
lebens ziemlich gut erhalten, nur eine geringe vertikale Streckung des Organs wird durch
die einengenden Rumpffalten bewirkt. Aber auch m dem jungen Wurm finden wir nach
der Metamorphose Klappe wie Enddarm im Verhältnis zu Schlund und Magen wenig verändert,
sowohl der Länge, als dem Aussehen der einzelnen Zellen nach. Immer noch zeichnen
diese sich durch ihren Inhalt an stark färbbaren Körnchen, Brocken und Vakuolen aus, sowie
durch den Besatz mit langen kräftigen Cilien.
So scheint es also zunächst, als ginge dieser Teil des Darms im Gegensatz zu den beiden
übrigen Abschnitten unverändert in die Organisation des Wurmes über. Bei näherer Betrachtung
aber findet sich folgendes: f l Der histologische Habitus des Enddarmepithels ist bei jungen
und bei reifen Larven ziemlich derselbe, in der Zwischenzeit aber, bei mittelalten Larven
(von 2—3 ventr. Sekundärfalten), erscheinen häufig die Cilien spärlicher und dünner, die Zellen
und Kerne lockerer und heller, während die charakteristischen Körnchen stellenweise ganz verschwinden.
2. Zur selben Zeit etwa sieht man zwischen den wabigen Epithelzellen kleine,
dunklere Zellen, zu Gruppen von 3—7 vereint, sich von aussen einkeilen, mit Vorliebe an den
Kanten des von den Rumpffalten viereckig zusämmengedrückten Enddarms (z. B. Taf. IX,
Fig. 2 c). Diese Zellen besitzen sehr dunkel tingierbare längliche Kerne, sie dringen nicht
selten bis zum Lumen des Darmes vor. Auf einem älteren Stadium sind die keilförmigen
Gruppen verschwunden und es scheint, als hätten ihre Zellen sich zwischen den gewöhnlichen
Epithelzellen verteilt, denn man sieht zwischen diesen hier und da dunklere Zellen liegen,
vor allem treten die kleinen länglichen dunklen Kerne deutlich zwischen den kugligen blassen
Epithelkernen hervor. Nunmehr wird das histologische" Bild dieses Darniteils überhaüpt
„frischer“, es erscheint wieder ein dichtes und straffes, mit Eisenalaun dunkel tingierbares
Cilienkleid, Plasma und Kerne lassen schärfer ausgeprägte Struktur erkennen und massenhaft
sind wieder die dunklen Niederschläge, sowie die Verdauungsvakuolen in allen Zellen vorhanden.
Wir müssen noch dahingestellt sein lassen, inw iew e it jenen dunklen Keilzellen diese
Renovierung zuzuschreiben ist, ob etwa auch hier die alten Enddarmzellen von den neuen ersetzt
sind, ob sie etwa- ganz allmählich zurückgedrängt und resorbiert werden. Auf jeden Fäll
spielen die Keilzellen eine Rolle bei dem Aufbau des definitiven Enddarms, nur die Klappe
scheint von ihnen unberührt zu bleiben, sie geht jedoch auch später dem Wurm verloren:
Woher stammen nun diese Zellen? An der Aussenseite des Darmes, von welcher her
sie sich eindrängen, finden wir ausser sehr spärlichen Mesenchymzellen (Taf, VIII, Fig. 2 A)
den M e so b la s t, und zwar am Enddarm besonders in Form der Adanalpolster. Mit diesen
Zellen nun zeigen sich die Keilzellen auf vielen Schnitten direkt verbunden, so dass es scheint,
als ob es solche Mesoblastzellen selbst wären, die sich zwischen die Enddarmzellen einkeilten.
Dabei sieht man aber im adanalen Mesoblast, in den Keilzellen, sowie zwischen beiden, gar
nicht selten Mitosen, sodass also die letzteren Zellen von den ersteren produziert würden.
Dafür spricht auch die grosse Ähnlichkeit von Zellleib und Kern auf beiden Seiten, ferner
der Umstand, dass ganz zu Ende des Larvenlebens-auch die Adanalzellen mehr und mehr verschwinden.
Die Metamorphose.
Wir sahen, dass auch die völlig ausgebildete Wurmanlage von der Larvenhaut ganz
umschlossen ist und von deren Cilienapparat freischwebend an der Meeresoberfläche getragen
wird. Nur die Ernährungsfähigkeit der reifen Larve scheint minimal zu sein. Der Mund und
Afterdarm sind in voller Umbildung und der Magen ist so sehr durch die "Wurmmasse komprimiert,
dass er kaum passierbar erscheint. Wie lange die Larven in diesem Zustand — der
physiologisch in manchem an einen Püppenzustand erinnert — verharren, entzieht sich der
Beobachtung, die Thatsache, das man g a n z reife Larven relativ selten findet, deutet auf ziemlich
kurze Dauer. Häufiger findet man allerdings junge Würmer im Planktonglas, diese können
zum Teil sehr wohl erst während des Anlandbringens des Fanges metamorphosiert sein, da
A . ' B .
Mu. retra cto r
./ 24. D ie B erü h ru n g sp u n k te von K opf, R um p f u n d S tom a (a—f) bei der, L a rv e u n d beim W urm ,
das „Ausschlüpfen“ des jungen Polygordius nur sehr kurze Zeit, wahrscheinlich .im günstigsten
Falle nur wenig|> Minuten erfordert. Je rascher die Metamorphose vor sich geht, desto besser
gelingt sie, Schon wenn .sie über Vs Stunde erfordert, deutet das auf nicht|gpllige Reife ödet
Frische ¡der betreffenden Larve und disponiert stark zu allerlei Abnormität«^!:
Man vergegenwärtige sich aber auch, wie schwierig und kompliziert dieser Vorgang sein
muss. Die reife Larve enthält zwar, wie es scheint, a lle Zellen und Fasern des Wurmes;
neue Teilungen und Bildung neuer Fasern etc. werden während der Metamorphose nicht beobachtet,
es wäre , ja auch kaum Zeit zu Neubildungen. Aber diese Bausteine des Wurmorganismus
liegen in von ihrer definitiven Anordnung ganz abweichender, provisorischerWeise
verteilt und viele nahe zusammengehörige Stücke liegen weit auseinander.
Man denke nur z. B. daran, wie weit der Hinterrand des Wurmkopfes von den in vier
Teilen nach dem After zu ungeschlagenen, ’ zugehörigen Rändern des Wurmleibes, mit welchen
beim Ausschlüpfen verlötet, entfernt ist (Taf. VII, 5). Oder daran, dass gleichzeitig aus dem
kurzen — nicht mit der Wurmanlage aufgefalteten -4 Larvendarm der lange Wurmdarm wird,
den auch sogleich die Dissepimente, deren eigentümliche Topographie wir oben betrachteten,
intersegmental umschliessen sollen.
Den letzten Anlass zu diesem rapiden, auch durch die Actinotrocha-Metamorphose nicht
erreichten Verwandlungsprozess giebt, wie es scheint, die gefaltete Längsmuskulatur deren
Zoologie». Heft 34. ’