
weiter als bis in die oberflächlichen Lagen der Muskulatur. Auch am Kumpfe ist also die
Wanderung von außen eingedrungener Cercarien eine sehr begrenzte. Beim Fisch Nr. 2
ist der Hauptsitz der Larven die R um p fm u s k u l a t u r , während unmittelbar unter der
Haut überhaupt kein Exemplar mehr anzutreffen ist. Eine größere Goldschleie verhielt
sich in dieser Beziehung etwas anders. Zwar saß auch bei diesem Fisch die überwiegende
Mehrzahl der Cysten in der oberflächlichen Muskulatur, ein kleiner Teil der Larven hatte
sich aber auch im TJnterhautbindegewebe oder zwischen der Epidermis und den Schuppen
niedergelassen (T. IV, Abb. 27 c und d).
I n n e r e O r g a n e : Bei Fisch Nr. 1 liegt 1 Larve frei in der Leibeshöhle zwischen
Leber und Magen, 3 weitere sind im Begriffe, aus der Leibeshöhle in die Leber einzudringen
und 1 Cercarie sitzt im Innern der vorderen Leberkuppe, nicht weit von der
Oberfläche des Organs. Ich möchte mit Bestimmtheit annehmen, daß diese Larven von
außen in die Leibeshöhle durchgebrochen sind, denn die Leibeswand des kleinen Fisches
ist S besonders an der Bauchseite — außerordentlich dünn; außerdem wurden auch
mehrere Cercarien unmittelbar unter dem Bauchfell angetroffen. Bei großen Fischen wird
eine Invasion der Leibeshöhle und innerer Organe voraussichtlich infolge der größeren
Dicke der Leibeswand gar nicht zustande kommen können.
F l o s s e n : Die bereits nach Beobachtungen an lebenden Fischen geschilderte Abwanderung
in die Flossen eingedrungener Cercarien nach dem Rumpfe findet in den beiden
Schnittserien ihre Bestätigung. Bei dem Fisch Nr. 1 sitzen zahlreiche Cercarien in den
Flossen, besonders in der Schwanzflosse, bei Fisch Nr. 2 dagegen sind 24 Stunden später
alle Flossen frei von Cercarien. Letztere sind nach der Basalmuskulatur der Flossen übergesiedelt
und finden sich hier gewöhnlich besonders zahlreich.
c) S p e z i f i t ä t des F i s c hw i r t e s .
Folgende Fischarten sind bisher durch Fütterungsversuche als Träger von Opisthor-
chis-Metacercarien festgestellt worden*):
Schleie (Tinea linca), C i u r e a in Rumänien, V o g e l in Ostpreussen und bei Hamburg
Aland (Idus melanotus), A s k a n a z y in Ostpreußen, C i u r e a in Rumänien
Rotauge (Scardinius erylhrophlhalmus), C i u r e a in Rumänien, V o g e l in Ostpreußen
Karpfen (Cyprinus carpio), C i u r e a in Rumänien
Barbe (Barbus barbus), C i u r e a in Rumänien
Brachse (Abramis brama), C i u r e a in Rumänien
Blicke (Blicca björkna), C i u r e a in Rumänien, V o g e l in Ostpreußen
Plötze (Leuciscus rutilus), A s k a n a z y in Ostpreußen.
Mit den folgenden Fischen konnte bisher, selbst durch Verfütterung größerer Mengen,
keine Opisthorchis-Infektion erzielt werden:
Karausche ( Carassius carassius), C i u r e a in Rumänien
Gründling (Gobio gobio), C i u r e a in Rumänien
Steingreßling (Gobio uranoscopus), C i u r e a in Rumänien
Zährte (Abramis vimba), A s k a n a z y in Ostpreußen
Ziege (Pelecus cultralus), A s k a n a z y in Ostpreußen
Ukelei (Alburnus alburnus), A s k a n a z y in Ostpreußen, C i u r e a in Rumänien
Alandblecke (A lb . bipunctatus), C i u r e a in Rumänien
Rapfen (Aspius aspius), C i u r e a in Rumänien
*) Nach Abschluß meiner Arbeit ist mir eine Untersuchung von P l o t n i k o w & S e r t s c h a n i n o w (1932) in einem Referat
zugänglich geworden, in der — offenbar auf Grund von Fütterungsversuchen — folgende Fischarten für Sibirien als zweite
Zwischenwirte von Opisthorchis felineus angegeben werden: Leuciscus idus (=: Idus melanotus), Rutilus ( = Leuciscus) rutilis
lacustris ( P a l l a s ) und Leuciscus leuciscus baicalensis (D i 'b o w s k i ) .
