
Section Liburnica charakteristische gedrungene Form; Länge 4,3—4,8 mm, wovon etwa
zwei Fünftel auf die 0,65—0,75 mm breite Spitze entfallen. Die trichterförmig erweiterte
Basis kommt der Spitze an Breite gleich. Das leicht geschlängelte Flagellum ist erheblieh
länger als Penis Epiphallus; extreme Maße: 21 :1 2 und 28 :13,5 mm. Der Betraetor ist
meist an der Mitte des kurzen Epiphallus angeheftet. Die Vagina ist m. o. w. intensiv
braun pigmentiert; die Penisscheide umschließt eine 4—6 mm lange glatte spitz-konische
Glans. Einen Reizkörper habe ich nicht vorgefunden.
S e c tio Chilostoma F it z .
Als ich vor zwei Jahren diese Gruppe besprach (1931, S. 76), verfügte ich nur über
unzureichendes Material. Seitdem fand ich Gelegenheit, aus den lombardischen und
piemontesischen Alpen eine Anzahl Tiere zu untersuchen (leg. A lzona); und durch das
Entgegenkommen der Herren Dr. K. BÜTTNER in Zwickau, ÄMILIAN E d l a u e r in Weidling
und Dr. S t e ph a n Zimmermann in Wien konnte ich meine Kenntnis der ostalpinen
Hel. ichthyomma H e ld wesentlich erweitern. Aus den Sammlungen dieser drei Herren
lagen mir von HELDS Art etwa 350 Exemplare vor von 74 Fundorten, die sich auf das
Gebiet vom Eibsee im Westen bis zur Baxalpe im Osten verteilen. Die Gehäuse machen
im ganzen einen recht einheitlichen Eindruck; im Westen zeigen sie oft Übergänge zur
var. achates, die sich kaum vom Typus scharf trennen läßt, auch anatomisch nicht. In
der Größe variieren sie beträchtlich, auch am gleichen Fundort, aber als normales Durchschnittsmaß
kann man einen Durchmesser von 20—24 mm und eine Höhe von etwa
7. JO mm annehmen. Das kleinste Gehäuse von Hartenstein im Kremstal, Nieder ^Österreich
(coll. E d la u e r ) maß 14,5:7, das größte, ziemlich hochgewundene, von der Badel-
galerie bei Peggau i. Steiermark (coll. ZIMMERMANN) 28,5 : 13,5 mm. Nur an 6 von 74 Fundorten
wurden einzelne Exemplare von 25 mm Durchmesser und darüber gefunden. Die
Insertionen des Mundsaums sind einander sehr genähert; ihre Entfernung beträgt in der
Regel 4—5, selten bis 6 mm.
Die Schnecke tr itt nur ausnahmsweise in der Talregion auf; am Untersbergmassiv
fand U h l sie in der Höhenlage von 800—1600 m. Bei dem von mir durchgesehenen Material
war der niedrigst gelegene Fundort St. Nicolai bei Golling im Salzachtal (550 m),
der höchste der Tristkopfgipfel im Hagengebirge (2107 m [coll. BÜTTNER]).
Viel bescheidener ist mein Material aus den Westalpen, 36 Exemplare von 16 Fundorten;
es hat aber den Vorzug, daß nicht nur leere Gehäuse vorliegen, sondern von der
überwiegenden Mehrzahl auch die Tiere untersucht werden konnten. In der Hauptsache
handelt sichs dabei um die Schnecke, die Sta b il e in seiner bekannten Fauna von Piemont,
1864, S. 51, als Hel. foetens var. cisalpina beschrieben und Taf. I, f. 6 abgebildet hat.
A d am i (1876, S. 36—42) betrachtet Hel. cisalpina S ta b il e als selbständige Art, und ich
folge seinem Beispiel, besonders aus praktischen Gründen, weil Sta b il e eine gute Abbildung
gibt, die jeden Zweifel darüber ausschließt, welche Schnecke gemeint ist. Der
Name foetens ist noch immer umstritten, und eine Erörterung der Nomenklatur frage ist
hier nicht am Platze, weil ich darüber nichts Neues zu sagen weiß. Der östlichste Punkt,
von dem ich die Art besitze, ist Rabbibad in den Ortler Alpen, 1220 m (leg. Gr a z ia d e i),
der westlichste das Val d’Ayas, ein Seitental des Val d’Aosta in Piemont (leg. A lzona).
