
ren, die ausgefüllt, aber auch innen hohl sein können. Was die Zahl der Nervenfasern
in den Sehnen betrifft, so ist noch zu sagen, daß sie viel geringer ist als die der anschließenden
glatten Muskeln.
V. Die Innervation der quergestreiften Muskulatur.
In diesem Schlußabschnitt möchte ich noch kurz auf die Innervation der quergestreiften
Muskulatur eingehen, weil sich bei der des Augenlides Unterschiede finden
gegenüber der der Skelettmuskulatur. Wiederum B o e k e (1933, III) weist auf die Innervationsverhältnisse
bei den Akkomodationsmuskeln der Vögel hin. Hier ist eine ausgedehnte
plexiforme Innervation der Muskeln festzustellen, die, obwohl quergestreift, ein
ähnliches Bild bieten wie die glatten Ciliarmuskeln der Säugetiere. Mu n o z (zit. nach
B o e k e , 1933, III, S. 270) bringt die verschiedene Grob- und Feinmaschigkeit des Nerven-
plexus bei den Akkomodationsmuskeln mit der Fluggeschwindigkeit der betreffenden
Vogelarten in Verbindung. B o e k e läßt diese Frage offen. Ich konnte nun auch bei den
quergestreiften Muskeln des Augenlides des Habichts eine gewisse Plexiformität der Innervation
beobachten, ohne deshalb vorläufig etwas über die Funktion sagen zu wollen. Es
ist ein wunderschönes Bild, das sich dem Beschauer bietet. Jede Nervenfaser kann mehrere
Muskelfasern versorgen. Jede Muskelfaser kann die Endigungen von mehreren
Nervenfasern enthalten. So sah ich zum Beispiel Nerven, die an vier verschiedene Muskelfasern
ihre Endigungen abgaben. Die Endplatten sehen nun auch wieder sehr vielgestaltig
aus. Auffällig ist, daß eine Endplatte meist in sehr viele Tochterplatten zerteilt sein kann.
So zählte ich einmal an einer einzigen Endigung über zwanzig Tochterplatten. Sie kann
sehr lang gestreckt sein, so daß sie eine Muskelfaser fast vollständig umgeben kann, wie
ich das in der Abb. 40 für mehrere Muskelfasern im Querschnittsbild angedeutet habe,
und dabei handelt es sich nicht etwa nu r um besonders dünne Muskelfasern. An den
Querschnitten sieht man deutlich, daß die Endigungen der Muskelfaser nicht einfach auf-
liegen, sondern in sie hineinreichen. Das möchte ich auch noch an einem Längsschnitt
(Abb. 41) zeigen. Zwei weitere Abbildungen (Abb. 42 und 43) sollen noch ein wenig die
mannigfache Ausbildung der motorischen Endplättchen vor Augen führen. Das peri-
terminale Netzwerk, das die „End“platten zart umgibt, scheint in die Querstreifung der
Muskelfasern überzugehen. Besonders klar scheint m ir das in der letzten Abbildung zu sein.
VI. Zusammenfassung.
1. An der Haut der Vögel wurden untersucht die Innervation der Epidermis, des
Coriums, der Fettzellen, der glatten und der quergestreiften Muskulatur.
2. Die Epidermis wird innerviert von kleinen Endkolben, die dem sensiblen System
angehören, und von einem in der Hauptsache in der Basis der Zellen gelegenen Nerven-
plexus, der dem nervösen Terminalreticulum (StÖHR) zuzurechnen ist und als solcher
auch die Pigmentzellen versorgt. Damit ist zum ersten Mal die autonome Innervation der
Epidermis sichergestellt. Endkolben und nervöses Terminalreticulum liegen dicht nebeneinander.
Auffällig sind die vielen Varikositäten, die, im Verlauf der periphersten Nervenfasern,
darauf hinweisen, daß ihnen ebenfalls eine besondere Funktion im nervösen
Geschehen zukommt.
3. Das Unterhautbindegewebe weist einmal Lamellenkörperchen auf, die dem cerebrospinalen
System angehören. Andererseits sind in ihm Äste des sympathischen Nervensystems
vorhanden. Drittens sind in der Peripherie viele Nervenzellen sympathischen
Charakters gelegen. Die autonome Innervation des Unterhautbindegewebes geschieht
durch das nervöse Terminalreticulum. Ein Teil der in der Peripherie gelegenen Ganglienzellen
entsendet u n m i t t e l b a r a u c h Äs t e in den o be n g e n a n n t e n E p i d e rmi s -
n e r v e n p l e x u s .
4. Dickwandige Fettzellen der Unterhaut zeigen als Endformation das nervöse Terminalreticulum
.
5. Die glatte Muskulatur der Haut wird in erster Linie durch das nervöse Terminalreticulum
innerviert. Bewiesen wird das vor allem an einzeln gelegenen, glatten Muskeln,
bei denen die Zahl der hinzutretenden Nervenfasern genau kontrolliert werden kann.
Neben dem nervösen Terminalreticulum werden aber auch einwandfrei Endreticularen
beobachtet. Daran muß unbedingt festgehalten werden. Sie finden sich verhältnismäßig
viel öfter an einzeln gelegenen Muskeln, seltener in größeren Gewebsbezirken. An Blutgefäßen
und im Bindegewebe waren sie nicht zu finden.
D e r s y n c y t i a l e A u f b a u des n e r v ö s e n T e rm i n a l r e t i c u l u m s wu r d e
e n d g ü l t i g b ewi e s e n , i n d em a n e i n em k l e i n e n Mu s k e l s t ü c k g e n a u v e r f
o l g t wu r d e , wi e me h r e r e h i n z u t r e t e n d e N e r v e n f a s e r n s i ch zu i h m v e r bi
nde n.
6. Die quergestreifte Muskulatur des Augenlides zeigt Ansätze einer plexiformen
Innervation. Eine Muskelfaser kann mehrere Nervenendigungen besitzen. Ein Nerv kann
mehrere Muskelfasern versorgen. Die motorischen Endplatten zerfallen in mehrere (bis
über 20) Tochterplatten, die eine Muskelfaser vollkommen umgeben können.
7. Sämtliche Gewebe mit autonomer Innervation (Epidermis, Corium, Pigment, Fett,
glatte Muskulatur) sind von einem alle gleichmäßig versorgenden feinmaschigen nervösen
Terminalreticulum (St ö h r ) innerviert. Besondere Bahnen für die verschiedenen Gewebe
werden nicht ausgebildet.