
es den Heeres-Ameisen gleich und verloren Bein über Bein, ja selbst den ganzen Hinterleib,
ohne im mindesten in ihren Anstrengungen nachzulassen.“ „Während der ganzen Arbeit
kamen dauernd neue Abteilungen von A tta -Zwergen an, während andererseits ab und zu
einer der kleinen Krieger mitten aus dem härtesten Kampf heraus ein vorbeikommendes
Blatt erkletterte und sich darauf zu einer unbequemen Heimfahrt niederließ. Es war, als
ob sie zu einer selbstherrlichen Arbeitsgemeinschaft gehörten und zu bestimmter Zeit eine
Kontrolluhr stecken müßten -— ganz unabhängig von der Lage in den vordersten Gräben.“
Hier haben w ir also wieder einen Fall, wo die Zwerge sich heimtragen lassen; erschöpft
vom Kampf suchen sie eine Stelle, die heimatlich ist, und setzen sich auf das von einer Genossin
getragene Blatt.
Zum Schluß seien noch einige Besonderheiten erwähnt, die ebenfalls Kampfhandlungen,
wenn auch am untauglichen Objekt, darstellen.
Auf den begangenen Straßen ließ sich oft feststellen, daß auslaufende Acromyrmex
s t e h e n blieben. Kam dann eine Genossin an ihnen vorbei, so fuhren sie mit geöffneten
Mandibeln auf sie los und packten sie auch wohl, um dann sofort wieder loszulassen. Etwas
Ähnliches sah ich schon auf größeren Messor-Nestern; und auch die Hügel von Formica rufa
sind manchmal besetzt mit Tieren, die, dem lebhafteren Temperament entsprechend, umherlaufen
und auf alle Nestgenossen sofort losfahren. Vermutlich sind es in allen Fällen jüngere
Tiere, die erst zum Außendienst übergehen; also in ähnlicher Weise einen Wächterdienst
ausüben wie die Bienen. Sie fahren auf a l l e s los, was sich bewegt, haben also vielleicht
noch nicht gelernt, Freund und Feind schon von größerer Entfernung zu unterscheiden.
Dies sind dann wohl die Tiere, die oft als „Antreiber“ oder „Offiziere“ bezeichnet werden.
So hiß sich einmal auch eine kleine auslaufende Acromyrmex an eine größere, leer
ohne sichtbare Last heimkehrende Genossin fest, und diese, etwas erschreckt, machte kehrt.
Was wäre dies fü r eine wunderbare Beobachtung für einen Dichter gewesen! E r hätte mit
eigenen Augen gesehen, wie eine „Polizei-Ameise“ eine andere, die ihre A rbeit nicht richtig
ausübte, an ihre „Pflicht“ gemahnte! — Die scheinbar lastenlose Ameise hatte, wie die
nähere Untersuchung ergab, ein mit süßem Saft gefülltes Abdomen; ich konnte also auch
hier dies Märchen von der Pflichtvergessenen zerstören. Und daß die Angreiferin kein
Polizei-Soldat war, geht aus dem Vorhergesagten ja auch wohl hervor.
11. Verteilung der Arbeit.
Schon die Eingeborenen geben immer wieder an, daß bei den Blattschneidern eine
Teilung der Arbeit nach den G r ö ß e n besteht; und wenn man die Tätigkeiten der Atta-
und Acromyrmex-Arten außerhalb und innerhalb der Nester beobachtet, wird man ohne
weiteres feststellen, daß im Außendienst die Größeren, im Innendienst die kleineren Tiere
beschäftigt sind, d. h. also, daß die Beschäftigung nach der Größe verschieden ist. Ein solch
allgemeiner Zusammenhang zwischen der Vielgestaltigkeit und der Arbeitsteilung wird
denn auch von fast allen Ameisen-Forschern und Beobachtern zum Ausdruck gebracht; am
schärfsten formuliert vielleicht von E s c h e r i c h (1917, S. 61), der die Vielgestaltigkeit, den
Polymorphismus, als f u n k t i o n e l l bezeichnet, d. h. „die einzelnen Formen sind, soweit
nicht pathologisch, bestimmten Funktionen angepaßt“. Nach E i d m a n n (1932) unterscheiden
die Eingeborenen in Brasilien bei den Blattschneidern vier Größengruppen: Pflegerinnen,
Arbeiter, Schlepper und Soldaten, und bringen dadurch bereits Beziehungen zwischen Größe
und Beschäftigung zum Ausdruck. Es wird auch immer wieder erzählt und in den ver-
sehiedensten Darstellungen berichtet, daß sogar in der Art, wie die Attinen die Blätter zerteilen,
eine bestimmte Methode zu beobachten sei, die mit der verschiedenen Größe zusammenhängt.
