
Wenn man das Nervenfasergewirr der glatten Muskulatur überblickt, so sollte man
zuerst meinen, daß überhaupt keine Ordnung hineinzubringen ist. Das gilt vor allem dann,
wenn man nur dünnere Schnitte zur Untersuchung heranzieht. Es zeigt sich aber, daß ein
gewisses Bauprinzip mit ziemlicher Regelmäßigkeit wiederkehrt. Aus gröberen Geflechten,
die manchmal schon Plexuscharakter besitzen, die auch noch zahlreiche SCHWANNsche
Kerne enthalten und im allgemeinen senkrecht durch die Muskulatur ziehen, gehen, wie
es in der Abb. 22 angedeutet ist, wiederum senkrecht dazu feinere Geflechte ab, die schon
mehr Plexusbildungen erkennen lassen. Diese enthalten viel weniger SCHWANNsche Kerne.
Sie lösen sich allmählich in das nervöse Terminalreticulum auf. In der Zeichnung sind
nicht sämtliche Fasern dieser Gewebsstelle dargestellt, sondern nur die, die sich aus dem
gröberen Faserzug abspalten. Das Bild des nervösen Terminalreticulums ist aus den wunderschönen
Abbildungen Stöhrs schon bekannt. Ich füge nu r eine kleine Zeichnung (Abb.
23) bei, in der ein feines Fäserchen des Reticulums bei sehr starker Vergrößerung zu erkennen
ist. Auf die engen Lagebeziehungen zu den Kernen, die für eine intracelluläre
Lage des Fäserchens sprechen, braucht nicht besonders hingewiesen zu werden. Erstaunlich
ist, wie stark sich die Fasern in manchen Fällen zu Varikositäten auf splittern können.
Auch Stöhr (1937) zeigt ja gelegentlich solche Stellen, und ich glaube, daß man mehr
und mehr die Möglichkeit zugeben wird, daß Varikositäten auf natürlichem Wege entstehen
können, vielleicht sogar aus der Tätigkeit der Nervenfasern heraus, und nicht etwa
nur als Kunstprodukte anzusehen sind, die auf Grund irgendwelcher schlechter Techniken
entstanden sind.
Zur Untersuchung wichtiger waren mir die vereinzelt gelegenen Muskelzellen oder
kleinere Verbände glatter Muskulatur. Bei ihnen kann man oft beobachten, daß sie von
den umgebenden Bindegewebsformationen direkt eingeschlossen werden, daß ihre bindegewebigen
Hüllen mit den anderen Bindegewebsfasern in Beziehung treten. In der Abb. 24
ist ein solches Muskelende dargestellt. Es sind keine besonderen Sehnen entwickelt, wie
wir sie von der glatten Muskulatur ja auch kennen, sondern die Muskelenden gehen allmählich
in das Bindegewebe über (in der Abbildung bei m). Auch in dieser Abbildung,
die bei sehr starker Vergrößerung und mit der ausgezeichneten Zeiß-Optik gezeichnet
wurde, wird das nervöse Terminalreticulum deutlich. Es ist nun interessant, Faserbündel
oder einzelne Nervenfasern, die von außen her. in die Muskulatur eindringen, in ihrem
Verlauf zu verfolgen; denn dabei kann man wirklich einwandfrei etwas über die Struktur
der Nervenendigungen aussagen. Die Abb. 25 zeigt einen solchen Nervenfaserzug, der von
oben (im Bild) her die Muskulatur versorgt. Die Fasern, die am A nfang eng nebeneinander
liegen, können optisch nicht sehr deutlich voneinander getrennt werden. Sowie sie sich aber
auflösen, kann man wohl deutlich genug ersehen, daß fast sämtliche Fasern und Fäserchen
miteinander in Verbindung stehen. Meist erkennt man an ihren Verbindungsstellen
sogar die dreieckigen Knotenpunkte. Besonders klar wird das Bild bei t, wo wiederum das
nervöse Terminalreticulum sich ausmachen läßt. Ich habe lange Zeit darauf verwendet,
um in dem Präp a ra t, nach dem diese Abbildung gezeichnet ist, und in anderen Präparaten
wirklich den plexusartigen Aufbau des nervösen T erminalreticulums nachzuweisen. Unter
Plexus möchte ich dabei also eine syncytiale Verbindung der verschiedenen Nervenfäser-
chen miteinander verstanden wissen, während im Geflecht die Fasern nebeneinander herlaufen
sollen, sich also nicht miteinander verbinden. Noch klarer wird wohl bewiesen, daß
das nervöse Terminalreticulum für die glatte Muskulatur als Endformation in Betracht
kommt, wenn man beobachtet, wie eine einzelne F aser in das Gewebe hineinzieht. Das soll
beispielsweise in der Abb. 26 gezeigt werden. Man muß sich ja hüten, vor lauter Freude
über das immer wieder wechselnde und verschiedenartige Bild des Gesehenen zu viele
Zeichnungen anzufertigen, aber andererseits kann eine Abbildung doch manchmal mehr
sagen als vieler Text. In der Abb. 26 wird gezeigt, wie eine Nervenfaser, die von rechts
aus dem Bindegewebe her kommt, sich in einem Muskel aufreisert. Immer wieder stehen
die Nervenfäserchen, die manchmal fast den Wert von Neurofibrillen zu besitzen scheinen,
in Verbindung miteinander, bilden ein einzigartiges Reticulum.
