
Helicigona cisalpina S t a b i l e . Taf. 9, f. 77 c
Untersucht wurden 30 Tiere, und zwar: 20 von sieben Fundorten der lombardischen
Alpen (leg. A l z o n a ) , 7 von drei Fundorten in Piemont (leg. A l z o n a ) , zwei vom Rabbibad
in den Ortler Alpen (leg. G r a z i a d e i ) und eins vom Südabhang des Simplonpasses im
Kanton Wallis (leg. F o r c a r t ) . Die große Mehrzahl wurde in höheren Gebirgslagen, zwischen
1200 und 2400 m, gesammelt.
Das T i e r war in der Regel an Kopf und Rücken grau oder braungrau, mit einfarbigem
hell- bis dunkelgrauem, zuweilen fast schwarzem Mantel und weißer Sohle; nur bei
den Tieren vom Rabbibad, Pizzo dei tre Signori und Val Malenco war der Mantel marmoriert,
mit zahlreichen schwarzen Flecken auf hellem Grunde gezeichnet, die sich zuweilen
auch auf die Niere und die obersten Windungen erstreckten.
K i e f e r halbmondförmig, dunkel kastanienbraun. Zahl der Leisten sehr variabel,
selten nur 2, meist 3—5, zuweilen bis 6 deutlich ausgeprägte; dazu kommen oft noch
einige schwach angedeutete, so daß die Gesamtzahl sich bis auf 9 erhöhen kann.
R a d u l a : Bei dem Tier vom Val d’Ayas in Piemont war die Zahnformel:
29 19 'I , 19 I 29
3=5 '1_ 2 + T + 1 - 2 g 3=5 f l 159
Die ersten Seitenzähne sind einspitzig und etwas größer als der Mittelzahn. Beim 20. Zahn
beginnt die Spaltung der Hauptspitze; schon einige Stellen vorher tritt eine äußere Nebenspitze
auf, zuerst klein, dann allmählich größer werdend. An den äußersten Randzähnen
löst sich die Nebenspitze in mehrere undeutliche Zacken auf.
Ge n i t a l i e n : Von denen der Hel. ichthyomma unterschieden durch das glatte, nie
eng aufgewundene Flagellum, das in der Regel etwas mehr als die anderthalbfache Länge
von Penis + Epiphallus hat; als Durchschnittsmaß von 30 Exemplaren errechnete ich
20,4 :12,3 mm; in einzelnen Fällen war das Verhältnis sogar 25 :12,5 (Rabbibad), 23 :10,5
(Val di Scalve), 27 :10 mm (Valle del Cervo). Die einfachen Glandulae mucosae waren nie
kürzer als 18 mm, erreichten aber bei einigen Tieren die Längen von 26, 30 und 31 mm.
Der Pfeil ist meist gerade, selten sehr schwach gekrümmt, und variiert in der Länge
recht erheblich, entsprechend den starken Unterschieden in der Größe des Gehäuses. Ich
fand die Pfeile von 5,08—5,94 mm lang; die Spitze ist 0,5—0,6 mm breit, h a t also reichlich
die doppelte Breite von der des ichthyomma-'Pieils. In wenigen Fällen bemerkte ich
im Atrium einen kleinen, verkümmerten Reizkörper; den meisten Exemplaren fehlte er
völlig.
Ich habe nun noch zwei Chilostoma-Formen der Ostschweiz zu besprechen, über die
ich mir bis jetzt wegen allzu spärlichen Materials kein bestimmtes Urteil bilden konnte.
Die eine stammt von der Nordseite des Gotthard-Massivs. Vom Zoologischen Museum
in Berlin erhielt ich zwei Tiere in Alkohol, eins mit, eins ohne Gehäuse, mit der Etikette:
Göschenen (leg. C. K o c h ).
Das Gehäuse hatte durch langes Liegen in Alkohol gelitten; es ließ sich daran aber
noch die gelbe Grundfarbe und Spuren eines rotbraunen Bandes erkennen. Bei 5 Umgängen
hat es fü r gr. und kl. Durchmesser und Höhe die Maße 2 1,5:18:13 mm. Im Habitus
erinnert es einigermaßen an eine etwas niedrig gewundene genabelte Arianta
arbustorum; der letzte Umgang ist vorn sehr wenig herabgebogen und die Mundränder einander
kaum genähert. Der Nabel ist viel enger, als ich ihn bei irgendeiner Hel. ichthyomma
oder cisalpina kenne.
