
Subfam. Fruticicolinae.
Hygromia cinctella D r a p .
ha t nach A d . S c hm id t (1852) nur e i n e n Pfeil, während W a g n e r (1915, S. 494, Taf. 24,
f j gg a g) ihr zwei Pfeile zuschreiht und attch beide abbildet. Bei Untersuchung mehrerer
Exemplare von Limbiate (leg. A l zo n a ) fahd ich S chm id t s Angabe zutreffend. Herr
Dr. P f e if f e r , der die Art im Terrarium hielt, teilte mir mit, daß er den Begattungsvorgang
beobachten konnte, und daß dabei der Pfeil abgeschossen wurde. Diese Feststellung
ist nicht ohne Interesse, da wir über die Copula der Frutieicolen nur sehr mangelhaft
unterrichtet sind, und von manchen Autoren das Ausstößen der Pfeile bezweifelt wurde.
Subfam. Thebinae.
Ashfordia kusmici C l e s s t n , 1887. Taf. 7, f. 59.
Helix [Trichia] kusmici, C le s s in , Malak. Bl., N .F. 9, 1887, S. 51 flESjW e s t e r l u n d ,
Fauna pal. II, 1889, S. 63 — K o b k i.t, 1891, Ic. II, 5, ,723 (auf der Tafel Hel. Cuzmxchn).
Alle hier zitierten Beschreibungen betonen, daß das Gehäuse dieser. 'Bohneoke nicht
behaart ist, sondern eine eigenartige schuppenähnliche Oberfläehenskulptur aufweis| | j i ch
zweifelte deshalb schon immer an der Zugehörigkeit der Art zum Genus Trichia H a r t m .,
hatte aber erst im vorigen Jah re Gelegenheit, mir lebende Exemplare zu verschaffen, die
Herr Dr. P f e i f f e r in Dalmatien bei Cattaro und Lacroma sammelte und mir in dankenswerter
Weise überließ. Leider waren die meisten Tiere noch jugendlich; n ur eins von
Cattaro erwies sich als geschlechtsreif, nnd das Ergebnis der Untersuchung war überraschend.
Es zeigte sich, daß die Schnecke zur Subfamilie Thebinae gehört und zunächst
verwandt ist mit der englischen Ashfordia granulata A d d e r ,
Ti e r : Kopf und Nacken rotbraun mit deutlich unterscheidbarer Nackenleiste; Sohle
gelblich, mit dunkelgelben Bändern. Mantel weißlich, mit kleinen sehwarzbraunen P u n k®
flecken gezeichnet; am Vorderende eine schmale braungelbe Zone. Die Fleckenzeichnung
setzt sich, etwas abgeschwächt, auch auf der weißlichen Niere fort. Pericard 3,5, Niere
9 mm lang, ihre Spitze 9 mm vom Mantelrande entfernt.
K i e f e r halbmondförmig, durchscheinend, fast farblos, mit mehr als 20 zarten Ripp-
chen, am konkaven Rande nicht vorspringend. Breite 1, Höhe 0,32 mm.
R a d u l a 3,24 mm lang, 1,08 mm breit, mit 163 Querreihen, zirka 30 Zähne in der
Halbreihe. Mittelzahn dreispitzig, doch sind die Nebenspitzen nur schwach angedeutet und
rudimentär. An den ersten Seitenzähnen ist eine winzige äußere Nebenspitze zu erkennen,
sie tr itt aber erst vom 6.—7. Zahn an deutlich in die Erscheinung. Etwa beim 20. Zahn
beginnt die Spaltung der Hauptspitze; nahe dem Rande sind die Zähne vierzackig, da auch
die Nebenspitze sich spaltet.
Ge n i t a l i e n bemerkenswert durch das gänzliche Fehlen des Pfeilapparats und
den unverhältnismäßig langen Penis, der den zylindrischen Epiphallus an Länge übertrifft.
Flagellum dünn, spitz zulaufend, 2 mm lang. Retractor ziemlich kräftig, an der
vorderen Hälfte des Epiphallus sitzend, sein distales Ende am Diaphragma angeheftet.
