
zurückführen. Man folgt dem Sonnenstand und dem Kompaß, wenn man ein bestimmtes
Ziel im Auge hat, und ist erleichtert, wenn man in den endlosen Flächen einen Berg oder
Baum oder eine andere Erhebung hat, die man ansteuern kann und die auf dem Rückweg
wieder als Richtungspunkt dient. Wenn man aber dann in die „huella“ , in die S p u r der
Pferde oder der Fords, gekommen ist, dann kann man ihr folgen, ohne noch allzu scharf
auf merken zu müssen; und die Aufmerksamkeit wird nur dort wieder sofort rege, wo diese
Spur sich verzweigt oder wo man an Merkmalen des Bodens oder der Sträucher merkt,
daß man falsch gegangen ist. Dann treten die anderen Orientierungsweiser wie Sonnenstand
und Zielpunkt wieder mehr in Wirksamkeit, und dann wird man auch versuchen, durch
eine Umkehr auf dem Weg festzustellen, wo etwa die falsche Orientierung liegt. Daß man
hochgehoben und jenseits des Heims auf eine andere ähnliche Spur gesetzt wird, kommt
ja nicht vor; wenn es der F all wäre, würden w ir es sicher auch nicht so leicht merken, jedenfalls
nicht, so lange Spur und Sonnenstand und Kompaß noch zusammenfielen und in die
erstrebte Richtung hinweisen.
10. Kampfhandlungen.
Die Attinen sind im allgemeinen sehr friedlich gesinnt, wie man dies übrigens ja auch
bei den ebenfalls auf das Einträgen von Pflanzenstoffen eingestellten Messor-Arten findet.
Setzt man z. B. im Freien Angehörige eines fremden Nestes zu einem Schleppzug, so wird
es kaum zu Beißereien kommen, was übrigens auch E id m a n n beschreibt (1 9 3 5 ). Im Kunstnest
geht diese Friedfertigkeit nicht ganz so weit; dort erkennen sich die Tiere verschiedener
Nester meist sofort und beginnen sich anzugreifen. Meist enden aber solche Feindseligkeiten
bald, und die Tiere gewöhnen sich aneinander.
Wie sich die Attinen im Einzelkampf benehmen, sieht man am besten, wenn man
„Wächter“ reizt; d.h. Tiere, die in den Ausgangsröhren auch der Kunstnester an irgendeiner
Stelle zur Ruhe gekommen sind. Sie werfen sich dann mit geöffneten Mandibeln und
erhobenem Kopf heftig nach vorn, halten sich aber mit den Hinterbeinen, die besonders bei
A tta sehr lang sind, fest, so daß sie auch dann nicht leicht herauszuziehen sind, wenn sie
sich an etwas verbissen haben. Sie versuchen in solchem Fall vielmehr das Ergriffene mit
Gewalt ins Nest zu zerren. Vermochten sie nichts zu packen, so laufen sie zurück, und dann
gibt es Gefahralarm, der bei größerer Stärke dann auch Tiere von den Pilzkammern zu ergreifen
vermag, wie sich beispielsweise in den Kunstnestern Pi und P 2 beim Anfügen oder
Abhängen der Futtertuben zeigte.
Setzt man in Kunstnester nach einiger Zeit Tiere derselben Herkunft ein, dann kann es
ebenfalls Alarm geben, und die schon ein gewöhnten Acromyrmex treten in Abwehr- und
Angriffs-Stellung; d. h. sie erheben den Kopf und sperren die Mandibeln auf. Angriffe erfolgen
meist nicht.
Fügt man Angehörige einer fremden Acromyrmex-Kolonie zu, dann gibt es stärkere
Kämpfe; dies geschah beispielsweise, als ich dem nach und nach absterbenden Striatus-
Nest P 1—2 aus Patquia in Roca 90 Tiere der patagonischen Form beigab. Die Vereinigung
geschah derart, daß ich die Verbindung zwischen zwei Gipskammern mit Rosenblättern
verstopfte, um die Tiere nach und nach aneinander zu gewöhnen. Als die ersten sehr großen
Patagonier eingedrungen waren, sammelten sich die Patquia-Tiere an ihrem Pilzgarten
und verteidigten ihn. Die Eindringlinge ihrerseits schlichen sich heran, stießen schnell vor
und packten den Feind, mit dem sie sich blitzschnell zurückzogen. Nach einer Stunde waren
die meisten Patquia-Zwerge erledigt; mit den übrigen wurde Frieden geschlossen, obgleich
die Nord- und Südtiere laut Systematik verschiedenen Subspezies angehörten. Die Patagonier
nahmen sich auch der Patquia-Larven an; eine kleine Arbeiterin begann sofort Ambrosia
Häufchen von den eroberten Pilzgärten zu entnehmen und den Larven in den Mund
zu stecken. Tags darauf befanden sich dann die kleineren Arbeiterinnen alle im Pilzgarten,
und die größeren trugen geschnittene Blätter hinzu, so daß der Betrieb in normalen Gang
gek ommen war.
