
diesen Segmenten gewinnen sekundär eine präorale Lage, während ihre Ganglien sich dem
Svncerebrum anfügen, drei von diesen Segmenten (Mandibelsegment, erstes und zweites Maxillensegment)
behalten die postorale Lage bei, während ihre Ganglien untereinander zum Suboeso-
phagealganglion verwachsen. Die übrigen Metameren des Körpers bleiben im wesentlichen
unverändert. Dies gilt auch im grossen und ganzen für das Kieferfusssegment, das durch
sein gesondertes Bauchganglion, sowie durch die Nichtbeteiligung seines Tergits an der Bildung
der dorsalen Lamina cephalica den zum Cephalon verwachsenen vorderen Metameren
gegenüber seinen Charakter als „Rumpfsegment“ dokumentiert.
Im vorhergehenden Abschnitt habe ich bei Besprechung des Insektengehirns bereits auf
die ausserordentliche Ähnlichkeit desselben mit dem Myriopodengehirn hingewiesen, welche
zusammen mit den vielfachen Übereinstimmungen in der ganzen übrigen Körperorganisation aut
eine ziemlich nahe Verwandtschaft namentlich zwischen Chilopoden und Insekten schliesen lässt.
Wie bei Scolopendra so finden sich auch bei den Insekten am Kopf ein Antennensegment,
ein Intercalarsegment1), ein Mandibelsegment und zwei Maxillensegmente vor. Es fehlt
den letzteren dagegen ein besonderes Präantennensegment, welches bisher jedenfalls noch niemals
nachgewiesen worden ist. Präantennale Höcker wurden freilich auch schon bei Insektenembryonen
beschrieben, namentlich bei Hymenopterenembryonen, doch muss der Gliedmassencharakter
dieser Höcker solange fraglich bleiben, bis zugehörige Cölomsäckchen und Ganglionanlagen
festgestellt werden können, was bisher noch niemals geschehen ist.
Der gesamte vor dem Antennensegment gelegene vordere Körperabschnitt besitzt aber
bei den Insektenembryonen ein völlig abweichendes Aussehen im Vergleich zu dem entsprechenden
Teil der Scolopenderembryonen. Er besteht bei ersteren nur aus zwei grossen scheibenförmigen
Kopflappen (Scheitellappen), die median mittelst der zum Clypeus werdenden Partie
Zusammenhängen aber keine Gliederung in zwei hintereinander folgende Abschnitte mehr erkennen
lassen.
Da das Antennensegment und Intercalarsegment samt ihren Ganglien (Deuterocerebrum,
Tritocerebrum) bei Myriopoden und Insekten sich vollkommen entsprechen, so bleibt nur die
Annahme übrig, dass das Präantennensegment, welches sogar bei Scolopendra nur eine ephemere
Bedeutung noch besitzt, bei den Insekten selbst embryonal nicht mehr hervortritt, sondern
bereits gänzlich als selbständiges Metamer zu Grunde gegangen is t, indem es sich mit dem
Acron vereinigt hat. Infolge dessen kommen bei den Insekten die soeben erwähnten beiden
Kopf lappen zustande, und der gesamte ungegliederte, in meiner Segmentierungsarbeit (1895)
als Kopfstück oder primäres Kopfsegment bezeichnete, Abschnitt ist bei ihnen homolog dem
Acron + Präantennensegment von Scolopendra.
Hieraus geht hervor, dass ich den von Janet (1898) entlehnten und sehr bezeichnenden
Ausdruck „Acron“ (im Gegensatz zum „Telson“) in etwas abweichender Weise gebrauche,
als dies seitens des Autors geschehen ist. Der von Janet bei den Insekten als Acron beschriebene
Teil stellt nämlich in dem von ihm formulierten Sinne nicht genau das Gegenstück
des Telsons dar, derselbe ist nicht homolog dem Acron der Myriopoden oder dem
Prostomium der Anneliden, sondern würde bereits ein Verschmelzungsprodukt zwischen dem
von mir als Acron bezeichneten Teil und dem ersten postoralen Metamer sein. Dieses Resultat
liess sich freilich nicht durch Untersuchungen an Insekten allein erreichen, denn gegenwärtig
1) Ü b er das In tercalarsegm en t d e r M yriopoden u n d In sek ten sin d b e re its ob en p ag . 64 n ä h e re A n g ab en g em a c h t w o rd en .
deutet bei den Insektenembryonen eigentlich nur noch die sehr beträchtliche Grösse der Kopflappen
(des sog. primären Kopfsegments) darauf, hin, dass dieselben unmöglich allein in dem
ziemlich kleinen Acron des Seolopenders ihr Homologon finden können.