Man berichtet, daß die Großen auf den Bäumen die Blätter abschneiden und
herunterwerfen, kleinere Tiere dann unten die A rbeit fortsetzen, und wieder andere Größenklassen
die Blattstücke heimschaffen. Beim Abschleppen sollen sich dann die kleineren von
den größeren auf den Blättern forttragen lassen und dergleichen Planmäßigkeiten mehr.
R e h (1897) ist einer der ersten, der dagegen Widerspruch erhebt. E r stellt fest, daß er von
der Arbeitsteilung, nach welcher einige Ameisen abschneiden, andere eintragen sollen, nie
etwas beobachten konnte. „Ich sah immer jedes Individuum das Stück, das es abgeschnitten
hatte, auch wegtragen, selbst wenn es damit von der obersten Spitze der Pflanze ganz herunterklettern
mußte. Das kam allerdings oft vor, daß eine Ameise einfach den Stiel eines
Blattes durchbiß, so daß er herunterfiel, wo es dann von zufällig es auffmdenden Genossen
weiterbearbeitet wurde. Daß dies aber planmäßig geschehen wäre, glaube ich nicht. Erstens
war es nur Ausnahme, zweitens war das betreffende Blatt selbst Öfter schon von einer oder
mehreren Ameisen in Arbeit genommen, die dann natürlich mit herunterfielen und unten
ungeniert ihre Arbeit fortsetzten, und drittens wurden auch am Boden liegende Blätter,
die eine umherirrende Ameise fand oder die der Wind oder ich ihnen auf den Weg warf,
sofort eifrig zerlegt.“ Ich kann mich diesen Ausführungen nur anschließen und vielleicht
noch hinzufügen, daß auch das Heimschleppen kleinerer Tiere auf Blättern in ähnlicher
Weise eine Erklärung findet: Wenn ein am Boden liegendes Blattstück, an dem einige
kleinere Tiere die Sehneidearbeit ausführen, von einem größeren gepackt und abgeschleppt
wird, dann haben w ir in der T at einen solchen gegenseitigen Transport, der aber keineswegs
planmäßig vor sich geht, sondern nur der noch später zu behandelnden Arbeitsstetigkeit
der Tiere seinen Ursprung verdankt.
Ich kann m ir nicht versagen, hier einige weitere Beobachtungen von R e h über die m angelnde
Planmäßigkeit der Atta- und Acromyrmeic-Arbeiter anzuführen, da seine Darlegungen,
die mir erst nach meiner Rückkehr zu Gesicht kamen (und der Mehrzahl der Autoren
unbekannt geblieben zu sein scheinen), meinen eigenen Beobachtungen oft bis ins einzelne
bestätigen:
„Die Art und Weise, wie die Blattschneider arbeiten, scheint mir nicht immer ganz
richtig dargestellt. Vor allem war es mir nie möglich, irgendeinen besonderen Plan dabei
zu entdecken, wie man so häufig beschrieben findet. Man scheint bei diesen gewiß sehr intelligenten
Tieren gern nach Äußerungen ihrer Gesichtstätigkeit zu suchen und infolgedessen
solche auch nu r zu leicht zu finden. Das Auffinden von passenden Pflanzen scheint mir
durchaus vom Zufall abzuhängen.“ „War eine Pflanze gefunden, so strömte alles hin, und
in kurzer Zeit war ein 2—3 cm breiter und bis zu 1 cm tiefer Weg entstanden, ohne daß
ich jemals hätte beobachten können, ob durch aktives Arbeiten oder passiv durch die unzähligen,
über ihn hinwandernden Individuen. Die Bewegung der Massen verlief nun aber
nie in der geordneten Weise, wie sie gewöhnlich beschrieben wird, sondern viele Ameisen
machten durchaus den Eindruck des planlosen Hin- und Herrennens: Ameisen ohne Beute
liefen plötzlich wieder nach dem Nest zu, solche mit Beute umgekehrt, noch andere liefen
lange hin und her, ohne sieh für eine bestimmte Richtung entscheiden zu können. Selbst
am Eingang des Nestes konnte man dasselbe beobachten: Ameisen mit Blattstücken, die
kaum erst in der Mündung der Röhre verschwunden waren, kamen mit ihnen wieder heraus,
liefen um sie herum, wieder ein Stück des Walles hinauf, ließen auch öfters das Blattstück