
und auch eine Anzahl anderer, nicht zusammen, dann bleibt die Nestgründung ein Torso,
wie meine Beobachtungen zeigten, die alle möglichen Kombinationen, wie geflügelte und
ungeflügelte Weibchen mit und ohne Pilze auf vorhandenen und fehlenden Mistbeeten bei
Eiablage und Eimangel ergaben.
Einige andere Besonderheiten erleichtern indessen wieder die Gründung; so z. B., daß
die Ersteier auch mittlere Arbeiter liefern können. Denn wenn die Ersteier bei Blattschneidern
ebenfalls nur kleinste Arbeiter ergäben, würde die Koloniegründung noch schwieriger
sein; denn diese kleinsten Arbeitsformen verlassen das Nest nicht oder nur bei stä rkerem,
von großen Tieren veranlaßtem Alarm. Und da auf diese Weise kein Substrat
für die Pilze eingetragen werden könnte, wäre für das; Junge Nest eine neue Gefahrenquelle
vorhanden. Die zunächst entstehenden mittleren Tiere beginnen aber gerade zu der
Zeit zum Außendienst reif zu sein, wenn die zweite Serie der kleinsten schlüpft, und
liefern so diesen extremen Innenarbeitern das nötige Material für die Pilzgärten.
Infolge der Schwierigkeiten, die bei der unabhängigen Gründung vorliegen, ist es
verständlich, daß die Weibchen auf unabhängige Gründung verzichten und sich in andere
Nester aufnehmen lassen. Schon H u b e r beschreibt die Adoption eines A t¿«-Weibchens; und
wie die Tabelle 33 zeigt, ist eine solche Aufnahme bei den drei von mir daraufhin untersuchten
Arten stets gelungen. Es dauert allerdings immer erst einige Zeit, bis die Gewöhnung
vor sich gegangen ist; und infolgedessen halte ich auch die Versuche von E i d m a n n
für nicht ganz beweisend. Es wird wohl stets einen Kampf geben, wenn man die durch das
Anfassen aufgeregten Weibchen unmittelbar an ein vielleicht ebenfalls schon durch die
Beobachtung aufgeregtes Nest setzt. Daß Weibchen, die aufgenommen werden sollen, sich
ganz besonders betragen und beispielsweise erst den Geruch des neuen Nestes annehmen,
zeigte ich seinerzeit bei Camponotus chilensis ( G o e t s c h 1935).
In verwaisten Nestern ohne Königin, die ja oft das Weibchen förmlich vermissen,
wird die Aufnahme wohl auch in Attinen-Nestern glücken, und so halb verkommene Nester
wieder aufrichten, zumal da durch eine neue Königin sogar neue Pilze mitgebracht werden
können. Darin hat E i d m a n n recht: Mehrere Königinnen in einem Nest bekämpfen sich
nach einiger Zeit, so daß in Freiheit wohl zuletzt stets schließlich nu r ein Weibchen übrigbleiben
wird. Die Beobachtungen im Kunstnest sprechen jedenfalls für diese Annahme;
die Insassen eines Atta- oder Acromyrmex-Staates sind also normalerweise Nachkommen
einer einzigen Königin.
In den zwei Protokollauszügen über die aus abhängiger Nestgründung hervorgehenden
Kolonien, die hier zum Schluß noch angeführt werden, wird man eine ganze Zahl
von Angaben über die verschiedensten Probleme wiederfinden; sie sind deshalb auch ein
klein wenig ausführlicher gehalten, zumal da es sich dabei auch um Versuche handelt, die
wohl bisher wenigstens in Europa niemals in dieser Ausdehnung durchgeführt sind.
Am 1 5 .1 .1938 wurde ein neben einem Weingarten gelegenes großes Nest von Acromyrmex slriatus bei Roca ausgegraben
und Pilzgartenteile mit einer großen Zahl von Arbeitern und Brut in einem großen Gipsnest angesiedelt; 2 geflügelte
sowie ein ungeflügeltes Weibchen, die ich hineingab, wurden ohne weiteres angenommen. Am 25.1. begann ein
Weibchen die Flügel abzuwerfen; es drückte sie mit der typischen Abwurfbewegung an den Boden. Bis 26.1. gelang der
Abwurf aber nur auf der einen Seite.
