
In der Muskulatur sitzen die Cysten fast ausnahmslos zwischen den Muskelfasern und
drängen diese seitlich auseinander. Na c h d r e i T a g e n ist die encystierte Larve bereits
von einem lockeren Geflecht von Bindegewebszellen umgehen, die sich in den folgenden
Tagen noch vermehren und immer fester aneinanderlagern.
N a ch 10 — 12 T a g e n ist die eigentliche Cystenhülle schon von einer dichten Binde-
gewebskapsel eingeschlossen (T. IV, Abb. 26 u. 27). Die innere Zone dieser Hülle erinnert in
ihrem Aufbau aus plasmareichen, gut abgegrenzten Zellen an ein mehrschichtiges Plattenepithel.
Sie besteht aus spindelförmigen jungen Bindegewebszellen mit ovalen Kernen, die
etwas größer sind als die des Sarcolemms. Die äußere Lage setzt sich aus sehr langen,
schlanken Zellen sowie zunächst noch spärlichen kollagenen Fasern zusammen. Sie entsendet
gewöhnlich spitze Fortsätze in die Spalträume zwischen benachbarten Muskelfasern
hinein, so daß sternförmige Figuren entstehen (T. IV, Abb. 27 a). Nur selten kommt es vor, daß
sich eine Larve nicht zwischen, sondern wie eine Trichinellenlarve im Innern einer Muskelfaser
niederläßt (T.IV, Abb. 27b). Die eigentliche Cystenhaut ist in diesem Falle allseitig von
den weit auseinandergedrängten Muskelfibrillen umgeben. Interessanterweise unterbleibt
dann die Bildung einer Bindegewebskapsel, offenbar weil der Pa ra sit keinen direkten
Kontakt mit dem zwischen den Fasern liegenden Bindegewebe hat, das höchstwahrscheinlich
im Normalfalle das Bildungsmaterial für die Kapsel liefert.
Die zelluläre Hülle im Bindegewebe sitzender Cysten unterscheidet sich von der der
Muskelcysten zumeist durch eine beträchtliche Verdickung an den beiden Polen (T. IV,
Abb. 27 c). Cysten, die zwischen einer Schuppe und der Epidermis liegen, üben einen
Druck auf das benachbarte Epithel aus und pressen dieses an der Berührungsstelle zu
einer dünnen Membran zusammen, wobei die Schleimzellen an dieser Stelle verschwinden
(T. IV, Abb. 27 d).
B e i ä l t e r e n C y s t e n besteht die Bindegewebskapsel nur noch aus dicht gedrängten
kollagenen Fasern und spärlichen langgestreckten Kernen. Der Außenfläche dieses Schutzwalles
liegen häufig große flache Pigmentzellen auf. Sie erreichen aber nicht die massige
Ausbildung, in der sie sich in der Umgebung mancher Holostomiden- und Heterophyiden-
Cysten finden. Bei einer jungen 4 cm langen Schleie, deren Körper von der ungeheuren
Zahl von 5800 Opisthorchis-Cjsten so völlig durchsetzt war, daß fast eine Cyste neben der
anderen lag, ließ sich die Pigmentzunahme schon makroskopisch während des Lebens erkennen.
In dem anfangs hellen und durchscheinenden Gewebe traten in zunehmendem
Maße schwärzliche, undurchsichtige Massen auf, die dem Fisch ein von den Kontrollieren
völlig abweichendes Aussehen verliehen. Auf der Haut entstanden kleine Höcker, die
daruntersitzenden Cysten entsprachen. Eine merkliche Beeinträchtigung der Lebensfunktionen
war selbst bei einer so massiven Infektion nicht zu beobachten.
Der Längsdurchmesser der äußeren Kapsel beträgt im lebensfrischen ungepreßten
Zustande bei 4 Monate alten Cysten aus jungen Schleien 252—320 (a, im Mittel 290 {*; der
Querdurchmesser 165—225 [/-, durchschnittlich 203 ¡¿. Die Kapsel ist an den beiden Polen
durchschnittlich 23 (¿, an den Seitenflächen 15 ¡j- dick, also wesentlich stärker als die eigentliche
vom Parasiten gebildete innere Cystenmembran, die in diesem Stadium 2,5— 3 (J. dick ist.