Hel. cisalpina hat eine andere geographische Verbreitung als ichthyomma; eine gewisse
Ähnlichkeit im Gehäuse ist wohl vorhanden, sie scheint mir aber nicht so groß,
daß sie zu Verwechslungen Anlaß geben könnte. Das von ichthyomma ist flacher, zusammengedrückt,
stets mit m. o. w. stark ausgeprägter Kielkante am letzten Umgang und
mit deutlicher weißer Zone unter dem Bande. Bei cisalpina sind die Umgänge stärker
gewölbt und höher, der letzte meist regelmäßig gerundet, und die helle Zone neben dem
Bande fehlt ganz oder ist schwer zu unterscheiden, da ihre Farbe von der des Gehäuses
wenig abweicht. Eine schwache Andeutung einer Kielkante fand ich nur bei den Exemplaren
aus A dam is Exkursionsgebiet, von 5 Lokalitäten im Val di Scalve, einem Seitental
des oberen Ogliotales (leg. A l zona ). Die Insertionen der Mundränder sind einander
genähert, aber weniger als bei Hel. ichthyomma; ihre Entfernung beträgt 5— 6 mm bei
den Gehäusen vom Val di Scalve und Val d’Aosta, sonst überstieg sie meist 6 mm und
erreichte das Maximum von 8,5 mm bei den zwei Exemplaren vom Rabbibad im Tren-
tino. Das kleinste Gehäuse, vom Gletscher des Monte Disgrazia im Val Malenco (Valtel-
lina, 2000 m) maß 20:11, das größte, von Schilpario, Valle di Scalve (1200 m)
29,5 :16 mm. Die Stücke vom Val Malenco und Piedicavallo, Valle del Cervo (Piemont)
sind durch außerordentliche Dünnschaligkeit ausgezeichnet, die durch die Kalkarmut des
Gesteins (Granit) bedingt scheint.
Aus der Südschweiz erhielt ich nur zwei Exemplare, die zu Hel. cisalpina gehören:
von Herrn Dr. Me rm o d ein Gehäuse mit de r Fundortsangabe „Val Mesocco près Roveredo“,
und von Herrn Dr. L o th a r F o r c a r t ein in Alkohol konserviertes Stück aus dem Kanton
Wallis, von Casermatta, in der Gondoschlucht, an der Südseite des Simplonpasses,
1070 m. Das Exemplar vom Val Mesocco ist ziemlich groß, 27 :16,5 mm; das andere etwas
kleiner, 23:12 mm. Beide geben zu keinen besonderen Bemerkungen Anlaß.
Über die anatomischen Verhältnisse der Sect. Chilostoma äußerte ich mich schon in
meiner früheren Arbeit (1931, S. 76, 77), kam aber wegen des unzulänglichen Materials,
über das ich damals verfügte, nur zu einem vorläufigen Ergebnis, das einer Berichtigung
bedarf.
Helicigona ichthyomma H e l d . Taf. 9, f. 76 a—c.
Durch einen eigentümlichen Zufall hatte das einzige Exemplar von Hel. achates,
vom Brenner, das ich untersuchen konnte, am Uterushals denselben knötchenförmigen
Auswuchs, den A d . S c hm id t schon 1855 an einem Tier aus dem Pustertal beobachtete
und abbildete. Ich wurde dadurch verleitet, dieses an sich unscheinbare Merkmal für eine
konstante Besonderheit der achates-Form zu halten und diese deshalb als eine distinkte
Art anzusehen. Mein Irrtum wurde mir bald klar, als mir reichlicheres Material zu Händen
kam, und ich auch bei einem Tier der Hel. cisalpina das Knötchen am Uterushals
feststellen konnte (Taf. 9, f. 77 c); es handelt sich also offenbar um ein ziemlich selten
auftretendes Zufallsprodukt.
Von der typischen Hel. ichthyomma untersuchte ich 7 lebende Tiere aus dem Schneeberggebiet
in Nieder-Österreich (leg. E d l a u e r ) und kann danach nur das früher Gesagte
bestätigen. Das Flagellum erreicht in keinem Falle die anderthalbfache Länge von Penis
dp. Epiphallus; als extreme Maße fand ich 12 :12 und 16 :11,5 mm. Die Glandulae mucosae
waren bei 5 Exemplaren 15—16 mm lang, nur zwei hatten die Länge von 19 und 21 mm.
Charakteristisch für die Art ist offenbar das eng korkzieherartig gewundene Flagellum.
Dadurch und durch den kürzeren Pfeil mit schmalerer Spitze unterscheidet sie sich von
der verwandten Hel. cisalpina. Länge des Pfeils 3,25—3,8, Breite der Spitze 0,27 mm.