Um sicher zu sein, daß ich die untersuchte Schnecke richtig bestimmt habe, verglich
ich die Gehäuse mit den Originalexemplaren in C l e s s i n s Sammlung, die ich durch gütige
Vermittlung des Herrn H. W Ä G E L E in Stuttgart zur Ansicht erhielt, und konnte deren
vollständige Übereinstimmung mit dem von mir untersuchten Material feststellen. Auf
C l e s s i n s Etiketten lautet der Name Hel. kusmichi. Nach W e s t e r l u n d soll auch Hel. mat-
hildae (K l e c .) W s t l d . [Jahrb. D. M. G. 8 , 1881, S. 8] mit kusmici CL E SS . identisch sein.
Theba martensiana T i b e r i . Taf. 7, f. 60 a—e.
Meine früheren Mitteilungen über diese A rt (1931, S. 35) kann ich jetzt ergänzen, da
ich Gelegenheit fand, drei Tiere einer größeren Form von Tagliacozzo unweit Avezzano
(Abruzzen) und zwei kleinere vom Monte Ingino bei Gubbio (Umbrien) zu untersuchen (leg.
A lzona).-Die Gehäuse der Abruzzen-Form haben 6 Umgänge, 17—20 mm gr. Durchm.
und 10—13 mm Höhe.
Ge n i t a l i e n : Das Flagellum ist ungefähr von gleicher Länge wie der zylindrische
Epiphallus; der geschwollene länglich-ovale Penis ist 4,5—5,5 mm lang. Die 7 mm langen
Glandulae mucosae bestehen aus 3—4 Büscheln von insgesamt 9— 11 zylindrischen oder
kolbig verdickten Zweigen; Uterushals immer kürzer als die Vagina. Die Appendicula, 15
bis 23 mm lang, verjüngt sich allmählich von vorn bis hinten und endigt mit einer Spitze.
Die kleine Form von Umbrien zeigt einen etwas abweichenden Befund. Das Gehäuse
hat nur 5% Umgänge und 16—17,5 mm gr. Durchm., und dürfte der Form entsprechen,
die K o b e l t als Hel. apennina P o r r o bezeichnet, über deren Artberechtigung aber die
Meinungen geteilt sind. Der anatomische Befund ergibt zwar einige Abweichungen gegenüber
der Form von Tagliacozzo, aber sie scheinen mir nicht ausreichend, um eine spezifische
Trennung zu rechtfertigen; das jetzt vorliegende knappe Material erlaubt jedenfalls
kein sicheres Urteil. Die Appendicula ist nur 13—14 mm lang; ihr hinteres Ende ist, nach
einer m. o. w. deutlichen Einschnürung, kolbig verdickt; die Bursa ha t eine annähernd
dreieckige Form.
Theba anconae I s s e l .
Ich erhielt eine Anzahl Exemplare mit der Fundortsangabe Bologna (leg. A l zo n a )
und konnte bei Untersuchung des Tieres keinen nennenswerten Unterschied gegenüber
der Th. cantiana feststellen. K o b e l t ( I c. I , 5, 1208) kam auch beim Vergleich der Gehäuse
zu dem Ergebnis, daß sie unbedenklich als Lokalvarietät von cantiana anzusehen ist.
Subfam. Helicodontinae.
Drepanostoma camerani L e s s o n a . Taf. 7, f. 61 a, b.
habe ich früher (1931, S. 47) nur nach einem einzigen konservierten Exemplar besprochen.
Ich erhielt seitdem eine Anzahl lebender Tiere vom Ponte di Pinchiolo, Valle del
Cervo (Piemont), 1000 m (leg. A l z o n a ) und kann danach die s. Zt. gegebene Beschreibung
ergänzen.
K i e f e r halbmondförmig, horngelb, 0,6— 0,75 mm breit, 0,27 mm hoch, mit 12 bis
15 zarten Leistchen besetzt.
R a d u l a 2,7 mm lang, 0,8—0,92 mm breit, 190 Querreihen, 22 Zähne in der Halbreihe.
Mittelzahn einspitzig, ebenso die ersten Seitenzähne. Beim 8. Zahn tritt eine kleine
äußere Nebenspitze auf, die sich weiterhin vergrößert, zunächst einen zweiten, und gegen
den Rand hin zuweilen einen dritten Zacken ansetzt. Beim 10. Zahn erfolgt die Spaltung
der Uauptspitze, so daß am Rande die Zähne 4—5 Zacken haben.