
Zu diesen hauptsächlich von mir behandelten Attiden kamen dann noch mehrere andere
Formen aus Brasilien, insbesondere einige Arten aus der Umgebung von Santos und Rio
de Janeiro. Ferner Arten aus Misiones (Porvenir, St. Pipó), vom Ig*uazú und Alto Paraná
(Pto. Aguirre), meist verschiedene Formen von Acromyrmex hispidus Sants. und Acro-
myrmex crassispinus F or ., die ganz ähnlich wie Acromyrmex disciger Mayr leben. Endlich
liegen noch vor einige Arten aus Montevideo und seiner Umgebung (Carrasco, E stancia
Magerl u.a.m.), die mir zum Teil auch durch Freunde gesammelt wurden.
a b
e d
Abb. 20. Köpfe von Atta vollenweideri sp. mllensis (A tta polita). Die Gesamtgröße der Tiejii betrug bei a = 15 mm, b .=
10,5 nun, e = 7,5 mm, d = 4,5 nun, e = 3 mm.
Zur Ergänzung der Untersuchungen an Blattschneidern wurden dann noch andere
Myrmicinen herangezogen, insbesondere Pheidole- und Solenopsis-Arten, welche z.T. als
Hausameisen oder Vorratsschädlinge in Argentinien Vorkommen, sowie verschiedene For
micinen, Dolichoderinen, Ponerinen und Dorylinen (z. B. Vertreter der Gattungen Campono-
tus, B rachymyrmex, Iridomyrmex, Dorymyrmex, Tapinoma, Forelius, Tonera, Dinoponera,
Eciton u.a.m.), die z. T. in Beziehungen zu den Attinen stehen.
2. Verbreitung und Nestanlage.
Zur genauen Darstellung der Verbreitung einzelner A rten fehlen noch die Grundlagen.
Insgesamt kann man aber feststellen, daß die blattschneidenden Ameisen es verstanden
haben, sich in ganz verschiedenen landschaftlichen Regionen anzusiedeln. Wir finden Arten
von ihnen sowohl im feuchten Urwald wie in der Halbwüste. Auch die einzelnen Spezies
der Attinen können ihre Nester in ganz verschiedener Weise ausbauen; es erwies sich als
irrig, stets eine einzige Nestform anzunehmen. Hierauf wies übrigens schon Moeller hin,
der nie einen bestimmten Bauplan oder eine bestimmte Symmetrie bei den von ihm untersuchten
A cromyrmex-^estern fand. E idmann war zunächst der Meinung, daß ein von ihm
erstmalig genau untersuchtes Nest für alle A tta sexdens typisch sei; er zog diese Annahme
aber dann zurück, als er später weitere Kolonien untersucht hatte. Durch ihn sind auch die
Einzelheiten der riesigen Nester von Atta sexdens genauer bekannt geworden. Sie sind indessen
nicht die größten; denn der Ausdehnung nach erreichen die Nestanlagen von A tta
vollenweideri und A tta polita noch bedeutendere Dimensionen. In Patquia war ein ganzer
Hügelrücken von einer einzigen Kolonie eingenommen, die allerdings durch die Dürre des
Jahres 1937 ausstarb (Abb. 6 b).
Von anderen Stellen wurden Staaten von 1 ha Ausdehnung beschrieben; es war also
ein einziger Nestbezirk in einem Gebiet von etwa 100 mal 100 m, der nach Oliveira im
Staate Sao Paulo 15, in manchen Gegenden sogar 50 Kolonien von A tta sexdens trägt.
(S. E idmann, 1935, S. 431.) Verständlich wird diese Verschiedenheit durch die Landschaft,
in der sich beide Nestformen befinden: A tta sexdens in feuchtem brasilianischem Urwaldgebiet,
von dem das Territorium von Misiones ja ein Teil ist, und A tta vollenweideri und
A tta polita in der sogenannten Monte-Region, dem trockenen, oft sandigen Busch und Baumwald,
der unmittelbar in Wüste übergehen kann und im Norden und Westen sich an die
zentrale argentinische Pampa anschließt (Prov. Sta. Fe, Santiago del Estero, La Rio ja, Salta,
Catamarca, Corrientes, Chaco). In solchem Gelände mit geringerer Vegetation müssen die
Blattschneider größere Flächen zur Proviantierung zur Verfügung haben. In der Tat
können die Straßen von A tta vollenweideri kilometerlang sein, so daß förmliche Pfade entstehen,
die Reitwegen gleichen. Kollegen in Buenos Aires erzählten mir, daß sie einmal
dadurch in die Irre geführt wurden und, mit ihren Reitpferden einem Atta-Pfad folgend,
nicht zu einer Ansiedlung, sondern zu einem Ameisennest kamen.
Außerdem besteht für A tta vollenweideri und A tta polita die Notwendigkeit, in dem
trockenen Boden sehr tief zu graben, um auf Feuchtigkeit zu stoßen, wo dann Pilzgärten
und Zuchtkammer angelegt werden können. Nach dort führen dann Röhren von vielen
Metern, oft auch blind endend, so daß eine Ausgrabung meist nur ein riesiges Gewirr von
Kreuz- und Quergängen aufdeckt. A tta vollenweideri dehnt sich indessen nicht allzu weit
nach Süden aus; jenseits des Rio la Plata und Saladillo bei Rosario findet man sie kaum
noch, obgleich auch dort noch Monte-Regionen zu finden sind. Sie ist allem Anschein nach
gegen Kälte weit empfindlicher als Acromyrmex (Moellerius) striatus (Ro g .). Die einzelnen
Subspezies und Varietäten dieser Ameise sind durch eine gemeinsame Grundfärbung
(roter Kopf, dunklerer Hinterleib) ausgezeichnet, aber durch eine Reihe anderer Merkmale
so voneinander verschieden, daß, wie schon erwähnt, E mery, Bruch u. a. beispielsweise
Acrom. (Moellerius) silvestri für eine besondere Art, andere aber nur für eine Subspezies
halten. Auch Acrom. (Moellerius) striatus silvestri var. bruchi F orel, die in Patagonien
dominiert, wird von Gallardo für eine echte A rt angesehen. So lange wir nicht ganz genaue
Kenntnisse über Verbreitung und Abänderungsmögliehkeiten haben, ist aber n a tü rlich
schwer zu sagen, ob besondere Arten, Subspezies und Lokalformen oder ökologische
Rassen vorliegen, und die oft gebrauchte schwierige Nomenklatur täuscht, wie E. Mohr
einmal sehr richtig sagt, „eine Gründlichkeit vor, die geradezu im umgekehrten Verhältnis
zum tatsächlich erreichten steht“ . Da die Lebensweise bei allen von mir untersuchten Formen
vollkommen übereinstimmt, möchte ich bis zur endgültigen Klärung alle diese Rotköpfe
zusammen als einen Rasse-Kreis auffassen und bis auf weiteres nur von Acromyrmex
striatus sprechen. Wie starke Variationen auch innerhalb „guter“ Arten zustande kommen
können, wird bei Behandlung des Polymorphismus noch zur Sprache kommen.
Der Rassenkreis von Acrom. striatus ist für das ganze Monte-Gebiet charakteristisch.
E r greift auch noch über in die Patagonische Region, was nicht weiter verwunderlich ist,
da, wie wir sahen, beide Regionen zunächst sehr ähnlich sind und allmählich ineinander
übergehen. Überall sind auch die Nester annähernd gleich: ohne besondere Hügel gehen