g a n g n i c h t g e n ü g e n d
b e r ü c k s i c h t i g t w u r d e n , und diese sind doch wohl durchaus a u s s c h l a g g e b e n d
für ihre Homologisierung. Bei S p u r g a t, der die Schnauzenknorpel einer ganzen Reihe von
Säugerspezies beschreibt, befindet sich n ur beim Schwein ein Hinweis darauf. D ort schreibt er: „H art
vor dem vorderen Ende seiner Anheftungslinie auf dem ventralen Lateralfortsatz entläßt der kahnförmige
Knorpel eine 0,5 cm breite, dünne Knorpelspange, die ventralwärts schräg nach vorn und
außen wieder zu dem freien Außenrande der ausgeschweiften Knorpelspitze zurückverläuft und sich
an diesen schräg anlegt, ohne aber dabei eine-feste Verbindung einzugehen. In dem so entstandenen
Dreieck liegt die Ausmündung des Ductus nasolacrimalis.“ Den beschriebenen Knorpelfortsatz nennt
er C a r t í l a g o a c c e s s o r i a . Is t nur einer der beiden Processus alares entwickelt, so wird er
von S p u r g a t ein für allemal Cartílago accessoria genannt, gleichviel ob es sich um den in ventraler
Richtung ziehenden Processus alaris superior handelt, der die Apertura nasalis externa von hinten
begrenzt, oder um den vom Boden ausgehenden Processus alaris inferior, der die Nasenöffnung von
unten her umfaßt. Durch eine komplizierte Erklärung sucht S p u r g a t die Verschiebung, die um
den Rand der Fenestra narina stattfinden müßte, um den einen Fortsatz in den ändern überzuführen,
verständlich zu machen. E r übersieht dabei ganz, daß er oft dieselbe Bildung mit zwei verschiedenen
Namen belegt. Das, was er bei Lemur, Erinaceus und Nasua als Cartílago accessoria bezeichnet, ist
in Wirklichkeit ein Fortsatz, den er in anderen Fällen (bei Bos, Lutra, Canis) P r o c e s s u s l a t e r
a l i s s e p t i c a r t i l a g i n e i a n t e r i o r nennt oder wenigstens zu diesem rechnet. Diese
verschieden benannten Bildungen entsprächen nach G a u p p s Nomenklatur beide dem Processus
alaris inferior. In Fällen, wo zwei Processus alares vorhanden sind, wird der Processus alaris superior
als Cartílago accessoria bezeichnet, während der Processus alaris inferior den oben erwähnten Namen
trägt. Diese Namen h a t F i s c h e r bei Talpa übernommen und bezeichnet infolgedessen gleichfalls
den Processus alaris superior als Cartílago accessoria, den Processus alaris inferior als Processus
lateralis septi anterior. Betrachten wir in F r e u n d s Arbeit „ Z u r M o r p h o l o g i e d e s
N a s e n k n o r p e l s “ die Figuren 10 und 11 von Thallassa/rctos maritimus, so wird uns ohne weiteres
klar, daß auch seine Cartílago accessoria und Lamina trapezoides nichts anderes darstellen als die
Processus alares. Wenn die Lamina trapezoides auch keine Aufbiegung zeigt, wie sie meist am
Processus alaris inferior vorhanden ist, so weist doch ihre ganze Lage und Beziehung zur Cartílago
accessoria auf die Funktion der beiden Knorpelteile, die Zweiteilung der Fenestra narina, hin. Darum
halte ich eine Identifizierung der Lamina trapezoides ( F r e u n d ) mit dem Processus lateralis
anterior S p u r g a t s (beide gleich Processus alaris inferior Ga upp) für durchaus berechtigt, während
der Verfasser sie wegen der. völlig ventralen Lage seiner Lamina trapezoides von der Hand weist.
Am Modell von Diddphys finden wir nun, wie oben beschrieben, die Fortsätze der Fenestra narina
in ihrer ursprünglichen Form wieder. Processus alaris superior wie inferior sind gut entwickelt und
trennen fast vollständig die Öffnungen für die Apertura nasalis externa und den Ductus nasolacrimalis
voneinander.
