
einzelnen Gruppen vermischten sich untereinander, um dann wieder bei dem fütternden
Tier zu erscheinen. Daß sich dabei immer wieder dieselben Individuen fanden, geht aus
dem Endergebnis hervor: als nach einigen Tagen die Giftwirkung des Allizol begann,
starben nur Tiere o h n e Färbung, und die blauen Exemplare blieben alle am Leben.
Über diese noch im Anfang stehenden Versuche wird in einer späteren Arbeit berichtet
werden; daß sie für die Arbeitsteilung aller sozialen Insekten von Wichtigkeit sein
können, geht wohl ohne weiteres aus dem Angegebenen hervor.
d) A r b e i t s k e t t e u n d Gr ö ß e n k l a s s e n
Wenn wir die im vorhergehenden Abschnitt beschriebenen Versuche zusammen Passen,
so ergibt sich für die Arbeitsteilung bei Acromyrmex folgendes Bild. Wie bei anderen Ameisen
läßt sich eine durch das Alter bedingte Arbeitskette feststellen, die bei den verschiedenen
Größenklassen aber verschieden abläuft. Die Reihenfolge der verschiedenen Arbeiten,
zwischen denen es im allgemeinen keine feste Grenze gibt, ist etwa so, wie sie die Tabellen 9
und 10 darstellen, wenn man sie von unten nach oben liest. Alle ausschlüpfenden jungen
Ameisen beginnen bald nach dem Schlüpfen mit der P f l e g e d e r B r u t und dann mit
der Besorgung der P i l z g ä r t e n . Aus dieser Arbeit ergibt sich durch Wegräumen von
Erde um die Pilzgärten herum die B a u a r b e i t , welche die Tiere dann schon weiter nach
oben führt. Ähnlich ist es mit dem A u s r ä um e n der Pilzgärtenreste und dergleichen, wobei
die Ameisen schon bis zu den Nesteingängen auf steigen.
Die meisten kleinen Arbeiter kommen aber gar nicht bis zu diesem Glied der Kette;
sie bleiben in der Tiefe, da bei ihnen der Ablauf so langsam vor sich geht, daß die Lebenszeit
nicht ausreicht.
Nach meinen Beobachtungen im Kunstnest überschritten die Zwerge nicht das Alter
von 6 Monaten; im Nest Nr. 150, in welchem die ältesten Zwerge im J a n u a r schlüpften,
waren jedenfalls im Ju li keine kleinen Tiere am Leben. Zu dieser Zeit aber, d. h. nach sechs
Monaten, sind die Mittelformen gerade so weit, daß sie sich normalerweise nicht mehr um
die Pilze kümmern, d.h. nur dem Außendienst leben.
Hinzu kommt dann noch folgendes: bei den Zwergen besteht außerdem, wohl infolge
der kleineren Augen eine große Scheu, das Nestinnere zu verlassen, insbesondere bei den
extremen Atta-Arten. So halten sich die alten Zwerge an ihrem Lebensende nur in den
oberen Gängen auf.
Bei den größeren Gruppen wird dagegen die Arbeitsreihenfolge im Innern schneller
durchlaufen. Über das Austragen von Abfall geht es zum Außendienst; sie schließen sich,
zunächst als Mitläufer, den S c h l e p p s c h a r e n an und gehen dann zum S c h n e i d e n
über! Die Ältesten beteiligen sich auch hier nach und nach weniger an den Arbeiten und
halten sich in den Gängen auf. Von da laufen sie dann aber, an die Außenwelt gewöhnt, als
E r k u n d e r aus oder stehen als E r s t - V e r t e i d i g e r zur V er Fügung. Die allergrößten
Giganten beteiligen sich an allen Arbeiten nur selten. Auch hier zeigen sich die A tta -Arten
extremer ausgebildet als Acromyrmex. Vermutlich sind sie durch ihre Riesenköpfe zu sehr
behindert und ermüden leicht. So kommt es, daß auch sie in einem schon recht jungen Alter
nur arbeitslos umherirren und höchstens als Erkunder in Betracht kommen. Gerade dadurch
aber stehen sie als Verteidiger dem Gesamtstaat so schnell zur Verfügung. Sie treffen
sich dabei mit den alten Zwergen, bei denen aber erst ein stärkerer Alarm ein Auslaufen
bewirkt.
Acromyrmex striatus. Verhältniszahlen.
Lfd .
