
Einflüsse; denn es wird in dem einen Nest oft gerade zerstört, während in dem anderen der
Garten wächst. Sie zeigen weiterhin, wie die Ersteier der jungen Königinnen groß sind
und mittlere Arbeiter erzielten, während in den späteren Serien auch kleinere Eier abgelegt
werden, die Zwerge ergeben. Und sie zeigen endlich, wie die verschiedenen Größenklassen
und Altersstufen der Arbeiter nötig sind, obgleich jedes Tier jede Tätigkeit auszuüben
vermag, wovon auch die Königin keine Ausnahme macht. Muß sie doch bei der
Alleingründung eines Staates oft a l l e Arbeiten übernehmen, sogar das Schneiden und
Schleppen von Pflanzenteilen zur Herstellung der ersten Pilzgärten.
Während die Mitnahme der Pilze durch die Weibchen und die Einschleppung von
Mistbeetmaterial darauf hin weisen, daß die Instinkte der Pilzzucht hei Acromyrmex doch
schon recht festgeworden sind, dürfen wir in dem Auslaufen der Weibchen aus dem Gründungskessel
keine „Einstellung“ auf die Pilzzucht sehen, da diese Erscheinung auch bei
argentinischen Camponotus sowie neuerdings bei europäischen Myrmica festgestellt wurde,
und ebensowenig in der Ablage besonders großer Eier in den ersten Legeperioden. Sondern
we i l sie sich mit einigen anderen Besonderheiten kombinierten, ist es möglich gewesen,
daß bei Acromyrmex aus Abfallhaufen mit wuchernden Mycelien nicht nur eine vorübergehende
Nahrungsquelle, sondern eben die dauernden Pilzzuchten entstanden, die bei
der Gattung Atta dann noch fester im staatlichen Leben verankert erscheinen.
15. Mitbewohner der Nestbezirke.
Bei der großen Ausdehnung der Attinen-Staaten und der Friedfertigkeit, die sie im
allgemeinen an den Tag legen, ist es verständlich, daß eine große Zahl anderer Tiere in
den Nestbezirken gefunden werden. E idmann hat bei den Ausgrabungen der Aiia-Nester
eine ganze Sammlung von Nestbewohnern zusammengestellt. Eine Anzahl der von ihm
beschriebenen Formen sah ich auch beim Ausgraben der Acromyrmex-^ester; ich konnte
mich ihnen aber weniger widmen, da hierbei Zeit und Aufmerksamkeit ganz auf die
Ameisen eingestellt sein mußte, um fü r die Untersuchungen der Arbeitsleistung und des
Polymorphismus möglichst viel zu sammeln und möglichst genau zu protokollieren. Hinzufügen
möchte ich indessen noch, daß ich zweimal im Nest von Acromyrmex striatus in Pat-
quia Solifugen fand; in einem Fall sogar ganz innen im Nest eingegraben, allem Anschein
nach vor der Eiablage. Da außerdem die Larven einer Solifuge einen Sammelzug von
Acromyrmex begleitete, und ich auch in Patagonien Solifugen in der Nähe der Acromyr-
mex-Nester fand, besteht vielleicht eine etwas nähere Beziehung.
Es kann indessen auch Zufall sein, denn man findet ja überall da, wo Attinen in größerer
Menge angesiedelt sind, kaum einen Platz, der n i c h t zu einem Nestbereich gehört;
man braucht nur die Abbildung 8 zu betrachten. Und so glaube ich auch, daß manche
Ameisen, die E idm a n n mit zu den typischen Bewohnern der ^4iia-Nester rechnet, nur zufällig
a u c h dort sind. So fand ich einige der nach ihm nur bei A tta sexdens lebenden
Arten neben Acromyrmex-]^estern sowie im Hause von Patquia, aber auch am Strande
von Santos, wo weit und breit keine einzige Attine lebte. Die hier vertretene Meinung
äußerte übrigens auch Dr. Carlo s B r u c h . Ich seihst fand im Nestbereich der Acrom.
striatus-Nester in Nordargentinien jedenfalls a l l e Ameisen, die auch sonst dort lebten,
und ebenso auf den Meseten am Rio Negro. Es sind zum großen Teil dieselben Arten von
Pogonomyrmex, Pheidole, Solenopsis, Dorymyrmex, Tapinoma, Forelius und Camponotus.
Und ähnlich war es auch in Buenos Aires, in Misiones und den anderen untersuchten
Gebieten.
Eine Liste dieser Ameisen, deren teilweise Bestimmung dankenswerterweise Herr
Prof. S a n t sch i übernahm, wird in einer späteren Arbeit folgen.
Sehr wenig wissen wir bisher über die Zusammensetzung der Mikro-Fauna und -Flora
in den Pilzgärten, die, wie gelegentliche Untersuchungen in Buenos Aires zeigten, recht
vielseitig sein kann. Neben allerlei Bakterien fand ich in verschiedenen Mistbeeten insbesondere
kleine Nematoden. In den R einkulturen der Pilze, die F rau Professor R. S t o p p e l ,
Hamburg, züchtete, traten außerdem zweimal Amöben auf, welche die Pilze stark belästigten,
unter anderem auch in dem Material meiner Breslauer Zuchten von Acromyrmex striatus.
Es ist ziemlich sicher, daß in dieser feuchtwarmen, aus zerkauten Pflanzenteilen, Ameisenkot
und Pilzmycelien bestehenden Umwelt eine ganz besondere Welt von Mikro-Organismen
lebt, deren Untersuchung allerlei neue Aufschlüsse geben könnte, auch im Vergleich
mit der von Termiten-Nestern und anderen Ameisenbauten, in denen ebenfalls Zellulose
zerkaut oder durch Pilze zersetzt wird. Daß in solchen Fällen, besonders bei größerer
Wärme, die Zellulose in weitem Maße zu Zucker und Alkoholen umgesetzt wird, zeigen
neue Arbeiten von P a nasenko (1938), und es ist sehr wohl möglich, daß gerade die durch
Mikro-Fauna und -Flora entstehenden Abbauprodukte die Ameisen anziehen und ihnen den
Aufenthalt in den Pilzgärten verlockend machen .Untersuchungen über solche Fragen sind
im Breslauer Zoologischen Institut bereits im Gange.