Wenn von den eingesetzten Tieren im Laufe der ersten beiden Tage 27 starben, beruhte
dies weniger auf Wunden als der schon öfter erwähnten Tatsache, daß beim Einsetzen in
Kunstnester stets Verluste besonders unter den alten T ieren eintreten. Auch hier waren die
Toten lediglich alte dunkle Exemplare.
Beim Zusammensetzen verschiedener A r t e n kommt es zu keinem Frieden. Dies zeigte
ein Versuch, bei dem ich einem gut eingewöhnten Nest von ca. 3 0 Acrom. lundi eine Acromyrmex
disciger beigab. Die lundi saßen meist in Klumpen in den Ecken zusammen; einige
Tiere befanden sich in Wächterstellung an den Ausgängen des Gipsnestes, aber auch im
Innern an dunklen Stellen. Die zugesetzte disciger lief, wie zu erwarten, unruhig umher
und wurde zunächst n i c h t angegriffen. Schließlich ging eine lundi in Angriffsstellung
und warf mit geöffneten Mandibeln den Kopf vor, später einige andere, die sich schließlich
bei solchem Vorstoß auch festbissen. Nach kurzem Festhalten ließen sie indessen wieder
los, ohne daß irgendwelche K örperteile verletzt wurden. Die disciger wehrte sich nie; als sie
nach etwa % Stunden in einem Glasrohr zur Ruhe kam, ebbte jede Aufregung ab. Die lundi
begnügten sich also mit Hinausbeißen.
Im umgekehrten Fall endete der Kampf ähnlich; die disciger trieben eingesetzte lundi
in eine Ecke, wo sie dieselben mit aufgesperrten Mandibeln blockierten, oder trieben sie
hinaus. Verluste an Gliedmaßen gab es nur in wenigen Fällen bei diesen Beißereien.
Wenn man hiermit die Kämpfe vergleicht, die etwa Pheidole und Iridomyrmex in solchen
Fällen miteinander ausfechten, Kämpfe, die meist mit Vernichtung der einen Partei
enden (G o e t s c h 1 9 3 7 , S. 3 5 ), so ist die Friedensliebe der Attinen schon sehr auffallend, und
man muß immer wieder ihre große Ruhe bewundern. Aus ihr wird es verständlich, daß sie
im Freien auch mit anderen Ameisen recht friedlich zusammenhausen.
Bei wirklichen Angriffen auf ihren Staat vermögen sie sich indessen sehr heftig zu
wehren, wie die Erzählungen von Pa ter B o r g m e i e r dartun. Nach ihm lagen bei einem Angriff
von D orylinen (Eciton) auf ein Atta-Nest die toten Kämpfer beider Parteien in Schichten
von mehreren Zentimetern umher ( E i d m a n n 1 9 3 5 ). Nach B e e b e sind es besonders die
Zwe rge , die, wenn einmal alarmiert, aufs heftigste angreifen ( B e e b e 1 9 2 7 ). „Ehe eine
Atta-Arbeiterin nicht persönlich attakiert und gebissen wurde, beachtete sie die Angreifer
gar nicht. Eine, die schon verschiedene Glieder verloren hatte, marschierte trotzdem, so gut
es ging, mit ihrer Ladung weiter. Die Arbeit, Blätter zu zerschneiden und nach dem Nest
zu tragen, war ihnen ein unerschütterliches Muß. Die gewaltigen ^4iia-Soldaten, die dick
und riesengroß die Tiefen des Nestes hüten und nur gelegentlich auf der Marschstraße ihren
Genossen zwecklos vor den Füßen herumlaufen, waren nirgends zu sehen, dagegen standen
die Bataillone der Atta-Zwerge in heißem Kampf. Sie waren zu klein, um Blätter zu zerschneiden
oder zu tragen, sogar zu schwach, um den Weg zum Nest hin und zurück zu
laufen, aber auf den Blättern im Angesicht der Riesen-Baumameisen zeigten sie, was sie
konnten, und den Wert ihres Daseins. Niemals habe ich solche Kämpfer gesehen! Sie taten