
Das erste Viertheil des von mir vorläufig ilherschlagenen Ganzen liegt hier vor den
väterlich-nachsichtigen Blichen Ew. E x c e lle n z ; der Gewinn, toelehen die Wissenschaft
daraus etwa ziehen möchte, wird eine Frucht seyn der e r l e u c h t e t e n R e g i e r u j ig
unseres e r h a b e n e Ji M o n a r c h e n , der Weisheit Ew. E x c e l l e n z und der Liebe;
des Fleifses und der Hingebung, mit welcher der Diener der Wissenschaft unter
solchen erhabenen Begünstigungen seinen Weg verfolgt.
Möge es mir gelingen, mit den Mitteln, welche das lithographische Institut von
A rm et Comp, m Düsseldorf der Ausführung, nicht ohne eigene Opfer, bietet, etwas
zu leisten, das der Beachtung Ew. E x c e l l e n z nicht ganz unwürdig sei.
Ich ersterbe
Ew. E x c e l l e n z
N a tu rwi s s e n s c h a f t l ic h e s M us eum
z u P o p p e l s d o r f h e i B o n n
den 1. October i 826.
unterthänigster
G. A . G O L D F U S S.
D i e hiesige naturhistorische Sammlung enthiflt einen grossen Vorrath von Versteinerungen und fossilen
Knochen, erstere vorzüglich aus dem altem und mittlern Flötzgehirge der Rlteinischen - und der übrigen
deutschen Gebirge. Aufserdem hat mir mein Freund, Herr H o en in g h a u s zu Crefeld, seine giosse und
aiisgewählte Sammlung, welche auch einen Reichthum von Fossilien aus dem tertiären FlÖtzgebirge enthält,
zur freien, wissenschaftlichen Benutzung geöffnet.
Da ich mich nun aus besonderer Neigung mit den Naturkörpern der Vorwelt beschäftige, einem
Stoff, welcher täglich an allgemeinerem Interesse gewinnt, so habe ich die lithographische Anstalt des
Herrn Arnz e t Comp, zu Düsseldorf veranlafst, die wichtigsten Originale beider Sammlungen durch
ihre vorzüglichem Künstler zeichnen zu lafsen, und die Ausstattung eines Werkes zu übernehmen, dessen
erstes Heft ich hier dem Publikum übergebe. Drei Hefte von gleichem Umfange werde ich demselben
folgen lafsen, so schnell es die Verhältnisse gestatten.
Es wird dieses Werk vorzüglich den Versteinerungen der altern und mittlera FlÖtzgebirge gewidmet
sein, und ich hoffe, nicht nm- bei den Zoophyten, sondern auch bei den übrigen Thierklassen, einige
der Wissenschaft fördersame Beiträge liefern zu können, indem ich mich demnächst an die trefflichen
Vorarbeiten S c h lo th e im s anzuschliefsen und dieselben hie und da zu vervollständigen wünsche.
Doch sollen auch die Versteinemngen der tertiären FlÖtzgebirge nicht ausgeschlofsen sein, theils um
dem Zweck einer wifsenschaftlichen Uebersicht der Gattungen für die deutschen Naturforscher zu genü-
gen, theils um die Kenntnifs jener Arten, welche in Deutschland und in den näher angrenzenden Gebirgen
Vorkommen, zu erweitern.
Vorläufig habe ich mich auf die genauere zoologische Unterscheidung und Feststellung der Arten beschränkt,
weil es nothwendig scheint, dafs man vorerst über eine bestimmte, mit den Fortschritten der
Zoologie im Einklänge stehende Namengebung übereinkomme, da diese, was die Versteinerungen der
altern uud mittlern FlÖtzgebirge betrifft, noch nicht berichtigt ist.
Man wird bereits aus dem Inhalte dieses ersten Heftes entnehmen, dafs ich möglichst zu vermeiden
suchte, neue Namen zu schaffen, wenn bereits ältere vorhanden waren und von mir aufgefimden
werden konnten. Letzteres war mir jedoch bei Benennung der Arten nicht immer möglich, theils weil
unsere, nur aUmählig horanwachsende Universitäts-Bibliothek nicht jedes literarische Hülfsmittel gewähren
kann, ihcils weil mich unvollständige Beschreibungen und Abbildungen, auch bei der sorgfältigsten Vergleichung,
nicht selten in Ungewifsheit liefson. Was die Gattungen anbelangt, so habe ich bei Feststellung
derselben den Grundsatz vor Augen, dafs eine Gattungsverschiedenheit nur durch Eigenthüm-
lichkeilon des inneru Baues begi-üudet scyu könne. Mau wird daher in diesem ersten Hefte eine beträchtliche
Anzahl neuerlichst eingeführter Namen und Unterscheidungen vermifsen, und dagegen nur wenige
neue eingeführt finden.