Der Erhaltungszustand der Weichteile war nicht ganz erfreulich. Das schalenlose
Tier war aufgeschnitten, der Pfeilsack entfernt, und offenbar war bei diesem Eingriff
auch das Flagellum abgerissen und in Verlust geraten; der Mantelwulst mit den Naeken-
lappen war sehr defekt. Kopf und Rücken graubraun, Seiten heller, Mantel mit spärlicher
brauner Punkt- und Strichzeichnung auf hellem Grunde. Das andere Exemplar ergab ein
vollständigeres Präparat. An den Nackenlappen fiel mir die ungewöhnliche Kleinheit des
dreieckigen rechten Lappens auf, der n ur eine Länge von 1,5 mm hatte. Die beiden linken
waren durch einen Zwischenraum von 4,5 mm getrennt. Niere 15, Pericard 5,5 mm lang.
Ki e f e r kastanienbraun, mit 2 bzw. 3 mäßig breiten, scharf ausgeprägten Leisten.
G e n i t a l i e n im allgemeinen denen von H. cisalpina ähnlich, doch mit einigen Besonderheiten.
Das Flagellum hatte fast genau die doppelte Länge von Penis + Epiphallus
(19:10 mm) und war in der vorderen Hälfte gekräuselt, aber nicht so eng aufgewunden,
wie das von Hel. ichthyomma. Uterushals und Vagina von ungefähr gleicher Länge, 7 :6 mm
bei einem, 5:5,5 mm beim anderen Tier. Am Uterushals bemerkte ich drei kleine runde
knopfähnliche Erhöhungen, die bei dem gut erhaltenen Tier sehr deutlich zu unterscheiden
waren; beim anderen war der Uterushals beschädigt, doch ließen sich auch hier Spuren
dieser Knöpfchen erkennen. Der walzenförmige Penis umschloß eine glatte, leicht
gebogene, nach vorn sich verjüngende 5 mm lange Glans. Die drei Teile des Blasenstiels
waren 6 : 27 : 41 mm lang; beim anderen Tiere war der Blasenkanal defekt und die Bursa
abgerissen. Im Atrium ein kleiner rundlicher Reizkörper. Der Pfeil war zerbrochen und
konnte nicht gemessen werden.
Die andere Chilostoma-Form der Ostschweiz ist die als Hel. rhaetica Mss. bekannte
Schnecke, von der ich bereits früher (1931, S. 76) einige Tiere aus dem Engadin untersucht
und beschrieben habe. Inzwischen bekam ich davon noch zwei in Alkohol konservierte
Exemplare aus dem schweizerischen Nationalpark (leg. M e r m o d ) und ein ihr testa-
ceologisch sehr ähnliches lebendes Tier italienischer Provenienz, von Ballabio im Valsas-
sina (leg. A l z o n a ) , über das ich hier kurz berichten will.
Gehäuse von dem der H. cisalpina leicht zu unterscheiden; es ha t anstatt des dunkel
kastanienbraunen Bandes zwei etwas mattfarbige, aber doch deutlich erkennbare, ziemlich
breite bräunliche Bänder, und am letzten Umgange eine stumpfe Kante, die aber gegen die
Mundung zu verschwindet. Nabel weit, durch den Spindelumsehlag ein wenig verdeckt;
Mundränder genähert, die Insertionsstellen 6,5 mm von einander entfernt. Bei 5 Umgängen
mißt das Gehäuse 27 :14,5 mm.
T i e r : Kopf und Rücken schwarzgrau, mit deutlicher Naekenleiste, Seiten und
Schwanzende heller, Sohle schmutzigweiß mit hellgrauen Rändern. Mantel weißlich am
Rectum entlang etwas dunkler, nicht gefleckt. Rechter Nackenlappen ohrförmig, 4 mm
lang; vom linken ist das obere Teilstück 1 ,2, das untere 6 mm lang, beide 8 mm von ein-
ander entfernt.
K i e f e r 2,54 mm breit, 1,08 mm hoch, mit 4 deutlichen Leisten besetzt, eine fünfte
angedeutet.
Genol t ^ ! i e n : Eiweißdrüse hel1 orange, sonst keine Spur von Pigment; Prostata
ganz weiß. Glandulae mucosae 23 mm lang, nahezu zylindrisch, nach der Spitze zu nur
ganz wenig verjüngt. Die drei Teile des Blasenstiels maßen 4,5 :31:52 mm- Divertikel in
der Mitte wesentlich stärker als an den beiden Enden. Das Flagellum nur am vorderen
Ende etwas gekräuselt, sonst glatt, dünn, nach hinten spitz zulaufend; es hat die doppelte
Lange von Penis + Epiphallus, 26:13 mm. Penis eiförmig verdickt, mit schlanker 2,5 mm