
ciscus rutilus, Blicca björkna und wahrscheinlich auch Scardinius erythrophthalmus enthielten
encystierte Metacercarien, die morphologisch mit solchen von Opisthorchis übereinstimmten.
Durch die gründlichen Untersuchungen CiUREAS war der letzte Abschnitt der Opi-
si/iorcJm-Entwicklung, d. h. die Entwicklung von der vollausgebildeten Metacercarie bis
zum geschlechtsreifen Wurme klargestellt worden. Der vorausgehende Teil der Entwicklung
blieb aber bisher gänzlich unbekannt. Der Fisch konnte selbstverständlich nu r den
zweiten Zwischenwirt darstellen. Der erste Zwischenwirt war, wie bei allen digenetischen
Trematoden, unter den Weichtieren zu suchen, in diesem Falle ohne Zweifel unter den
Süßwasser-Mollusken. Meines Wissens ist bisher nur von B ra u n (1893) ein Versuch mitgeteilt
worden, die 0 pisthorcMs-Entwicklung in einer Schnecke zu verfolgen. B ra u n ließ
junge Limnaea stagnalis zahlreiche ausgereifte Eier von 0. felineus fressen. „Die Untersuchung
der Faeces ergab auch, daß nach dem Passieren des Darmes zahlreiche Eier ihren
Deckel verloren hatten, aber vergeblich wurde in den Geweben solcher Schnecken nach
Sporocysten gesucht — es werden also andere Arten in Betracht gezogen werden
müssen“ *). A skanazy (1906) ha t an Dreissena gedacht. „Bemerkenswert erscheint übrigens,
daß ich im Darm der Tapare öfters zahllose Muschelstückchen an tra f (Dreissena),
die vielleicht den Weg der Infektion der Tapare anzeigen“ *). Wenn auch die Annahme
A skanazys, daß die Infektion der Fische vielleicht durch den Magendarmkanal erfolgt,
nach den neueren Erfahrungen über die Entwicklung von Clonorchis und anderen Trematoden
wenig Wahrscheinlichkeit besitzt, so schien es doch nicht gänzlich ausgeschlossen,
daß eine Muschel den ersten Opisthorchis-Zwischenwirt abgibt. Auch ich habe in meinen
Versuchen vorübergehend Dreissena mit in Betracht gezogen, wenn auch vorwiegend aus
einem anderen Grunde als A skanazy.
Neben der Feststellung des unbekannten ersten Zwischenwirtes harrten noch eine
Reihe anderer Fragen der Lösung. Wie erfolgt die Infektion des Wassermollusken? Wie
spielt sich die Entwicklung in der Schnecke ab? Wie sieht die Opisthorchis-CercaTie aus?
Wie erfolgt der Befall des Fisches? Werden von den Cercarien bestimmte Fische ausgewählt
und andere verschmäht? Und schließlich wie gestaltet sich die Entwicklung von der
Cercarie zur reifen Metacercarie im Fisch? Die Lösung all dieser Fragen war Aufgabe
vor Jahren begonnener Untersuchungen, die jetzt mit der experimentellen Darstellung
des gesamten Entwicklungszyklus vom Opisthorchis-Ei bis zum erwachsenen Wurme einen
gewissen Abschluß gefunden haben. Auch innerhalb des bereits bekannten letzten Entwicklungsabschnittes
waren noch einige interessante Fragen zu lösen. Unter welchen Bedingungen
erfolgt die Excystierung der Metacercarie? Auf welchem Wege wandert sie vom
Darme zur Leber? Welche Tierarten lassen sich mit Opisthorchis infizieren? (Wirtspezifität.)
Kann der Katzenleber egel auch in gewissen Vogelarten leben, in denen bekanntlich nach
Looss Opisthorchis-Formen Vorkommen, die von 0 . felineus morphologisch nicht zu unterscheiden
sind? Welche Beziehungen bestehen zwischen der Lebensweise des Parasiten, insbesondere
seiner Ernährungsweise und den pathologischen Vorgängen in der Leber des Wirtes?