Solum nasi. Der Nasenboden von Diddphys zeigt durch die feste Verschmelzung der Lamina
transversalis posterior mit dem Septum dasselbe Verhalten, wie es G a u p p von Echidna, B r o o m
von Dasywus und C o r d s von Peramdes beschreibt. Diese Verschmelzung faßt G a u p p als
sekundär auf gegenüber dem primitiven Zustand einer freien hinteren Nasenkuppel, wie sie unter
den Beuteltieren Halmatmus und Trichosurus zeigen. Vielleicht läßt sich ein Überrest der primitiven
Art des hinteren Nasenabschlusses am Boden darin erblicken, daß einmal die L a m i n a t r a n s v
e r s a l i s p o s t e r i o r nicht am Unterrande des Septums ansetzt, und daß der Knorpel an
der Verbindungsstelle erheblich dünner ist als in der Umgebung, so daß sie sich schon rein äußerlich
durch eine deutliche, orokaudal verlaufende Rinne am Nasenboden ausprägt. (Siehe Seite 8,
Figur 2.) Die L a m i n a t r a n s v e r s a l i s a n t e r i o r zeigt eine ziemlich erhebliche Breite;
sie ist mit Septum und Paries verschmolzen und bildet den Bodenteil der vorderen Zona anularis.
Als d ritte Bildung des knorpeligen Nasenbodens bleibt noch die C a r t i l a g o p a r a s e p t a l i s
zu besprechen. Sie liegt dem Unterrande des Nasenseptums in seinem mittleren Drittel an. Der
dahinter liegende Teil des Paraseptalknorpels ist geschwunden, doch ist ein kleiner Überrest davon
als Processus paraseptalis erhalten, der von der Lamina transversalis posterior, auf der Horizontallamelle
des Vomers ruhend, nach vorn zieht. G a u p p bringt die Reduktion des mittleren Teils
des Paraseptalknorpels zur Fixierung der hinteren Nasenkuppel in Beziehung, während V o i t
annimmt, daß die vollständige Ausbildung resp. teüweise Rückbildung des Knorpels durch die stärkere
oder schwächere Ausbildung des Jacobsonschen Organs bedingt sei. Beide Hypothesen vermögen
nicht völlig zu befriedigen. Gegen die zuerst erwähnte sprechen O l m s t e a d s Befunde bei Canis,
wo trotz der völlig freien hinteren Nasenkuppel ein Teil des Paraseptalknorpels geschwunden ist,
gegen die letztere dagegen spricht, daß M a 11 h e s bei Manatus trotz völliger Abwesenheit des
Jacobsonschen Organs einen Paraseptalknorpel fand, der von der Lamina transversalis anterior bis
zur L amina transversalis posterior reicht. In einer ausführlichen Arbeit bespricht Z u c k e r k a n d l
die Schicksale des Paraseptalknorpels bei der Katze. Er fand, daß dieser vollständig knorpelig
angelegt wird und von der Lamina transversalis anterior bis zur Lamina transversalis posterior reicht.
Später aber, wenn sich der Vomer ausbildet, werden die kaudalen Partien des Knorpels, in deren
Umgebung er entsteht, direkt zum Aufbau dieses Deckknochens herangezogen und verknöchern mit
ihm. Nun ist in den meisten Fällen eine derartige Verwendung von Teilen des Paraseptalknorpels
zum Aufbau des Vomer o n t o g e n e t i s c h nicht mehr nachzuweisen. Meistens wird er, wie
dies auch bei Didelphys der Fall ist, gar nicht mehr vollständig zur Verknorpelung kommen. Ich
halte es jedoch sehr wohl für möglich, daß uns Z u c k e r k a n d l s Befunde b e iFd is einen Hinweis
geben, wie es p h y l o g e n e t i s c h zum Schwunde eines Teils des Paraseptalknorpels gekommen
ist, der bei Sauriern und einer Anzahl von Säugern noch eine homokontinuierliche Verbindung zwischen
den Laminae transversales bildet. Bekanntlich ist der Vomer bei Reptilien noch paarig und umfaßt
von der Ventralseite her die Paraseptalknorpel, während er noch keine Beziehungen zum Septum
aufweist. Diese werden erst bei den Säugern erworben, wo die Vomeres beider Seiten medialwärts
zusammenrücken und am Unterrande des Septum nasi miteinander verschmelzen. Eine Neuerwerbung
der Säuger ist außerdem die Beziehung des Paraseptalknorpels zum Jacobsonschen Organ,
zu dessen Stütze der orale Teil herangezogen und in seiner Form weiter ausgestaltet wird. Der kaudal
von dem Organ liegende Teil geht nun aber häufig zugrunde. Ich halte es für recht wahrscheinlich,