
fallende Mannigfaltigkeit in Form und Größe der antennalen Kegel auf (Abb. 20—23). Der
Grundplan im strukturellen Aufbau der einzelnen Sinneskegel ist bei Ranatra aber völlig
einheitlich. Alle Kegel sitzen einer kuppelförmig gewölbten Chitinmembran auf, die sich
ohne Einsenkung über die Oberfläche des benachbarten Integuments erhebt. Die Innervierung
geschieht wie bei allen bisher beschriebenen Hautsinnesorg'anen durch Sinneszellen,
deren distale Fortsätze den Terminalstrang bilden, der wiederum die Kegel durchzieht, um
sich an ihrer Spitze anzuheften. Eine Perforation der Kegelspitze, wie einige Autoren
( H a u s e r 1880; BÜTSCHLI 1885; R u l a n d 1888) sie in verschiedenen Insektenordnungen festzustellen
glaubten, ist weder bei Ranatra noch bei Nepa vorhanden. Die in Abb. 20 und 21
dargestellten Kegel haben eine an der Spitze abgerundete etwas plumpe Form, wie sie bei
dem entsprechenden Gebilde bei Nepa auftritt. Die Größenverhältnisse der einzelnen Kegel
sind aus den vorliegenden Abbildungen ersichtlich. Der linke Kegel der Abb. 20 ha t eine
Länge von 8 ¡a und einen Durchmesser von 5 Auch bei den folgenden Kegeln wird die
absolute Größe vom Gipfel der kuppelförmigen Membran bis zum distalen Teil des Schaftes
gemessen. Die recht eigentümliche Form des anderen Kegels der Abb. 20 ist darauf zurückzuführen,
daß er nur zum Teil angeschnitten worden ist. Eine beträchtlichere Größe weisen
schon die Kegel in Abb. 21 auf, deren Höhe 11 p- und deren Durchmesser 6 bzw. 12 ¡x und
7 [x betragen. Ihrem ganzen Aufbau nach halte ich diese Sinneskegel, die lebhaft an die bei
Nepa beschriebenen erinnern, für Geruchsorgane.
Ebenso wie es Übergangsformen von Sinneshaaren zu -borsten gibt, ist oft eine klare
Scheidung in Sinnesborsten und -kegel nicht ohne weiteres zu machen. So könnte man das
in Abb. 22 dargestellte Hautsinnesorgan in enge Beziehungen zu den Sinneskegeln bringen,
wie es mit derselben Berechtigung zu den Sinnesborsten gestellt werden könnte. Der Schaft
des Gebildes weist nämlich weder die übliche Kegelform noch die Gestalt der sonst bei den
Nepiden beobachteten Sinnesborsten auf. Seine Länge beträgt etwa 24 (jl, sein Durchmesser
an der Basis 8 Über die mutmaßliche Funktion dieses antennalen Hautsinnesorgans, das
nur ganz vereinzelt auftritt, ist zu sagen, daß es seiner ganzen Beschaffenheit nach, besonders
aber durch das Auftreten von Riechstäbchen am Terminalstrang, dem Geruchssinne
dienen wird. Gebilde, wie sie in Abb. 23 dargestellt sind, habe ich nur sehr vereinzelt
angetroffen. Es ließ sich nicht feststellen, ob es sich um kleine Sinnesborsten handelt oder
um seitlich getroffene Schnitte des vorher beschriebenen Organs, in dessen Bereich sie aufzutreten
pflegen.
Aus den obigen Befunden ergibt sich also, daß die Antennen von Ranatra linearis
Sinnesborsten und Sinneskegel aufweisen, die zum mindesten überwiegend als Geruchsorgane
anzusehen sind.
d) D a s k a p s e l f ö rmi g e Orga n.
Von besonderem Interesse ist ein Gebilde, das sich an der zweiten Gelenkhaut (Ghll)
der Antenne von Ranatra befindet und bisher noch nicht beschrieben wurde. Es erinnert an
das bei Nepa erwähnte kapselförmige Organ (Abb. 14). Die wesentliche strukturelle Übereinstimmung
mit letzterem besteht darin, daß es sich ebenfalls um eine Einstülpung der
äußeren Chitinhaut nach innen handelt, durch die ein kugelförmiger, stark chitinisierter
Körper gebildet wird (Abb. 24 und 25). Seiner erheblichen Größe und seinem komplizierten
Bau nach weicht es aber stark von dem bei Nepa beobachteten Gebilde ab. Während
nämlich das Organ bei Nepa nur einen Durchmesser von 10 [x aufweist, beträgt derselbe
Abbildung 22 Abbildung23.
Abb. 21. Ranatra linearis. Größere pedicellare Sinneskegel im Längsschnitt.
Größe links 11 p ,: 6 p, rechts 12 p ,: 7 p,. Vergr. 566 :1-
Abb. 22. Ranatra linearis. Längsschnitt durch ein Hautsinnesorgan am Pedi-
cellus mit Riechstäbchen (R.St.). Vergr. 566 :1.
Abb. 23. Ranatra linearis. Längsschnitt durch ein Gebilde am Pedicellus, das
nicht näher irt die Hautsinnesorgane eingegliedert werden konnte.
Abb. 24. Ranatra linearis. Längsschnitt Abb. 25. Ranatra linearis. Längsschnitt
durch das kapselförmige Organ. durch das kapselförmige Organ mit seiner
Vergr. 1700 :1. Anheftungsstelle an der Gelenkhaut II.
Vergr. 1700 :1.
Vergr. 566 : 1.
Abb. 26. Notonecta glauca. Kopf und Prothorax
ventral gesehen. Vergr. 12 :1 .
Abb. 27. Notonecta glauca. Linke Antenne
von der Außenseite (Wasserseite) gesehen.
Vergr. 114 :1.
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