Es wird zulässig sein, die soeben begründeten Anschauungen auch auf die Diplopoden
auszudehnen. Bei den Embryonen der letzteren finden sich jedenfalls auch zwei grosse Kopflappen
vor, die rtien Kopflappen der Ihsektenembryonen gleichen und offenbar wie diese durch
Vereinigung des Acrons mit dem ersten Metamer entstanden sind. Eine andere Erklärung ist
überhaupt nicht gut möglich, weil doch die Antennen der Diplopoden zweifellos den am zweiten
Metamer der Chilopoden befindlichen Antennen homolog sind, und weil ferner die Gliederung
des Gehirns, an dem ein die Antennen innervierendes Deuterocerebrum und ein dem Inter-
ealarsegment angehörendes Tritocerebrum zu unterscheiden sind, ganz mit dem Bau des Gehirns
bei Chilopoden und Insekten übereinstimmt.
Bei den Diplopoden ist meiner Ansicht nach das Präantennensegment gerade wie bei
den Insekten in Fortfall 'igekommenySich § | es vielleicht, nicht ganz. ausgeschlossen, dass
durch eingehendere Untersuchungen als die Zur Zeit vorliegenden, die Existenz dieses Segments
während der Embryonalentwicklung auch noch bei Vertretern der in Rede stehenden Myrio-
pcidc.n nachgewiesen werden kann.
Auch in allen übrigen Punkte* schiiesst sich die Gliederung des Kopfs bei den Diplo-
.pöjjien eng an diejenige der.' Chilopoden und Insekten an. SKir Unterschied, welcher bei den
ausgebildeten Diplopoden in dem Vorhandensein nur eines, das Gnathochilarium tragenden
Maxillensegments sich kund giebt, ist kein durchgreifender, da ich bei Embryonen von Diplopoden
ein rudimentäres zweites Maxillensegment »ipostmaxillarsegment) nachgewiesen habe
-(¡4897 b), welches extremitätenlos bleibt. Auch ,spn Jlilvestri (1898) ist ¡spSann dieses Kopfsegment
%,segiimto labiale senxa appendia") bereis beobachtet und erwähnt worden.
Als R e s u lta t d e r v o r s te h e n d e n E r ö r te r u n g e n e rg ie b t sich d e rS c h lu s s ., d a ss
i p l s p h a f e i n b e i d en d r e i b e s p ro c h e n e n G ru p p e n v o n .T r a c h e a te n (Chilopoden,
D ip lo p o d e n u n d Insekgsm) aus dem A c ro n u n d d en s e c h s v o r d e r | |e n Metameren
d e s RumpfesG'besteht.
Zur Gruppe der Tracheaten pflegen von einigen Autoren auch die Spinnentiere (Arach-
nöideri) hinzugerechnet zu werden, die wegen des Vorhandenseins von Tracheen mit M_\ rio-
poden und Insekten verwandt sein sollen. Es ist; dies eine Auffassung, welcher bekanntlich
schon vielfach Widerspruch begegnet ist, und die auch ich nicht teile, indem meiner Meinung
nach namentlich im Hinblick auf die Befunde von Purcell (1895) und Brauer (1895) und auf
Grund der übereinstimmenden Segmentierung die enge Verwandtschaft zwischen Arachnoiden
und G ig a n to s tr a k e n und. ihre Abstammung von gemeinsamen gigantostrakenähnlichen Urformen
keinem Zweifel , mehr unterworfen sein kann.
Sowohl bei den Gigantostraken (Eurypteriden, Xiphosuren) wie bei den Arachnoiden
findet sich bekanntlich ein „Cephalothorax“ vor, der sechs Gliedmassenpaare trägt. Von letzteren
befindet sich häufig ein Paar, die „Chefeeren“ , präoral, während fünf Paare postoral
stehen. Die Entwicklungsgeschichte lehrt jedoch, dass es sich ursprünglich um die Gliedmassenpaare
sechs postoraler Segmente handelt, dass also die präorale Stellung, der Cheliceren als
eine sekundäre aufgefasst werden muss.
In dem vor den Cheliceren befindlichen Köjiperubschniu sind bei den Embryonen der