
organs noch eine weite Strecke nach hinten verlaufen, ehe er in der Gehirnmasse verschwindet
(Tafel IV Fig. 7 Est.).
Der T h a lam u s (Taf. I Fig. 4, 5 Th.) wird in der Hauptsache durch die Pedunculi cerebri
gebildet und liegt zwischen der Pars peduncularis des Mittelhirns und den Corpora striata partis
peduncularis des Vorderhirns. Eine Grenze zwischen Thalamusteil und Basalteil des Mittelhirns
lässt sich nicht ziehen. „Es gehen hier Zwischen- und Mittelhirn unmittelbar ineinander über“
(Edinger 1896 pag. 8, Abbl. üb. d. Zwischenh. d. SeL). Der Thalamus begrenzt mit seinen inneren
Seitenwänden den schlitzförmigen V e n t r i c u l u s t e r t i u s . An seiner äusseren Wandung befindet
sich jederseits ein bei Argyropelecus m ä c h t ig e n tw i c k e l t e r , s o l i d e r W u lst, den
B. Haller (1898 pag. 598 und Fig. 19—22, 34 u. 35) bei Salmo fario, wo er viel geringer ausgebildet
ist, als L o b u s l a t e r a l i s b e z e i c h n e t . Er soll nach seiner Ansicht ein differenzierter,
dorsaler Teil des mit einem Hohlraume ausgestatteten Lobus inferior sein (Taf. I Fig. 2, 3, 5, 6,
7, 8 LI. u. Li.). Ich kann mir einen genetischen Zusammenhang zwischen den beiden verschiedenen
Lobi nicht vorstellen und b in v i e lm e h r d e r M e in u n g , d a s s d e r L o b u s l a t e r
a l i s e in G e b i ld e s u i g e n e r i s ist* e in P r o d u k t d e r V o l u m z u n a h m e d e r
im T h a l a m u s b e f i n d l i c h e n S e h z e n t r e n , i n f o l g e d e r e x c e s s iv e n A u s b i l d
u n g d e r A u g e n .
D e r H y p o th a lam u s o d e r In fu n d ib u la rte il (Taf.IFig. 2, 3, 5,6,7,8 Hth.) bethätigt sich
auch bei Argyropelecus mit seinen Ausstülpungen sehr wesentlich an der Bildung der Hirnbasis.
Nach vorn zu grenzt er durch das C h i a sm a an das Vorderhirn. D ie S e h n e r v e n k
r e u z u n g b i l d e t h i e r n u r e in e l e i c h t e A n s c h w e l l u n g , a u s d e r d ie g e w a l t
i g e n N. N. o p t i c i i h r e n U r s p r u n g n e hm e n . Nach hinten schliesst sich an das
Chiasma das I n f u n d i b u l u m an. Als untersten Teil desselben finden wir den auch bei
Argyropelecus drüsig gebildeten S a c c u s v a s c u l o s u s (Taf. I Fig. 2, 3, 7, 8, 9 Sv.) und unter
ihm die H y p o p h y s e (Hy.). Vorn steht jener durch die mittlere dreier, kleiner Ausbuchtungen
des sich bis in seine hinterste Spitze ausdehnenden Hohlraumes im Infundibularteil (Ventriculus
tertius) mit der Hypophyse dadurch in Verbindung, dass die zapfenförmige Ausstülpung sich in
ihr Gewebe einsenkt (Taf. I Fig. 7 Sv. Hy.) Nach Rabl Rückhard’s Angaben (1883 pag. 314) ist
bei der Forelle zwischen beiden kein Zusammenhang. Ferner findet sich in der seitlichen Innenwandung
des Infundibulums jederseits noch eine lang ausgezogene, enge Buchtung vor, welche
die Seitenwand nach aussen wulstartig emporwölbt und so den schon oben erwähnten L o b u s
in f e r i o r bildet. (Taf. I Fig. 2, 3, 7, 8, 9 Li.) . (Stieda 1868 pag. 42 u. 43.) Sowohl der Saccus
vasculosus als auch die Lobi inferiores erstrecken sich bis unter den basalen Teil des Mittelhirns
nach hinten.
Das Mittelhirn (Mesencephalon) stellt bei Argyropelecus den Hirnabschnitt dar, der
am mächtigsten zur Entfaltung gekommen ist (Taf. I Fig. 1, 2, 3 MH.). Er besteht aus den
L o b i o p t i c i , a u c h T e c t u m o p t i c u m genannt, und den durch die P e d u n c u l i c e r e b r i
g e b i l d e t e n B a s a 11 e i 1 (Taf. I Fig. 4, 5, 6, 7 Lop.). Die beiden Lobi dieses Fisches, welche
den Corpora bigemina höherer Vertebraten entsprechen, werden von einer verhältnismässig viel
mächtigeren Hirnmasse aufgebaut als diejenigen z. B. von Salmo fario (vergl. B. Haller’s
Zeichnungen 1898 Taf. XIV). Diese Zunahme der Hirnsubstanz ist lediglich auf die excessive
Ausbildung der Augen zurückzuführen und bethätigt sich hauptsächlich auf Kosten des Raumes
innerhalb der Lobi optici.