E n tw i c k l u n g z u r Me t a c e r c a r i e : Die Opisthor chis-Cercarie zeigt noch nicht
die geringste Ähnlichkeit mit dem erwachsenen Wurme. Wenn ein Beobachter lediglich die
freischwimmende Larve vor sich hätte, würde er wahrscheinlich überhaupt nicht auf den
Gedanken kommen, daß es sich um die Jugendform des Katzenleberegels handelt. Erst im
eneystierten Stadium treten allmählich die morphologischen Charaktere der erwachsenen
Form auf, während gleichzeitig die rein larvalen Strukturen, wie Augenflecke, Bohr-
apparat und Cystogenzellen verschwinden. Betrachten wir jetzt diese Veränderungen in
ihrer natürlichen Reihenfolge nach Beobachtungen an lebenden Cysten. Ich verwendete
für die Untersuchung einmalig infizierte junge Schleien, die bei einer Wassertemperatur
von 18 20 gehalten wurden. Bei höheren Temperaturen würde die Entwicklung voraussichtlich
rascher ablaufen.
Wie schon erwähnt, haben 3 T a g e n a c h d e r I n f e k t i o n die Cystogenzellen, wie
auch schon vorher die Bohrdrüsen, ihren Inhalt entleert, sind aber noch deutlich erkennbar.
Im Innern der Larve fallen ziemlich große Fett-Tröpfchen auf (Sudanfärbung positiv),
die vorher nicht vorhanden waren und offenbar der Ausdruck eines in neue Bahnen
gelenkten Stoffwechselns sind. Die Form der Augenbecher hat sich etwas aufgelockert,
einzelne Pigmentkörnchen sind aus dem Verbände der übrigen herausgetreten und führen
BROWNsche Molekularbewegungen aus. Die Exkretionsblase enthält noch keine granulären
Einschlüsse, aus ihren Wandzellen sind die kleinen Sekrettröpfchen verschwunden. Vom
Darm ist noch nichts erkennbar.
10 T a g e n a c h d e r I n f e k t i o n (Abb. 28) sind die Cvstogenzellen nicht mehr erkennbar.
Fast der ganze Körner setzt sich aus bläschenförmigen hellen Zellen zusammen,
zwischen denen die gelblichen Farbkörnchen der in Auflösung
begriffenen Pigmentzellen und feine Fett-Tröpfchen lagern.
Die Augenflecke haben bei den meisten Larven ihre ursprüngliche
Becherform schon gänzlich eingebüßt. An ihrer Stelle
sieht man einen lockeren unregelmäßigen Haufen braunschwarzer
Pigmentkörnchen. Bei manchen Cercarien dagegen
bleibt die alte Form noch länger erhalten. Die Exkretionsblase
enthält jetzt zahlreiche runde Körperchen. Der Mundsaugnapf
ist nicht mehr längsoval und birnenförmig, sondern
rund oder queroval, nähert sich also schon der eigentlichen
Saugnapfform des erwachsenen Wurmes (Querdurchmesser
30—36 [*). E r ist jetzt nicht mehr in den Kopfabschnitt zurückgezogen,
sondern nach vorn außen gerichtet. An seinem
dorsalen Rande sind noch die kleinen Bohrzähnchen erkennbar.
aber gewöhnlich nicht mehr vollzählig vorhanden. Der
B.S. N. ist deutlicher begrenzt als bisher, von runder bis
querovaler Form und 30—33 ¡j. Breite. E r zeigt auch jetzt
noch nicht die typische Struktur eines Acetabulums und enthält
noch keine Muskelfasern. Der Pharynx h a t ungefähr die
gleiche Größe und denselben Bau wie bei der Cercarie. Der
früher auffallend lange Präpharynx hat sich wesentlich verkürzt,
Abb. 28. Junge Metacercarie 10 Tage
nach der Infektion. (Nach dem Leben
gezeichnet unter Weglassung der
Bindegewebskapsel.) Augenflecke in
Auflösung, erstes Auftreten der
Darmschenkel. Vergr. 442 X
so daß jetzt M.S.N. und Pharynx dicht aneinander gerückt
sind. Die wesentlichste Neuerung desZehntage-Stadiums ist das er s t e Au f t r e t en des
Da r m k a n a l s . An den Pharynx schließt sich ein kurzer Oesophagus an, der sich etwa
an der Grenze zwischen dem 1. und 2. Körperdrittel in die beiden Darmschenkel gabelt.
Diese reichen erst knapp bis zur Mitte der Exkretionsblase. Die Darmwand setzt sich aus
relativ großen spindelförmigen Zellen mit ovalen Kernen zusammen, die alternierend angeordnet
sind (siehe Abb. 28). Zwischen den Zellen verläuft in einer Schlangenlinie das