Auf der Rückreise von Buenos Aires nach Hamburg befand sich das Nest in dem Kabinenschrank im Dunkeln; das,
was sich dabei über den Arbeitsrhythmus ergab, ist in Tabelle 4 niedergelegt.
Schon am 3. II. konnte ich feststellen, daß Apfelsinenschalen zu Pilzgärten verarbeitet wurden, und am 13. II., daß
Korkbrösel auf die Pilze geworfen wurden.
Da der Pilzgarten während der Bahnfahrt Hamburg—Breslau stark gelitten hatte, wurden nach der Ankunft in Breslau
Blumenkohlblätter mit Zuckersaft gereicht (27.11.); sofort gab es an dieser Stelle eine große Versammlung, an der
sich auch Weibchen (1 geflügelt, 1 ungeflügelt) beteiligten. Bei dem danach einsetzenden Schneiden wurde der austretende
Saft aufgeleckt.
Auf den Pilzgärten waren zu dieser Zeit stets gelbe Kottröpfchen sichtbar, aber auch ausgebrochener Zucker, sowie
dort abgelegte Zuckerkristalle. Es war also eine Übersättigung an Süßstoff eingetreten; die Acromyrmex trugen dabei diese
nicht mehr genehme Nahrung zum Pilzgarten, so wie andere Ameisen sie beim Abfall niederlegen. Einige Zeit später wurden
an dem Pilzgarten auch ausgekaute Blattstücke angefügt.
Der große schöne Pilzgarten war am 2. III. in kleine Stücke zerlegt, aber bis 9. III. wieder in Ordnung gebracht worden.
In den Tagen vom 15.—-17. III. wurde er von neuem fast restlos zerstört und abgebaut; an anderer Stelle begann aber
langsam ein Wiederaufbau aus Rosenblättern.v
Das gleiche wiederholte sich Anfang April; die Pilze verschwanden beinahe völlig. Am 7. IV. war jedoch wieder
ein Garten in einer Ausdehnung von etwa 1 ,5 :1 ,5 : 4,0 cm feststellbar. Die weiteren Protokolleintragungen, die z. T. von
E. W ein la n d durchgeführt wurden, besagten folgendes:
14. IV.: Pilzgartenreste verschwunden; man sieht einige Arbeiterinnen mit Apfel- und Rosenblattstückchen umherlaufen.
Etwa 10 Arbeiterinnen sind mit der Brut beschäftigt.
23. IV.: Seit Tagen keine Pilze mehr; es wurde deshalb am 24. IV. ein Stück Mistbeet von Nest 151 zugegeben, an
dem am 25. IV. weitergebaut wurde, sodaß er bis 30. IV. die Größe von 4—5 Erbsen erreichte.
Das Nest bestand zu dieser Zeit aus 50—70 Arbeiterinnen; die Weibchen waren jetzt alle entflügelt. Da unter ihnen
nunmehr Streitigkeiten ausbrachen, denen eines zum Opfer fiel, wurden die übrigen mit einigen Arbeiterinnen in Parallelnester
(150 a, b) eingesetzt.
Die am 15.1. noch vorhandenen Eier hatten sich bis 24.11. sämtlich zu Larven entwickelt; die Entwicklung vom Ei
zur Larve dauerte also etwa 24 Tage. Am 18. III. waren ijp Nest einige mittlere Larven ; ebenso am 12. IV.; am 16. V.
ließen sich noch 2 Riesenlarven (auf dem letzten Stadium) feststellen; die übrigen waren zu Puppen geworden.
Dagegen traten am Anfang April neue Eier auf. Die Frage war nun, woher sie stammten. In Betracht kamen damals
noch 2 Weibchen, oder aber Arbeiterinnen. Sichere Feststellungen ließen sich nicht machen, nur wurde einmal ein Weibchen
unmittelbar bei der Eiablage beobachtet. Aus den Eiern wurden 2 große Larven, d ie sich am 23. V. zu Männchen-
Puppen verwandelten.
