
Gerade die Tatsache, daß den antennalen Hautsinnesorganen von Nepa keinerlei
Beachtung geschenkt wurde, veranlaßte mich, sie bei meinen Untersuchungen ebenfalls zu
berücksichtigen. Diese führten zu dem Ergebnis, daß bei den Antennen von Nepa drei verschiedene
Typen von Hautsinnesorganen vorliegen, wie sie nur selten bei den Antennen
anderer Insekten gleichzeitig auftreten.
Schon das Bild der Gesamtantenne bei schwacher Vergrößerung läßt die Mannigfaltigkeit
der Hautsinnesorgane erkennen. Nach dem Präparat, das der Abb. 9 zu Grunde liegt, weisen
nur der Pedicellus und das Endglied Hautsinnesorgane auf. Nach längeren Untersuchungen
an zahlreichen Präparaten gelang es mir jedoch bei einem derselben festzustellen, daß
im Scapus ganz vereinzelt Sinnesborsten auftreten können, wie sie im Pedicellus und im
Endglied in der Vielzahl vorhanden sind.
Alle von mir festgestellten Hautsinnesorgane befinden sich auf der Außenseite (unten)
der Antenne, bzw. vorn. Die Innenseite (oben) weist dagegen keinerlei Hautsinnesorgane
auf. Die Hautsinnesorgane von gleichem Typus treten in klar umrissenen Bezirken der
Antenne zu Gruppen zusammen, so daß sie ihrem Standorte nach leicht voneinander zu trennen
sind. Wir unterscheiden schon bei äußerer Betrachtung lange Sinneshaare (Sh), k ürzere,
kräftige und gekrümmte Sinnesborsten (Sb) und schließlich Sinneskegel (Sk). Wie die
Abb. 9 zeigt, haben die Sinneshaare und Sinnesborsten bis auf die am distalen Teil des E ndgliedes
befindlichen sehr langen Sinneshaare das Bestreben, sich in der R ichtung des Facettenauges,
also vorn, anzuordnen und nach vorn zu weisen.
Da die Spitze des Endgliedes alle Formen der in der Antenne auf tretenden Hautsinnesorgane
auf weist, die sich in proximaler Richtung im Endglied sowie im Pedicellus nur wiederholen,
habe ich diesen Teil in den Vordergrund meiner histologischen Untersuchungen
gestellt.
Der distale Teil des Endgliedes träg t vereinzelte Sinneshaare, die sich durch ihre lange,
fein ausgezogene Spitze von den anderen abheben. Ich bezeichne diese Haare als „termi-
minale Sinneshaare“ . Einen sehr günstig getroffenen Längsschnitt durch diese Region gibt
die Abb. 10 wieder. Die Chitinoberfläche bildet an der Eintrittsstelle des Sinneshaares, das
auffallend lang ist und in eine sehr feine Spitze endigt, eine annähernd trichterförmige
Grube, an derem Grunde dasselbe ansetzt. Das P räp a ra t erweckt den Anschein, als ob der
obere Rand der Grube noch einen sehr zarten Cuticularkragen trägt. Jedes der Hautsinnesorgane
wird von mehreren Sinneszellen innerviert, deren Kerne sich strukturell kaum von
den Hypodermiskernen abheben. Distal verjüngen sich die Sinneszellen, treten zu einem
Bündel zusammen und bilden den sog. „Terminalstrang“ (VOM R a th 1888, p. 417), der durch
einen Porenkanal an den Haarschaft herantritt. Der Verlauf des Terminalstranges (Tst)
konnte nur bis zur Basis des Haarschaftes verfolgt werden, wo er vermutlich endigt. Ihrem
ganzen Aufbau nach sind die vorliegenden Hautsinnesorgane als Tasthaare aufzufassen
(Sensilla trichodea „tactu sensibilia“ nach Vogel 1928, p. 301).
Der Größenunterschied der Sinneshaare ist oft recht beträchtlich. Das trifft besonders
auf die Sinneshaare zu, die sich auf der dem Facettenauge zugewandten Seite der Antenne,
also vorn, befinden und die ich zum Unterschied zu den terminalen als vordere Sinneshaare
bezeichne (Abb. 9). Sehr deutlich tritt diese unterschiedliche Größe der Sinneshaare in der
Abb. 11 hervor. Haben doch die mit gr bezeichneten Sinneshaare (Shgr) etwa die dreifache
Länge sowie Breite im Vergleich zu den mit kl (Shkl) gekennzeichneten Sinneshaaren. Nach
dem Bau des Haarschaftes, der Form der Ansatzstelle und der Struktur der zugehörigen
Zoologica, Heft 9,i> \ §