*) In einigen Lehrbüchern über Parasitologie werden mit mehr oder weniger Bestimmtheit als erste Zwischenwirte
für 0 . felineus Limnaea stagnalis oder auch Dreissena polymorpha angegeben. In einem der Bücher steht sogar:
„The ova hatch within the body of the snail (!) Dreissena polymorpha“. Diese irrtümlichen Angaben gehen offenbar
einesteils auf die oben zitierte Bemerkung B r a u n s zurück, aus der aber meines Erachtens eher zu entnehmen
ist, daß L. stagnalis gerade n i c h t als Zwischenwirt in Frage kommt, anderseits auf den anschließend zitierten Satz
A s k a n a z y s , der auch nicht mehr als eine sehr vorsichtig geäußerte Vermutung bezügl. Dreissena enthält.
II. Gang der Untersuchungen und Experimente.
Met h o d i k : Zwei Wege standen zur Auffindung des ersten Zwischenwirtes und der
Cercarie von Opisthorchis felineus offen. Der eine bestand darin, die Schnecken eines Gebietes,
in dem der Pa rasit häufig ist, auf „verdächtige“ Cercarien zu untersuchen. Durch
F a u s t und K h a w s Untersuchungen ist die Cercarie von Clonorchis sinensis, eines sehr
nahen Verwandten unseres Katzenleberegels, bekannt geworden. Da nun verwandte Trematoden
erfahrungsgemäß sehr weitgehend übereinstimmende Cercarien zu besitzen
pflegen, so ließ sich schon von vornherein ein Bild entwerfen, wie die Opisthorchis-Cercarie
ungefähr aussehen mußte. Es war eine Cercarie mit 2 pigmentierten Augenflecken,
mit Bohrdrüsen, Cystogen-Zellen und einem Ruderschwanz zu erwarten, der mit feinen
Membranen versehen ist. Die wahre Natur der Cercarie wäre dann durch Experimente
an Fischen und Verfütterung derselben an Katzen sicherzustellen. Der zweite Weg bestand
darin, systematisch alle die Molluskenarten, die in einem Opisthorchis-Gebiete heimisch
sind, auf ihre Empfänglichkeit gegenüber einer Opisthorchis-Invasion durchzuprüfen;
d. h. sie einer experimentellen Infektion mit Opisthor chis-Fiern auszusetzen und später
auf die Entwicklung von Sporocysten, Redien und Cercarien zu kontrollieren. Beide Arbeitsmethoden
wurden im Laufe der Untersuchungen angewandt.
Im Herbste 1928 konnte ich, einer Einladung Herrn Dr. S z i d a t s nach Ostpreußen
folgend, 6 Wochen auf der von ihm geleiteten zoologischen Station für Schädlingsforschung
in Rossitten auf der Kurischen Nehrung arbeiten und hatte auch Gelegenheit, dort die
„klassischen“ Opisthorchis- Dörfer an der Landseite des Kurischen Haffes auf zusuchen, aus
denen die Mehrzahl der Opisthorchis-Patienten A s k a n a z y s und R i n d f l e i s c h s gestammt
hatte. Wie in einer früheren Mitteilung (1929) bereits erwähnt, waren meine Bemühungen,
in dortigen Schnecken Opisthorchis-CercsLrien aufzufinden, ergebnislos. Ich habe seitdem
den zweiten Weg eingeschlagen und in den Jahren 1929, 1931 und 1932 in Hamburg
zahlreiche Versuche ausgeführt, in denen Mollusken einer Infektion mit 0 pisthor chis-
Eiern ausgesetzt wurden.
Während meines kurzen Aufenthaltes im ostpreußischen Opisthorchis-Gebiete hatte
ich einen Überblick über die dortige Wassermollusken-Fauna bekommen. In den Gewässern
des Dorfes Inse und seiner nächsten Umgebung hatte ich folgende Schnecken angetroffen:
Limnaea stagnalis, Badix ovata, Radix ampla, Staqnicola palustris, Amphipe-
plea glutinosa, Physa fontinalis, Coretus corneus, PI. planorbis, mehrere kleine, nicht bestimmte
Planorbiden, Bithynia tentaculata, B. leachi, Vivipara vivipara, V. fasciata, Val-
vata piscinalis und Neritella fluviatilis; an Muscheln ferner noch: Dreissena polymorpha
und Arten der Gattungen Anodonta, XJnio. Sphaerium und Pisidium. Wenn diese Liste
wegen der Kürze der Sammelzeit auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben
konnte, so war doch mit einiger Sicherheit zu erwarten, daß sie den 0 pisthor chis-Zwischen