Zwischen die mesialen Flächen der beiden Wölbungen des Tectum opticum schiebt sich
bei Argyropelecus der T o r u s 1 o n g i t u d i n a 1 i s (Taf. I Fig. 4, 5, 6 Tlo.) und bildet den Boden
der mittleren, äusseren Längsfurche des Tectum. Während er sich nun bei Salmo fario (B.
Haller 1898 Taf. XIV tl.)?aus zwei miteinander in ihren oberen Teilen verbundenen Wülsten zusammensetzt,
die ihrer ganzen Länge nach in den Hohlraum der Lobi optici hineinragen,
besteht er bei Argyropelecus aus einem einfachen Wulst, der während seines ganzen Verlaufes
wie eingekeilt zwischen den mesialen Flächen der beiden Lobi liegt (vergl. auch Stieda 1868
Taf. I Fig. 29 Bf. u. Taf. II Fig. 29 A f R |
Im Boden des durch die Lobi optici gebildeten Hohlraumes, in der Pars peduncularis
des Mittelhirns, beginnt gleichfalls eine L ä n g s fu r c h e, welche bei Argyropelecus während
ihres Verlaufes nach hinten zunächst mit dem hinteren Teile des Ventriculus tertius kommuniziert
und dann als Aquaeductus unter dem Kleinhirn verlaufend in den Ventriculus quartus
mündet (Taf. I Fig. S—10. Lf.). Nach Stieda's Beschreibung (1868 pag. 25) verliert sich dagegen
bei Gadus Lota merkwürdigerweise diese Längsfurche bereits unter der Valvula cerebelli.
Nach dieser Schilderung fährt dann der Forscher folgendermassen übereinstimmend mit den
Verhältnissen bei Argyropelecus fort: „Seitlich von dieser Längsfurche erhebt sich jederseits der
Boden der Höhle (4- also die Ventrikelfläche der Pars peduncularis zu einem mit der Concavität
nach innen gekrümmten Wulst, Torus semicircularis Halieri (Taf. II Fig. 19).. - Beide Wulste umfassen
so gleichsam die dazwischen hineingeschobene Valvula cerebelli“ -4 (Xaf. I Fig. 6, 7 Tse.).
Bei Salmo fario scheint' der Torus semicircularis nur wenig entwickelt zu sein (B Haller 1898
Taf. XIII, XIV p.).
Das Hinterhirn (Metencephalon, Cerebellum, Kleinhirn) weist von aussen betrachtet
infolge der oben geschilderten Gründe einen vom Physostomentypns abweichenden Bau auf
|(Taf. IFig. 1, 3HH). E s b e s t e h t b e i A r g y r o p e l e c u s a u s e in em p a a r i g e n u n d
e in em u n p a a r i g e n T e i 1. Der paarige Teil wird gebildet durch 2 seitliche hinter den Lobi
optici gelegenen, von oben nach unten langgestreckten Wülsten, zwischen deren mesialen, abgerundeten
Flächen im oberen Abschnitte der unpaare, höckerförmige Teil emporragt (Taf. I
Fig. 1, 3 Tl-.u. C tr .||||
Unterziehen wir nun diese Teile einer Untersuchung auf Querschnitten (Taf. I Fig. 8 9
Tl. u. Ctr.), so. finden wir folgendes: alle drei nach aussen hin getrennt erscheinenden Hervorwölbungen
hängen innig untereinander zusammen und bilden ein Ganzes. Der mittlere, unpaare
Höcker (Ctr.) des Argyropelecus ist der an die Oberfläche ragende Stammteil, der bei Salmo
fario (B- Haller Taf. XII Fig. 1, 2; Taf. XIII Fig. 7, 8, 9; jenen unpaaren, sich weit über das
Nachhirn legenden Wulst darstellt. Jene seitlichen Wülste des Argyropelecus entsprechen z u m
« r o s s e n T e i l e den bei Salmo fario von Haller als Corpora restiformia bezeichneten Wülsten
(Taf. XII Fig. 1, 2 er.; auf Fig, 7, 8, 9, der Taf. XIII hat der.Forscher die Bezeichnung für die
kleinen, seitlichen Höcker am Stammteil des Kleinhirns weggelassen). Ich bin nämlich der
Meinung, dass bei Argyropelecus eine Vergrösserung der Seitenwülste auf Kosten des Stammteils
stattgefunden hat, inwieweit sich aber letzterer an ihrem Aufbaue beteiligt hat, konnte
ich nicht ermitteln. Schon Camper (1774 pag, 181) beschreibt bei Fischen die Gestalt des Kleinhirns
mit folgenden, genau auf diejenige des Argyropelecus passenden Worten: „Le cervelet
forme une ' espèce de cone tronqué qui a deux tubérosités latérales unies avec le cervelet.“
Auch Arsaky (1813 pag. 19) äussert sich in diesem Sinne: „Hoc monente Cuviero, semper azygon
Zoologica. Heft 32. n