Der Pilzgarten sah zu dieser Zeit (Mitte Mai) nicht gut aus; er war wieder am Verschwinden. Es wurde deshalb ein
Stück von Nest 152 (Acrom. lobicornis) hinzugegeben, worauf er wieder aufblühte, und zwar so, daß ihm am 3. VI. Stücke
für andere Nester entnommen werden konnten. Dann verfiel er wieder und war am 29. VI. verschwunden. Da bis 22. VII.
keine Pilze auftraten, wurde ein Stück des zu dieser Zeit florierenden Gartens von Nest 151 (Acrom. slriatus) zugegeben,
das die Tiere indessen nicht ordentlich weiter pflegten. Es war offensichtlich, daß die Arbeiterinnen sich nicht mehr richtig
um die Pilze kümmern: vermutlich deshalb, weil sie zu a l t sind. Die etwa 30 Tiere, welche zu dieser Zeit noch lebten,
waren sämtlich ganz dunkle Mittel- oder Großformen; die Zwerge lebten alle nicht mehr. Da keine Jungen nachgewachsen
waren, müssen die Ameisen zu dieser Zeit etwa 6 Monate alt gewesen sein. In der Nat ur würden sie sich schon lange
nicht mehr um die Pflege von Pilzen oder Brut gekümmert haben. Aber auch im Kunslnest beschäftigten sie sich jetzt vorwiegend
im Außendienst (in angehängter Glastube usw.), sodaß auch der überimpfte Pilzgarten wieder verschwand
(18. VIII.).
Auch ohne Pilzgarten lebten einige Arbeiter, die immer Obst-, Mehlwurmstückchen u.a.m. erhielten, noch Monate;
die letzten, schon sehr schwachen 5 wurden am 31. X. fixiert.
Die Parallelnester 150a und b, aus Arbeitern, Brut und je 1 Weibchen bestehend, zeigten im allgemeinen dasselbe:
Die Pilzgärten wucherten und verschwanden, und zwar meist zu so verschiedenen Zeiten, daß man aus ihnen Stücke zum
Übertragen an andere, zu dieser Zeit gerade pilzlose Nester entnehmen konnte. Ein normales Nest entstand aber auf die
Dauer nie.
Alle diese unabhängigen Gründungen mißglückten deswegen, weil es sich trotz Flügelabwurfes
um unbefruchtete Weibchen handelte. Daß mit einem befruchteten Weibchen
diese Art der Nestgründung dagegen gelingt, zeigt das Nest 151, dessen Protokollauszüge
hier folgen.
Im Nest 151 wurde am 1 6 .1. 38 ein auf der südlichen Meseta bei Roca (Abb. 13a) gefangenes flügelloses Weibchen, ein
Stückchen Pilzgarten vom Nest 150, einige ältere und jüngere Puppen, 1 Larve, sowie 3 soeben geschlüpfte Imagines vereinigt.
Das Weibchen, das zunächst sehr „nervös“ war und dauernd unruhig umherlief, wurde sofort ruhig, sobald es an die Pilze
und an die Brut kam. Es riß ein Stück vom Pilzgarten ab und brachte es an den After, um es dann wieder einzufügen, und
beleckte die Brut sowie die jungen Imagines, die ihrerseits ohne jede Scheu waren. Auch diese jungen Arbeiterinnen
begannen sofort, Brut und Pilze zu pflegen. Nur einmal nahm das Weibchen die auch bei anderen Ameisen in solchen
Fällen beobachtete „Demutsstellung“ ein. Am 17.1. waren einige weitere Puppen geschlüpft; das Nest war gut im Stande,
vergrößerte den Pilzgarten aber nicht. Einige von mir auf die Pilze geworfene Rosenblattstückchen wurden im Gegenteil
von den Arbeiterinnen zunächst entfernt. Abends war jedoch d ie K ö n i g i n damit beschäftigt, einige kleine zerkaute
Rosenblütenteile auf dem Pilzgarten abzulegen.