
den Afterapparat vorhanden, der morphologisch das Hinterende des Abdomens darstellt,
hinten ist das Segment so abgestutzt, daß eine (skierotisierte) Fläche entsteht, auf der
die drei Genitalanhänge artikulieren.
Der skierotisierte Teil des 9. Segments stammt wohl in der Hauptsache vom Sternum,
doch beteiligt sich an seinem Aufbau, wenigstens in der Umgebung des Afterapparates,
vermutlich auch das 9. Tergum. Die Genitalanhänge bestehen, wie das bei den
Homopteren die Hegel ist, aus einem P a a r Parameren und einem zwischen ihnen artikulierenden
unpaaren Penis. Zur allgemeinen Morphologie dieser Teile s. W e b e r 1933.
a) Das Paramerenpaar (Par, Tafelabb. 23) bildet eine Zange, deren Backen leicht
gebogen, auf den Medialseiten rinnenartig vertieft und an der Spitze mit je 2 stumpfen
Zähnen versehen sind. Durch die rinnenartige Vertiefung kommt es auf der Medialseite
zur Bildung einer dorsalen, ziemlich scharfen Kante, die unmittelbar proximal von der
Spitze leicht ausgeschnitten ist. Mit diesem Ausschnitt umfaßt die Zange bei der Kopulation
die Spitze des weiblichen Legebohrers. Die Basalteile der hohlen Parameren sind
etwas eingesenkt und medialwärts so stark erweitert, daß sie einander berühren, während
weiter distal zwischen den Parameren Baum für die Bewegungen des Penis freibleibt,
auch wenn die Zange geschlossen ist.
b) Der Penis (P) stellt ein von den Seiten her zusammengedrücktes und daher dorsal
und ventral gekieltes Gebilde dar, das im basalen Teil kolbenartig verdickt und fast im
rechten Winkel dorsalwärts gebogen erscheint. Auch die scharfe, kanülenartig vom Endteil
des Ductus ejaculatorius durchbohrte Spitze ist nochmal dorsalwärts umgebogen. Der
ganze Penis ist wie die Parameren ein starres, skierotisiertes Hohlgebilde, sein Basalteil
artikuliert ventral von den Basen der Parameren und entsendet von seiner Ventralwand
aus einen unpaaren, flachen, innenskelettalen Fortsatz (Fo) in den Hohlraum des 9. Segments
hinein.
c) Die Muskulatur der Genitalanhänge besteht aus vier Muskelpaaren, von denen
zwei ausschließlich der Bewegung der Parameren dienen.
Der erste Paramerenmuskel (ParMi) geht von der Ventralfläche des Sternums des
9. Segments, an der er unmittelbar hinter der Vorderkante entspringt, nach dem ventralen,
medialen Teil der Basis der Parameren. Der zweite Paramerenmuskel (ParM2) entspringt
weiter dorsal an der Seiten wand des 9. Segments, aber ebenfalls unmittelbar hinter
dem Vorderrand und greift am dorsalen, medialen Teil der Paramerenhasis ganz nahe
der Medianehene an. Beide Muskeln können ihrem Verlauf nach nur Adduktoren der P a rameren
sein, also die Zange schließen.
Der erste Penismuskel (PMi) entspringt hinter ParMi am Sternum und greift an dem
innenskelettalen Fortsatz Fo der Penisbasis an. Von demselben Fortsatz aus geht nach
der Dorsalseite, an den Lateralrand der Paramerenhasis, der zweite Penismuskel PM2.
Der letztere Muskel kann offenbar gleichzeitig die Paramerenzange öffnen und den Penis
nach rückwärts bzw. ventralwärts drehen. F ü r die letztere Aufgabe ist PMi sein Antagonist.
III. Allgemeines über das Abdomen.
Die Formverhältnisse des Hinterleibs der Aleurodinen werden bedingt durch die Umbildung
des 1. Abdominalsegments zum Hinterleibsstiel, durch das Auftreten der großen
Wachsdrüsenplatten und durch die Verlagerung des Afterapparates auf die Rückenseite,
die mit einer Einebnung der Endsegmente einhergeht. Diese Merkmale, deren erstes auch
in den Bauverhältnissen des Thorax zum Ausdruck kommt, geben dem Hinterleib der
Aleurodinen noch etwas eigenartigeres als wir es beim Thorax feststellen konnten. Im
H i n b l i c k a u f d e n H i n t e r l e i b s s t am m e r s c h e i n e n d i e A l e u r o d i n e n
d u r c h a u s a b g e l e i t e t , a b e r d e n P s y l l i n e n k e i n e s f a l l s n ä h e r v e rw a n d t
a l s de n Ci c a d i n e n .
Die Genitalanhänge entsprechen grundsätzlich dem Typ, dem w ir auch bei den anderen
Hemipteren begegnen. Ja , beim männlichen Geschlecht kann man sogar von einer fast
unveränderten Übernahme dieses Typus, also von einem sehr wenig abgeleiteten Verhalten
sprechen. Beim weiblichen Geschlecht sind die Genitalanhänge gegenüber dem Typus um
ein P a a r verringert und erscheinen insgesamt vereinfacht, zumal wenn man sie mit dem
sehr komplizierten L egeapparat der Psyllinen vergleicht. H i e r b e g e g n e n wi r wi e d e r
d e r u n s s c h o n v om Ko p f u n d T h o r a x h e r b e k a n n t e n T a t s a c h e , d a ß di e
B a u v e r h ä l t n i s s e d e r A l e u r o d i n e n e h e r mi t d e n e n p r i m i t i v e r Z i k a d e n
in V e r g l e i c h zu s e t z e n s i nd, a l s m i t d e n e n d e r P s y l l i n e n , die nach anderer
Richtung und viel weitergehend spezialisiert erscheinen. Es gilt dies auch von den männlichen
Genitalanhängen, z. B. vom Penis, der bei den Psyllinen durch ein Gelenk (selten
durch zwei) gegliedert ist.