
C. Die Antennen der Nepiden.
I. Nepa cinerea L.
1. Morphologie der Antennen.
Während die Antennen der Insekten sich im allgemeinen auf der Dorsalseite des Kopfes
befinden, sind sie bei den Hydroeores mit ihren Ansatzstellen ventralwärts gerückt.
Außerdem liegen sie bei diesen hinter den Facettenaugen und heben sich kaum vom Kopfe
ab. Neben der viergliedrigen Grundform der Antennen der Hydroeores tr itt bei den Nepiden
eine besonders auffällige Antennenform auf, bei der die letzten beiden Glieder krebsscherenartig
gegeneinander stehen (Abb. 1—3). Die großen Facettenaugen sitzen bei Nepa cinerea
auf einer buckelförmigen Vorwölbung und heben sich stark vom Kopfe ab. Dicht hinter den
Augen entspringen die dreigliedrigen Antennen. Sie sind schwach gekrümmt und legen sich
seitlich den durch die Augenwülste entstandenen Einbuchtungen eng an. Der Scapus ist im
basalen Teil in eine grubenförmige Vertiefung versenkt, die aus der taschenartigen ersten
Gelenkhaut der Antenne gebildet wird. Die Gestalt des Pedicellus gibt den Antennen der
Nepiden ein besonderes Gepräge, da sein distaler Teil in einen zapfenartigen Fortsatz ausläuft,
der bei seiner Stellung zum Endglied der Antenne das krebsscherenartige Aussehen
verleiht. Der Fortsatz ist durch keinerlei Einschnürungen oder Gelenkhautbildungen vom
Hauptteil des Pedicellus abgegrenzt. Auf den Pedicellus folgt das erste Funiculusglied, das
gleichzeitig das Endglied darstellt. Es ist schmal und fingerförmig. Die Länge der dreigliedrigen
Antenne von Nepa cinerea beträgt etwa 1 mm. Was die relative Größe anbelangt, so
zeigt die Abb. 2, daß die Antennen nicht weiter als die kugelförmigen Augen aus dem Kopfe
herausragen. Die Größenverhältnisse von Antennen zu Kopf, Raubbeinen und Thorax treten
deutlich in der Abb. 1 hervor.
2. Histologie,
a) A l l g emei n e s .
Die histologischen Untersuchungen der antennalen Sinnesorgane der Nepiden forderten
neben der Feststellung des JoHNSTONschen Organs, in Erweiterung der EGGERS’schen Befunde
(1924, p. 300—301), ein Eingehen auf die Fragen, ob im Seapus Muskulatur vorhanden
ist, ferner, welche Hautsinnesorgane auftreten, und ob die Antennen drei- oder viergliedrig
sind? Bei der außergewöhnlichen Kleinheit des Objektes, insbesondere des J ohnston-
schen Organs, das bei günstiger Schnittrichtung erst bei 1800facher Vergrößerung deutlich
zu erkennen ist, ist es nicht zu verwundern, daß die bisherigen Untersuchungen zu keinem
Erfolg führten. So schreibt EGGERSft924, p. 301): „Bei Nepa habe ich trotz eifrigen Suchens
keine Andeutungen des JoHNSTONschen Organs gefunden.“ Weber (1930, p. 109) wertet
diese Angaben als endgültiges Ergebnis, indem er schreibt: „Von Interesse ist, daß bei Nepa
das Organ fehlt.“