Nr. Form Herkunft Kopf
Länge
Kopf
B r e it e
Körper
Länge
Kop flän g e x K o p fb r e ite
(^ u n g e fä h r K o p fIn h a lt)
V e r h ä ltn is
Kop flän ge : K o p fb r e ite
1. Weibchen Boca l , é 5 1 ,9 0 8 ,7 5 3 ,1 3 0 ,8 0
2 . flllllfii? 1 .7 5 1 ,8 5 8 ,5 0 3 ,2 3 0 ,9 0
" 1 ,7 0 1 ,7 0 1 ,7 5 3 ,0 6 0 ,9 5
4 . - Guayapa 1 ,5 0 1 ,9 0 8 ,5 0 2 ,8 5 0 ,7 9
5 . - 1 ,5 0 1 ,8 0 8 ,0 0 2 ,7 0 0 ,8 3
6 . B ie s e n Boca 1 ,5 0 2 ,0 0 7 ,7 5 2 ) 3 ,0 0 0 ,7 5
7 . - 1 ,5 0 2 ,0 0 7 ,2 5 2 ) 3 ,0 0 0 ,7 5
8 . . « 9) 1 ,3 0 1 ,8 5 7 ,0 0 2 ,3 0 0 ,7 0
9 . Guayapa m 1 ,6 0 6 ,2 5 3 ) 1 ,8 4 0 ,7 2 8 )
1 0 . " 1 ,1 0 1 ,5 5 6 ,2 5 3) 1 ,7 0 0 ,7 0
1 1 . M itt e lfo rm Guayapa 1 ) 1 ,2 5 1 ,6 5 6 ,0 0 4 ) 1 ,9 6 0 ,8 0
1‘2 . « Boca 1 ,2 5 1 ,5 0 6 ,0 0 4 ) 1 ,8 7 0 ,8 3
1 5 . - " 1 ) 1 ,1 0 1 ,4 5 5 ,2 5 1 ,5 9 0 ,7 0 8 )
1 4 . - Guayapa 1 ,8 0 0 ,9 0 4 ,2 5 5 ) 0 ,7 2 0 ,9 0
1 5 . " 0 ,7 5 0 ,8 0 4 ,0 0 5) 0 ,6 0 0 ,9 4
1 6 . Zwerge Guayapa 1 ) 0 ,7 0 0 ,7 5 3 ,7 5 0 ,5 2 0 ,9 4 5 )
1 7 . » " 0 ,7 0 0 ,7 0 3 ,5 0 6 ) 0 ,4 9 1 ,0 0
1 8 . « Boca 0 ,7 0 0 ,7 0 3 ,2 5 0 ,4 9 1 ,0 0
1 9 . Boca g e z ü c h t e t 0 ,6 5 0 ,6 5 3 ,2 5 0 ,4 3 1 ,0 0
2 0 . Guayapa 0 ,6 0 0 ,6 0 2 ,2 5 7 ) 0 ,3 6 1 ,0 0
1 ) Im K u n s tn e s t g e z ü c h t e t .
2 ) Grosse G ig a n ten .
3 ) K le in e G ig a n ten .
4 ) G rosse M it te lfo rm .
5 ) U n s ic h e r , oh k l e in s t e M itte lfo rm od e r g r o s s e Zwerge.
6 ) G rosse Zwerge.
7 ) K le in e Zwerge.
8 ) V e r h ä ltn is Kop flän g e zu K o p fb r e ite g ig a n t e n a r t ig .
9 ) B e i den im K u n stn e st g e z ü c h t e t e n T ie r e n e rg ab en s i c h d ie g le ic h e n
Zahlen.
1 0 ) B e i den Weibchen (N r .1 - 5 ) e n t s p r i c h t K o p f in h a lt dem von g r o s e e n
G ig an ten (N r .6 - 7 ) ; das V e r h ä ltn is von K opflänge zu K o p fb r e it e
dagegen dem von M itte lfo rm en ; e s i s t g r ö s s e r a l s d e r v on G ig a n ten .
1 1 ) B e i den G ig an ten (N r .6 - 7 ) i s t d as V e r h ä ltn is K o p flä n g e :K o p fb r e ite
k l e in e r a l s d as d er Weibchen. „
1 2 ) B e i den M itte lfo rm e n g ib t e s b e i dem V e r h ä ltn is K o p flä n g e :K o p fb r e ite
Ü b e rschne idungen zu G ig an ten und zu Zwergen.
■ 0 ,9 5 - 0 ,7 9 1 0 )
• 0 , 7 0 - 0 , 7 5 1 1 )
. 0 , 7 0 - 0 , 9 4 1 2 )
T a b e l l e 32.
Entwicklungszeiten argentinischer Ameisen nach Beobachtungen im Kunstnest.
Entwicklungszeit von: Gesamte
Nr. Gattung und Art Fund-Ort Brut gepflegt von: Ei-Larve | Larve-Puppe| Puppe-Imago Entwicklung