
B. Bereiste Gebiete.
Um die Blattschneider-Ameisen an den Orten ihrer Hauptverbreitung in Argentinien
studieren zu können, unternahm ich von Buenos Aires aus in der Zeit vom 15. September
bis zum 28. Jan u a r 1938 eine
Anzahl Reisen, zu denen ich
vom Reichsforschungsrat sowie
von der F irma Fahlberg-
List, Magdeburg, Zuschüsse
erhielt. Dafür auch hier meinen
Dank abzustatten, ist
mir eine angenehme Pflicht.
Die Reise-Routen sind in
Abb. 1 wiedergegeben; einen
Querschnitt durch Südamerika
mit zwei der am meisten
besuchten Gegenden zeigt
außerdem Abb. 2, aus welcher
auch die ungefähren
Höhenlagen ersichtlich sind.
Die erste Reise hatte
zum Endziel das zwischen
Brasilien und Paraguay eingeschlossene
argentinische
Territorium von Misiones.
Die F ah rt nach dort gestattete
auch die Provinzen Entre
Rios und Corrientes kennen
zu lernen und dort zu sammeln,
sowie Gegenden am
Rio Uruguay. Den Hauptort
der Region Misiones, Posadas,
erreichte ich mit der
Bahn; er liegt nur 79 m hoch.
Von dort ging dann die Fah rt
im Auto weiter nach Porvenir,
San Ignacio und Santo
Pipó, wo ich, einer Einladung
folgend,Abb. 1. Reise-Routen im Jahre 1929/31 (punktiert) und 1937/38 (gestrichelt). einigeZeitverweilen
und ausgedehnte Studien durchführen konnte. Dann fuhr ich zu Schiff weiter den oberen P a raná
hinauf, vorbei an den großen Siedlungen El Dorado, Monte Carlo u. a. m. nach Puerte
Aguirre, und von dort dann durch den wunderbaren subtropischen Urwald zu dem Iguazú.
Dieser linke Nebenfluß des Pa raná stürzt in einem großen Bogen von etwa 65 m hohen
Katarakten über mächtige Felspartien ab und bildet so die schon jetzt berühmten Wasserfälle,
die an Großartigkeit den nur 45 m hohen N iagara übertreffen sollen und mit dem Guarani
Namen ,,Iguazú“B großes mächtiges W asser prächtig charakterisiert werden (Abb. 3).
Die Vegetation ist dort überreich (Abb. 4 a, b); h a t man doch auf dem Gebiet eines Hektars
allein über 150 verschiedene Baum-Arten gezählt, zu denen dann noch ein ausgedehntes
Unterholz sowie L ianen und Epiphyten kommen, die das Abweichen von den geschlagenen
Wegen, den Picadas, sehr erschweren. Diese Picadas, welche von Siedlung zu Siedlung
führen, bieten den Attinen gute Wohnmöglichkeit. Im dichten Urwald selbst, in dem sich
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Abb. 2. Querschnitt durch Südamerika in der Gegend des 29° und 39°. Die besuchten Orte sind angegeben.
die Feuchtigkeit zu tropfbarem Wasser niederschlägt und am Boden überall Pfützen entstehen,
vermögen sie nicht zu leben, sondern nur an den Waldrändern; und solche Waldränder
werden durch die Picadas sowie die breiteren Straßen von Menschenhand in Masse
neu geschaffen, und die Ansiedlungen selbst kommen noch dazu. Infolgedessen sind die
Attinen in Misiones deutliche Kultur-Folger und verursachen dadurch gewaltigen Schaden,
zumal die eingeführten, in Massen angepflanzten Bäume und Sträucher kein Schutzmittel
besitzen. Daß es einen absoluten Schutz gibt, glaubt R e h , dessen Ansichten wir
später noch begegnen, n i c h t ; ein relativer Schutz existiert aber sicher in der Weise,
daß harte Blätter oder drüsige Abscheidungen keinen Anreiz bieten. Der Yerba-Strauch (Ilex
paraguayriensis) bleibt also besonders dort verschont, wo andere angebaute Gewächse
wie Orangen, Tung (Aleurites) u. a. m. ein leichteres Arbeiten gestatten. Der Kultur dieser
Pflanzen wendet man sich jetzt gerade in Misiones sehr zu, da die Yerba-Pflanzungen infolge
der Überproduktion an Mate (Paraguay-Tee) nicht mehr so lohnen. Und gerade an
den Orangen und dem Tungstrauch, der Öl für Lacke und dergl. liefert, sind die Attinen