Damit scheint bewiesen, daß das nervöse Terminalreticulum tatsächlich Endformation
des vegetativen Nervensystems ist. Das erhärtet sich noch aus Bildern, die bei der Innervation
der Blutgefäße gesehen werden können, obwohl der Aufbau dort etwas anders ist.
In der Abb. 27 zeige ich eine kleine Arterie in der Flächenansicht. J e feiner die Fäserchen
werden, um so mehr verbinden sie sich zu einem grob- bis feinmaschigen Reticulum.
Von einer isolierten Lage der einzelnen Fäserchen kann nicht mehr die Rede sein.
Mit den letzten Abbildungen glaube ich den Beweis erbracht zu haben, daß nicht aus
einer mangelnden Technik heraus etwa die wahren Endigungen der Fasern fehlen. Umso
mehr muß uns aber nun die Frage beschäftigen, ob im Bereich der Endformation des
vegetativen Nervensystems auch noch andere, etwa punktförmige Endigungen Vorkommen.
Früher haben wohl alle Autoren Endösen in der glatten Muskulatur gesehen und
auch dargestellt. Ich will auf die zahlreichen Veröffentlichungen darüber nicht eingehen.
Neuerdings ist wohl vor allem immer noch Boeke (1933, III) ein Vertreter dieser Ansicht.
Die Abbildung seiner Präparate, die das Ergebnis ausgezeichneter Imprägnationsmethoden
sind, zeigen das sehr deutlich. Stöhr gibt im Jah re 1935 noch die Möglichkeit
zu, daß neben dem Terminalreticulum auch Endösen Vorkommen. Clark (1937) bildet
ebenfalls noch Endreticularen ab. Der einzige aber, der bis zuletzt an den beiden Innervationsarten
zugleich festhält, ist Boeke.
Ich habe mich immer wieder darum bemüht, einwandfrei das Vorhandensein und den
Bau solcher Endösen zu überprüfen, und ich habe nur solche Endigungen gezeichnet, bei
denen es sich nicht um abgeschnittene Varikositäten oder um nicht voll imprägnierte
Fasern handeln kann. Das Ergebnis zeigen die Abb. 28—32. Es handelt sich bei den
ersten vier Bildern um solche von einzeln gelegenen Muskeln. Viel seltener kommen
solche Reticularen in größeren Gewebsflächen vor, wie das die letzte der fünf Abbildungen
zeigt. An Gefäßen fand ich sie niemals. Wie sämtliche Zeichnungen nach-
weisen, handelt es sich bei den Fasern, zu denen die Endösen gehören, immer um isoliert
gelegene, die keine Verbindung mit dem übrigen Terminalreticulum auf weisen. Auffällig
ist, wie in der Abb. 28 von einer etwas dickeren Nervenfaser sich senkrecht dazu ein
feineres Fäserchen abzweigt, um dann als Reticulare zu endigen. Noch schöner ist das
in der Abb. 30 zu sehen. Von einer solchen Endöse kann man doch wohl wirklich nicht
annehmen, daß es sich um ein Kunstprodukt handelt. In manchen Fällen, wie etwa in
Abb. 31, ist so etwas wie ein periterminales Netzwerk um die Endigung herum angedeutet.
Man kann dann allerdings von einem morphologischen Ende kaum sprechen; denn wo
die Nervenfaser auf hört, wo das periterminale Netzwerk beginnt, wo dieses wiederum
endet, das kann man an keinem Bild erkennen, auch dann nicht, wenn scheinbar nur die
„Endigung“ oder nur das periterminale Netzwerk imprägniert ist, wie das die Abb. 28
meiner Reptilienarbeit (Schartau 1936) von Endkolben der Reptilienhaut zeigt.
Zusammenfassend läßt sich also sagen, daß mit der größten Wahrscheinlichkeit neben
dem nervösen Terminalreticulum auch Endreticularen in der glatten Muskulatur vor