Ellritze (Phoxinus phoxinus), C i u r e a in Rumänien
Stint (Osmerus eperlanus), A s k a n a z y in Ostpreußen
Aal (Anguilla anguilla), A s k a n a z y in Ostpreußen
Hecht (Esox lucius), A s k a n a z y in Ostpreußen
Quappe (Lola Iota), A s k a n a z y in Ostpreußen
Dorsch (Gadus morrhua), A s k a n a z y in Ostpreußen
Flußbarsch (Perca fluviatilis), A s k a n a z y in Ostpreußen
Kaulbarsch (Acerina cernua), A s k a n a z y in Ostpreußen
Zander (Lucioperca lucioperca), A s k a n a z y in Ostpreußen.
Soweit bekannt, stehen also 8 Opisthorchis-Überträgern 17 Fischarten gegenüber, die
sich als nichtinfektiös erwiesen haben. Die 8 Opisthor chis-Zwischenwirte gehören alle der
Karpfenfamilie Cyprinidae an und innerhalb dieser der Unterfamilie Cyprininae. Aber
auch unter den nichtinfektiösen Fischen befinden sich 9 Vertreter der Cyprininae; demnach
vermittelt nur ein Teil der Mitglieder dieser Unterfamilie Opisthorchis-Infektionen.
Selbst unter den als Überträger bekannten Fischen bestehen gewisse Unterschiede. Die
Schleie und der Aland sind gewöhnlich sehr viel stärker infiziert als die anderen Zwischenwirte
.R
ein theoretisch betrachtet ließe sich die Eigentümlichkeit bestimmter Fischarten,
Opisthorchis zu übertragen oder nicht, auf dreierlei Weise erklären:
1. Alle Fischarten sind potentielle Zwischen wirte, aber nu r bestimmte Arten, eben die
tatsächlichen Zwischenwirte haben infolge ihres Lebensraumes und ihrer Taxen, die denen
der Cercarien entsprechen, Gelegenheit, mit den Parasiten in enge Berührung zu kommen.
Vorwiegend auf diese Weise ha t z. B. W u n d e r (1923) die Auswahl der richtigen Wirts-
j|iere (Arthropodenlarven) durch eine Xiphidio-Cercarie, die Cerc. intermedia, erklärt.
In unserem Falle ist eine räumliche Beziehung dadurch gegeben, daß die Opisthorchis-
Larven sich infolge ihrer positiven Geotaxis am Boden der Gewässer aufhalten und die
Opisthorchis-Fische vorwiegend am Grunde des Wassers ihrer Nahrung nachgehen. Aber
wie ungenügend in diesem Falle eine solche Erklärung a l l e i n wäre, geht daraus hervor,
daß so ausgesprochene Bodenfische wie der Aal und der Schlammpeitzger keine
Opisthorchis-Cysten beherbergen.
2. Alle Fische werden in gleicher Weise von den Cercarien befallen, aber nur in
bestimmten Arten können sich die eingedrungenen Larven zu Metacercarien entwickeln,
während sie in falschen Wirten zugrunde gehen. Ein ähnliches Verhalten zeigen Warmblütern
gegenüber z. B. gewisse Schistosomiden-Cercarien (Cerc. elvae, Cerc. ocellata),
ferner Hakenwurm- und Strongyloides-JjZLrven, die neben echten Wirten auch falsche
befallen, in letzteren aber nicht heranwachsen können.
3. Die Cercarie trifft von vornherein eine A u swa h l unter den Fischarten, sei es, daß
sie von den richtigen Wirten angelockt oder von den falschen abgestoßen wird. Eine
solche Auswahl echter Wirte scheinen, wenigstens bis zu einem gewissen Grade, freischwimmende
Miracidien beim Befalle der Mollusken zu treffen. Dieses Verhalten wäre,
teleologisch betrachtet, als wesentlich „zweckmäßiger“ zu bezeichnen als das vorhergehende,
da keine unnütze Vergeudung von Nachkommenschaft stattfände.
Eine experimentelle Entscheidung dieser Fragen ist natürlich erst jetzt möglich
geworden, nachdem das Cercarien-Stadium von Opisthorchis felineus bekannt ist. Ich
habe bereits geschildert, wie sich die Cercarien verhalten, wenn sie mit einer jungen
Schleie, also einem echten Wirte, in einem kleinen Glasschälchen zusammengebracht
werden. Viele Cercarien heften sich sofort an ihre Wirte fest und nach ca. V2 Stunde sind
praktisch sämtliche in den Fisch eingedrungen. Beobachten wir jetzt das mit völlig glei